Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs haben junge Ukrainerinnen und Ukrainer in Potsdam ein neues Leben aufgebaut. Kyrylo hat seine Jugendliebe geheiratet, Jasmin macht Abitur. Wie erleben Jugendliche die Flucht und den Neuanfang in einer fremden Stadt? Vier von ihnen erzählen ihre Geschichten.
Der Krieg veränderte alles
Der russische Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 stellte das Leben von Millionen Menschen auf den Kopf. Auch für die vier Jugendlichen, die heute in Potsdam und Umgebung leben, änderte sich innerhalb kürzester Zeit alles. Sie mussten ihre Heimat, Freunde und oft auch Familienmitglieder zurücklassen. „Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als die Bomben fielen. Wir packten nur das Nötigste und fuhren los, ohne zu wissen, wohin“, erzählt Kyrylo, der heute mit seiner Frau in Potsdam lebt.
Ankommen in einer fremden Stadt
Die ersten Monate in Deutschland waren geprägt von Unsicherheit und Sprachbarrieren. Doch mit Unterstützung von Ehrenamtlichen und lokalen Initiativen fanden die Jugendlichen allmählich Fuß. Sie besuchten Sprachkurse, knüpften Kontakte und entdeckten neue Perspektiven. Jasmin, die in diesem Jahr ihr Abitur macht, betont: „Die Schule hat mir geholfen, mich hier zurechtzufinden. Die Lehrer waren sehr geduldig und haben mich ermutigt, weiterzumachen.“
Neue Perspektiven und Ziele
Die vier Jugendlichen haben unterschiedliche Wege eingeschlagen: Kyrylo hat seine Jugendliebe geheiratet und arbeitet in einem Handwerksbetrieb, Jasmin strebt ein Studium an, zwei weitere junge Ukrainer absolvieren eine Ausbildung. Trotz der Herausforderungen blicken sie optimistisch in die Zukunft. „Ich habe hier Freunde gefunden und fühle mich wohl. Deutschland bietet mir Chancen, die ich in der Ukraine so nicht gehabt hätte“, sagt ein anderer Jugendlicher, der namentlich nicht genannt werden möchte.
Die Integration gelingt jedoch nicht ohne Rückschläge. Heimweh und Sorge um die Angehörigen in der Ukraine sind ständige Begleiter. „Meine Eltern sind noch in Kiew. Jeden Tag hoffe ich, dass sie sicher sind“, erklärt eine junge Frau, die inzwischen eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert. Trotzdem sind alle vier entschlossen, ihre neue Heimat aktiv mitzugestalten.
Gesellschaftliche Teilhabe und Unterstützung
Ihre Geschichten zeigen, wie wichtig schnelle Hilfsangebote und Integrationsprogramme sind. Potsdam hat mit seinen zahlreichen Initiativen eine Vorbildfunktion übernommen. Die Stadt bietet Sprachkurse, Beratung und kulturelle Austauschmöglichkeiten an. „Ohne diese Unterstützung hätten wir es viel schwerer gehabt“, so Kyrylo. Die Jugendlichen engagieren sich mittlerweile selbst: Sie organisieren Treffen für neu ankommende Geflüchtete und helfen bei der Orientierung im Alltag.
Der Krieg in der Ukraine dauert an, doch für diese vier jungen Menschen ist Potsdam zu einem Ort der Hoffnung geworden. Sie haben nicht nur eine neue Heimat gefunden, sondern auch neue Ziele. „Ich möchte später einmal als Ärztin arbeiten und Menschen helfen – vielleicht auch in der Ukraine, wenn der Krieg vorbei ist“, sagt Jasmin. Ihre Geschichten sind ein Beispiel für den Mut und die Resilienz, die viele Geflüchtete mitbringen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Integration ist ein langfristiger Prozess, der weiterhin Unterstützung erfordert. Die vier Jugendlichen sind jedoch fest entschlossen, ihren Weg zu gehen. Sie haben gelernt, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden und ihre Träume zu verfolgen. Ihre Erfahrungen zeigen, dass Flucht nicht das Ende, sondern oft ein Neuanfang sein kann – mit Herausforderungen, aber auch mit Chancen.
In Potsdam haben sie nicht nur ein Dach über dem Kopf gefunden, sondern auch eine Gemeinschaft, die sie willkommen heißt. Die Stadt profitiert von der Vielfalt und dem Engagement der Geflüchteten. „Wir sind dankbar für die Chance, hier leben zu dürfen“, sagt Kyrylo. „Und wir wollen etwas zurückgeben.“



