Das US-Militär hat nach eigenen Angaben neue Angriffe gegen den Iran durchgeführt. Die Attacken, die am Mittwoch um 20 Uhr (US-Ostküstenzeit) starteten, seien eine „entschlossene Antwort“ auf die versuchten iranischen Angriffe auf US-Streitkräfte im Nahen Osten, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom auf der Plattform X mit. Genaue Angaben zu den Zielen der Angriffe wurden zunächst nicht gemacht. Stunden zuvor hatte US-Präsident Donald Trump bereits mit Vergeltung gedroht. Später hieß es, die Angriffswelle gegen Ziele im Iran sei „erfolgreich“ beendet worden. Es seien unter anderem militärische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachungs- und Verteidigungsanlagen bombardiert worden, teilte Centcom am frühen Morgen (MESZ) auf X mit.
Nächtliche Explosionen und iranische Angriffe auf Jordanien
Nach Beginn der neuen US-Angriffe gegen Ziele im Iran haben örtliche Medien in der Nacht Explosionen im Süden des Landes gemeldet. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete über Angriffe auf der Insel Gheschm in der Straße von Hormus sowie in der Provinz Buschehr. Der iranische Rundfunk hatte eine Stellungnahme der Revolutionsgarden verbreitet, wonach der Angriff einer US-Militärbasis in Jordanien gegolten habe. Jordaniens Streitkräfte teilten mit, es seien fünf Raketen abgefangen worden.
Die jordanische Armee hatte zuvor erklärt, fünf aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgefangen zu haben. Die Luftabwehr habe die Raketen, die Jordanien zum Ziel gehabt hätten, „abgefangen und abgeschossen“, erklärte ein Sprecher. Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten den Angriff und erklärten, er sei eine Reaktion auf „die aggressiven Handlungen“ der USA. Die Luftstreitkräfte der Revolutionsgarden hätten „einen US-Luftwaffenstützpunkt und das US-Zentralkommandozentrum in Jordanien mit mehreren ballistischen Raketen ins Visier genommen“, hieß es in einer vom iranischen Staatsfernsehen verbreiteten Erklärung. „Solange die Drohungen gegen die Islamische Republik Iran andauern, wird der Widerstand weitergehen“, hieß es weiter.
Trump droht erneut mit „harter“ Reaktion
US-Präsident Donald Trump hat Teheran einem Medienbericht zufolge mit einer „harten“ Reaktion auf die iranischen Angriffe in Jordanien gedroht. „Wir werden sie hart treffen. Sie werden Prügel beziehen“, zitierte ein Reporter des US-Senders „Fox News“ den Präsidenten am Mittwoch. „Wir werden sie verdammt windelweich prügeln“, habe Trump die Iraner beschimpft. Trump hat dem Iran in der Vergangenheit bereits unzählige Male mit „harten“ Reaktionen gedroht. Der Konflikt hält dennoch weiterhin an.
Iran erhält offenbar chinesische Flugabwehr-Raketen
Der Iran soll nach Angaben von drei mit dem Geschäft vertrauten Quellen binnen weniger Wochen eine erste Lieferung von bis zu 400 tragbaren chinesischen Flugabwehr-Raketenwerfern erhalten. Der Auftrag im Wert von 60 bis 70 Millionen Dollar umfasse insgesamt 300 bis 400 schultergestützte Systeme, darunter die chinesischen Flugkörper QW-12 und FN-16. Vermittler sei das in Hongkong ansässige Unternehmen Zhongqing Baoshang International Investment. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran hätten Lücken beim Schutz militärischer Anlagen und strategischer Infrastruktur offengelegt. Die Lieferungen sollen zunächst per Flugzeug von Urumqi im Westen Chinas über Pakistan in den Iran gebracht werden, auch Landwege würden geprüft. Pakistan wies Berichte über eine Beteiligung an der Lieferung als „frei erfunden und falsch“ zurück. Die chinesische Regierung bezeichnete die Reuters vorliegenden Informationen als „völlig haltlos“ und erklärte, China setze sich für Frieden und ein Ende des Konflikts ein.
Neue US-Sanktionen und internationale Reaktionen
Die US-Regierung verschärft den Druck auf den Iran und verhängt neue Sanktionen, unter anderem gegen zwei Unternehmen, die ihren Angaben nach maßgeblich an einem Erpressungssystem rund um die Straße von Hormus beteiligt sind. Dieses zwinge Handelsschiffe zu einer obligatorischen „Versicherung“, um die für den weltweiten Ölhandel zentrale Meerenge zu passieren, heißt es in der Mitteilung des US-Finanzministeriums. Der Vorwurf der USA: Die Risiken wie beispielsweise Beschlagnahmung, vor denen sie zu schützen vorgäben, würden überwiegend vom Iran selbst verursacht. Die Firmen versuchten unter dem Deckmantel dieser Dienstleistung Einnahmen zu generieren, einschließlich digitaler Zahlungen zur Umgehung von Sanktionen.
Huthi-Miliz und Hisbollah: Weitere Eskalationen
Die international anerkannte Regierung des Jemen hat der pro-iranischen Huthi-Miliz im Land vorgeworfen, Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen im Roten Meer und der Meerenge Bab-al-Mandab erheben zu wollen. Die Miliz arbeite mit Unterstützung aus Teheran an der Entwicklung eines entsprechenden Systems, sagte Informationsminister Moammar al-Eriani am Mittwoch. Unterdessen hat die libanesische Hisbollah laut israelischen Angaben erstmals seit mehr als einem Monat wieder eine mit Sprengstoff beladene Drohne auf ein Fahrzeug der israelischen Armee im Südlibanon gesteuert. Zuletzt hatte die vom Iran unterstützte Miliz solche Drohnen vor Inkrafttreten der neuen Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon im Juni eingesetzt. Israels Armee sprach von einem „eklatanten Verstoß gegen die Waffenruhe“. Soldaten seien bei dem Vorfall nicht verletzt worden.
Ausblick und Reaktionen
Der Iran hatte in der Nacht zum Mittwoch US-Einrichtungen in Jordanien angegriffen. Es war der erste iranische Angriff auf Länder in der Region seit Freitag, als die USA und die Islamische Republik ihre Angriffe vorerst eingestellt hatten. Davor hatten sie sich zwei Wochen lang gegenseitig beschossen. Die USA und Saudi-Arabien hatten als Reaktion auf die Angriffe in der Nacht zum Mittwoch mit gemeinsamen Luftschlägen irakische Milizen attackiert. Die irakische Miliz Harakat Hisbollah al-Nudschaba drohte daraufhin mit Konsequenzen. Der irakische Ministerpräsident Ali al-Saidi sagte Insidern zufolge einen für Donnerstag geplanten Besuch beim saudiarabischen Kronprinzen ab.



