In der Personalrochade von Bundeskanzler Friedrich Merz ist der Wechsel von Gitta Connemann ins Digitalministerium ein überraschender Schachzug. Die CDU-Politikerin, die bisher nicht als Digitalexpertin bekannt war, soll die Nachfolge von Philipp Amthor antreten. Dies wurde am heutigen Donnerstag aus Regierungskreisen bekannt.
Connemanns überraschende Berufung
Connemann, die bislang unter anderem als Mittelstandsbeauftragte der Union tätig war, bringt zwar keine spezifische Digitalerfahrung mit, gilt aber als versierte Netzwerkerin und Kennerin der Bürokratie. Genau das soll nun ihre Stärke werden: Der Bürokratieabbau steht ganz oben auf der Agenda des Digitalministeriums. Beobachter sehen in der Personalie einen bewussten Kontrast zum akribischen Stil ihres Vorgängers.
Amthor, der das Ministerium seit dem Regierungswechsel führte, war für seine penible Arbeitsweise bekannt. Bei einem gemeinsamen Termin Ende Juni ließ er es sich nicht nehmen, seine spätere Nachfolgerin bei der Aussprache einer langen Abkürzung zu korrigieren. Connemann lächelte dies damals gelassen hin – ein Hinweis auf ihren pragmatischen Führungsstil.
Amthors Erbe und die Aufgaben
Amthor hatte in seiner kurzen Amtszeit vor allem die Digitalisierung der Verwaltung vorangetrieben, stieß jedoch immer wieder an bürokratische Hürden. Sein Weggang wird im Haus als Verlust gewertet, zugleich erhofft man sich von Connemann mehr Durchsetzungskraft gegenüber den anderen Ressorts. Das Digitalministerium ist für die digitale Infrastruktur, Cybersicherheit und die Förderung von Start-ups zuständig – aber auch für die Entbürokratisierung.
„Wir brauchen jemanden, der die Prozesse kennt und gleichzeitig den Mut hat, alte Zöpfe abzuschneiden“, sagte ein Sprecher des Kanzleramts. Connemann soll genau diese Balance bringen.
Herausforderungen beim Bürokratieabbau
Der Bürokratieabbau ist eines der zentralen Projekte der Regierung Merz. Connemann kündigte bereits an, mit einem „Aktenfresser-Programm“ die Zahl der Vorschriften zu reduzieren. Kritiker bezweifeln jedoch, dass eine Politikerin ohne digitale Fachkenntnisse die nötige Transformation einleiten kann. Befürworter verweisen auf ihre Erfahrung im Mittelstand und ihre Fraktionsarbeit.
Die Opposition reagierte verhalten. „Ein Etikettenschwindel“, kommentierte ein Sprecher der Grünen. „Wer das Digitalministerium führt, muss von der Materie verstehen – nicht nur von Bürokratie.“
Wie Connemann die digitale Wende gestalten wird, bleibt abzuwarten. Erste Termine mit IT-Verbänden sind bereits für nächste Woche geplant. Ihr Vorgänger Amthor wird voraussichtlich in den Bundestag zurückkehren.



