Fluggastrechte-Reform: EU stärkt Verbraucher, aber Lobby bremst bei Entschädigungen
Fluggastrechte-Reform: EU stärkt Verbraucher, Lobby bremst

Pünktlich zu den Sommerferien kommt aus Brüssel eine gute Nachricht für Verbraucher: Die Europäische Union stärkt die Rechte von Fluggästen spürbar. Am Montag billigten die EU-Mitgliedstaaten einen Kompromiss, den zuvor bereits das Europaparlament angenommen hatte. Damit wird es Airlines künftig schwerer gemacht, Kunden mit zweifelhaften Tricks beim Ticketkauf oder am Flughafen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer in den kommenden Monaten in den Urlaub fliegt, wird zwar noch nicht davon profitieren – die neuen Regelungen sollen aber spätestens im Sommer 2027 greifen.

Was die Reform bringt: Mehr Transparenz und Schutz vor versteckten Kosten

Die Reform zielt vor allem auf mehr Transparenz ab. Fluggesellschaften müssen künftig alle Kosten bereits bei der ersten Preisanzeige klar ausweisen – inklusive Steuern, Gebühren und obligatorischer Zuschläge. Versteckte Aufschläge für Zahlungsmethoden oder Gepäck werden weitgehend untersagt. Zudem wird es einfacher, bei Annullierungen oder langen Verspätungen Unterstützung zu erhalten, etwa kostenlose Mahlzeiten und Hotelübernachtungen. Auch die Hürden für Entschädigungsansprüche werden gesenkt.

Die Kehrseite: Keine höheren Entschädigungen bei Verspätungen

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass an einer entscheidenden Stelle die Rechte nicht gestärkt werden: Bei größeren Verspätungen oder Flugausfällen gibt es keine höheren Entschädigungen als bisher. Die Luftfahrt-Lobby konnte dies mit Unterstützung der Mitgliedstaaten verhindern. Auch eine Vorschrift zur kostenlosen Mitnahme von Handgepäck fehlt im Gesetz. Der EU-Gesetzgeber hat hier nach Ansicht von Kritikern eine einmalige Gelegenheit vertan.

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„Es ist richtig, dass es der Luftfahrt-Branche in Europa nicht gut geht“, kommentiert Brüssel-Korrespondent Thorsten Knuf. „Die Spätfolgen der Pandemie, hohe Kerosinpreise und Gebühren sowie die angespannte weltpolitische Lage belasten das Geschäft. Eine ganz andere Frage ist freilich, ob Fluggäste über gestiegene Ticketpreise hinaus noch einen weiteren Beitrag zur Stabilisierung des Sektors leisten sollten. Aus Verbrauchersicht kann die Antwort nur lauten: Nein – die eigenen Probleme muss die Branche schon selbst lösen. Leider haben die EU-Staaten das anders gesehen.“

Auswirkungen auf Verbraucher und Airlines

Für Fluggäste bedeutet die Reform mehr Schutz vor unseriösen Praktiken, aber keine finanziellen Verbesserungen bei Verspätungen. Airlines können aufatmen, da sie keine höheren Entschädigungen zahlen müssen. Die Branche bleibt unter Druck durch steigende Kosten, profitiert aber von der Vermeidung zusätzlicher Belastungen. Verbraucherschützer kritisieren den Kompromiss als halbherzig. Die Reform tritt voraussichtlich im Sommer 2027 in Kraft.

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