Potsdam: Obdachlosenhilfe fordert mehr Abkühlungsmöglichkeiten bei Hitze
Potsdam: Obdachlosenhilfe fordert mehr Abkühlung bei Hitze

Die Potsdamer Straßensozialarbeit hat angesichts der sommerlichen Hitzewellen ein besonderes Augenmerk auf den gesundheitlichen Zustand obdach- und wohnungsloser Menschen in der Stadt gelegt. Immer wieder kletterte das Thermometer in diesem Jahr bereits in Richtung der 40-Grad-Celsius-Marke, was für die Betroffenen eine enorme Belastung darstellt. Das Projekt Creso-Streetwork führte deshalb regelmäßig zusätzliche Hitzetouren durch, um die Situation der Obdachlosen zu überprüfen und Unterstützung zu leisten.

Hitzetouren und Verteilung von Wasser und Sonnencreme

„Wir haben regelmäßig und zusätzlich Hitzetouren durchgeführt“, erklärte Jörg Faulhaber vom Projekt Creso-Streetwork im Gespräch mit der dpa. Bei diesen Touren verteilten die Streetworker Wasserflaschen und in einigen Fällen auch Sonnencreme an die obdachlosen Menschen. Zudem warnten sie bei akuten Hitzewarninformationen vor den Gefahren extremer Temperaturen. Die Maßnahmen zielten darauf ab, akute gesundheitliche Schäden wie Hitzschlag oder Dehydrierung zu vermeiden.

Nach Einschätzung der Straßensozialarbeiter sind die meisten obdachlosen Menschen selbst bereits gut über die üblichen Strategien gegen Hitze informiert. „Nach unserer Einschätzung kennen obdachlose Menschen die üblichen Strategien und Maßnahmen gegen Hitze bereits gut“, führte Faulhaber aus. Die Temperaturen würden von den Betroffenen meist genau im Blick behalten. Dennoch zeigte sich Faulhaber kritisch hinsichtlich der städtischen Infrastruktur: „Wir sind allerdings der Meinung, dass es im Stadtgebiet zu wenige Wasserspender und insgesamt zu wenig Abkühlungsmöglichkeiten gibt.“

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Wasser als dringend benötigte Hilfe

Bei den Hitzetouren sei das mitgeführte Wasser größtenteils dankend angenommen worden, berichtete Faulhaber weiter. Die Nachfrage nach Trinkwasser sei hoch gewesen, was den Bedarf an öffentlich zugänglichen Wasserspendern unterstreiche. In vielen Städten gibt es bereits kostenlose Trinkwasserbrunnen, doch in Potsdam scheint das Angebot aus Sicht der Streetworker nicht ausreichend. Die Verteilung von Wasser durch die Streetworker sei deshalb eine wichtige Ergänzung, könne aber keine dauerhafte Lösung sein.

Die Straßensozialarbeit arbeitete im vergangenen Jahr mit 143 namentlich erfassten obdach- oder wohnungslosen Menschen zusammen. „Dabei ist jedoch zu beachten, dass uns nicht alle obdach- oder wohnungslosen Menschen in Potsdam bekannt sind“, betonte Faulhaber. Viele Betroffene seien zudem bereits an andere Hilfsinstitutionen angebunden, etwa an die Suppenküche oder an Beratungsstellen. Die tatsächliche Zahl der Obdachlosen in Potsdam dürfte daher höher liegen als die erfassten 143 Personen.

Leichter Anstieg der Obdachlosigkeit beobachtet

Nach dem Eindruck der Straßensozialarbeit gibt es einen leichten Anstieg der Anzahl obdachloser Menschen in der Stadt. Diese Entwicklung lasse sich jedoch nur schwer mit harten Zahlen belegen. „Aus unserer Sicht könnte das mit prekären Wohnungslagen, Zuzügen aus Berlin, einem schnelleren Verfahren bis hin zur Räumung der eigenen Wohnung zusammenhängen“, so Faulhaber. Als weitere Treiber der Obdachlosigkeit sehen die Streetworker psychische Belastungen und zunehmende Armut. Die Kombination aus steigenden Mieten, sozialen Verwerfungen und individuellen Schicksalen führe dazu, dass immer mehr Menschen auf der Straße leben müssten.

Die Forderung nach mehr Abkühlungsmöglichkeiten und Wasserspendern ist vor dem Hintergrund des Klimawandels und häufiger werdender Hitzewellen besonders dringlich. Für obdachlose Menschen sind öffentliche Trinkwasserbrunnen und schattige Plätze überlebenswichtig. Die Straßensozialarbeit appelliert daher an die Stadtverwaltung, das Angebot an kostenlosen Trinkwasserstellen auszubauen und auch an Brennpunkten wie Bahnhöfen oder Parkanlagen zu installieren. Nur so könne die Gesundheit der obdachlosen Bevölkerung auch bei extremen Temperaturen geschützt werden.

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