Im Hafenbecken von Wismar ist am Montagmorgen ein Wal gesichtet worden – und es gibt Hinweise, dass es sich um ein bereits bekanntes Tier handeln könnte. Bauarbeiter entdeckten den Großwal gegen 9 Uhr und alarmierten das Hafenamt, das umgehend die Wasserschutzpolizei einschaltete. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern bestätigte, dass der Wal fortlaufend beobachtet wird.
Möglicherweise derselbe Buckelwal aus Schleswig-Holstein
Die genaue Walart ist noch unklar, doch erste Schätzungen gehen von einer Länge von etwa acht Metern aus. Dies deutet auf einen Buckelwal hin. Vor rund anderthalb Wochen war ein Buckelwal in der Kieler Förde gesichtet worden, am vergangenen Freitag gab es Sichtungen in der Flensburger Förde. Die Spur könnte nach Wismar führen. Ob es sich tatsächlich um dasselbe Tier handelt, ist laut Umweltministerium derzeit nicht abschließend zu klären.
Das Deutsche Meeresmuseum hält sich mit einer Bewertung zurück. „Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam und stehen in engem Austausch mit den Behörden“, sagte eine Sprecherin der dpa. Eigene Mitarbeiter nach Wismar zu entsenden, sei vorerst nicht geplant.
Hautzustand des Wals bereitet Sorgen
Trotz der ungewöhnlichen Route wirkt der Wal nach Angaben des Umweltministeriums vital. „Er taucht regelmäßig auf und wieder ab“, hieß es. Die Wasserschutzpolizei berichtete jedoch von einem schlechten Hautzustand des Tieres. Dies könnte mit dem geringen Salzgehalt der Ostsee zusammenhängen, der für Buckelwale, die normalerweise in salzhaltigeren Meeren leben, belastend wirkt und Hautveränderungen verschlimmern kann.
Die Behörden wollen deshalb möglichst behutsam vorgehen. „Ziel aller Maßnahmen ist es, dem Tier einen störungsarmen Rückweg in tiefere Gewässer zu ermöglichen“, teilte das Umweltministerium mit. Gleichzeitig solle eine Strandung oder andere Gefahren vermieden werden. Wassersportler und Sportbootführer werden eindringlich gebeten, Abstand zu halten.
Erinnerungen an den toten Buckelwal „Timmy“
Die Sichtung weckt Erinnerungen an den Buckelwal „Timmy“, der Anfang März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet wurde. Nach mehreren Strandungen barg eine Privatinitiative Ende April das Tier mit einem Ponton, was kontrovers diskutiert wurde. Anfang Mai wurde „Timmy“ in der Nordsee freigelassen, doch Mitte Mai wurde vor der dänischen Insel Anholt ein toter Buckelwal entdeckt. Ein Sender bestätigte: Es war „Timmy“. Die Hoffnung auf ein glückliches Ende hatte sich nicht erfüllt.
Ob der nun gesichtete Wal das gleiche Schicksal erleiden wird, ist ungewiss. Umweltministerium und Polizei setzen alles daran, dies zu verhindern.



