Die Potsdamer Straßensozialarbeit hat angesichts der anhaltenden Hitzewelle ihre Bemühungen verstärkt, obdachlose Menschen vor gesundheitlichen Schäden zu schützen. Jörg Faulhaber vom Projekt Creso-Streetwork teilte mit, dass die Streetworker zusätzlich zu den regulären Einsätzen spezielle Hitzetouren durchführen. Dabei verteilen sie nicht nur Wasser, sondern in einigen Fällen auch Sonnencreme. Bei akuten Hitzewarnungen werden die Betroffenen direkt informiert, um Dehydrierung und Hitzschlag vorzubeugen. „Wir haben regelmäßig und zusätzlich Hitzetouren durchgeführt“, sagte Faulhaber.
Strategien gegen Hitze sind bekannt, aber Infrastruktur fehlt
Laut Faulhaber kennen die meisten obdachlosen Menschen die üblichen Verhaltensregeln bei großer Hitze: Sie suchen Schattenplätze auf, trinken viel und meiden die Mittagshitze. „Nach unserer Einschätzung kennen obdachlose Menschen die üblichen Strategien und Maßnahmen gegen Hitze bereits gut“, erläuterte er. Dennoch stoßen die Streetworker an Grenzen, denn die städtische Infrastruktur reicht nicht aus. „Wir sind allerdings der Meinung, dass es im Stadtgebiet zu wenige Wasserspender und insgesamt zu wenig Abkühlungsmöglichkeiten gibt.“ Die angebotenen Wasserflaschen werden bei den Touren daher dankbar angenommen, so Faulhaber. Diese Beobachtung unterstreicht den dringenden Bedarf an öffentlichen Trinkbrunnen und kühlen Rückzugsorten.
Hilfe für eine schwer erfassbare Gruppe
Im vergangenen Jahr arbeitete das Creso-Streetwork mit 143 namentlich erfassten Menschen. Doch diese Zahl bildet nur einen Ausschnitt der Realität ab. „Dabei ist jedoch zu beachten, dass uns nicht alle obdach- oder wohnungslosen Menschen in Potsdam bekannt sind“, betonte Faulhaber. Viele seien bereits an andere Einrichtungen wie die Suppenküche angebunden, was die Koordination der Hilfe erschwert. Die Dunkelziffer der Obdachlosen in Potsdam ist nach Einschätzung der Straßensozialarbeit höher, eine genaue Erfassung bleibt eine Herausforderung.
Leichter Anstieg der Obdachlosenzahlen – vielfältige Ursachen
Die Streetworker beobachten einen leichten Anstieg der Zahl obdachloser Menschen in der Stadt. „Aus unserer Sicht könnte das mit prekären Wohnungslagen, Zuzügen aus Berlin, einem schnelleren Verfahren bis hin zur Räumung der eigenen Wohnung zusammenhängen“, sagte Faulhaber. Hinzu kämen psychische Belastungen und Armut als wesentliche Treiber. Der Anstieg sei jedoch schwer zu belegen, da viele Betroffene nicht dauerhaft im Hilfesystem auftauchen. Die Forderung nach mehr Wasserspendern und Abkühlungsmöglichkeiten wird vor diesem Hintergrund noch dringlicher, um akute Gesundheitsrisiken zu minimieren.
Die Straßensozialarbeit appelliert an die Stadtverwaltung, die Infrastruktur für Obdachlose während der Sommermonate auszubauen. Neben zusätzlichen Wasserstellen wären auch öffentliche Räume mit Klimatisierung oder schattige Sitzgelegenheiten hilfreich. Die Hitzeperioden werden nach Prognosen der Klimaforschung häufiger und intensiver – die Stadt muss darauf reagieren, um die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu schützen.



