Seit Montag hängt am Berliner Dom ein leuchtendes Zeichen für Hoffnung und Menschlichkeit. Anlässlich des Weltflüchtlingstages wurde ein Kreuz aus etwa 30 Rettungswesten am Hauptportal des Doms angebracht. Die Westen waren zuvor im Mittelmeer im Einsatz. Das Kunstwerk soll an die über 72.000 Menschen erinnern, die seit 1993 auf der Flucht nach Europa gestorben sind – viele ertranken im Mittelmeer, andere verhungerten oder verdursteten.
Symbol der Hoffnung und Solidarität
„Wir wollen diese Menschen nicht vergessen“, betont Baudenkmalpflegerin Damaris Gorrissen vom Büro des Berliner Doms. Dom-Kuratorin Birgit Walter erklärt: „Das Kreuz sehen wir als Symbol der Hoffnung. Wie Jesus wollen wir uns um die Schwächsten kümmern.“ Die Aktion läuft bis zum 22. Juni und wird ergänzt durch die Initiative „Beim Namen nennen“, bei der die Namen der Verstorbenen, ihr Todesdatum und die Fluchtumstände auf Stoffbänder geschrieben und an den Außengittern der Dom-Arkaden befestigt werden.
Hintergrund der Aktion
Bereits in den vergangenen Jahren gab es zum Weltflüchtlingstag besondere Aktionen in Berlin. 2023 organisierte die AWO im Lustgarten riesige Papierboote, 2016 verkleidete der Künstler Ai Weiwei die Säulen des Konzerthauses am Gendarmenmarkt mit Hunderten orangefarbener Rettungswesten. Das diesjährige Kreuz wurde von der Firma Gerüstbau Tisch ehrenamtlich installiert, die schon Wochen vorher mit der Planung begann. Das fertige Kreuz ist 5,80 Meter lang und etwa vier Meter breit. Die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch stellte die gebrauchten Rettungswesten zur Verfügung.
Leuchtkraft in der Dunkelheit
Das Kreuz soll weit über den Lustgarten hinaus in den Berliner Stadtraum wirken. In der Nacht leuchten die Westen: Sie haben kleine blinkende Lämpchen für den Rettungsfall, die etwa acht Stunden halten. Ab Dienstag, wenn die Originalbatterien leer sind, übernehmen vorher angebrachte Lämpchen den Lichteffekt, die per Fernbedienung gesteuert werden. Die Lesungen mit den Namen der Verunglückten starteten am Montag im Berliner Dom.
Verschärfte Lage im Mittelmeer
Laut Sea-Watch wird die Situation der Geflüchteten im Mittelmeer immer schlimmer. „Wir verzeichnen den tödlichsten Jahresbeginn in der letzten Dekade“, so eine Sprecherin. „Die EU priorisiert Überwachung und Abschreckung gegenüber Rettung.“ Die libysche Küstenwache, die von der EU mitfinanziert wird, stecke Geflüchtete immer wieder in Gefängnisse, wo sie Menschenrechtsverbrechen ausgesetzt seien, die von Amnesty International dokumentiert werden.



