In Deutschland war Timmy in den vergangenen Wochen allgegenwärtig. Der Buckelwal, der sich in der Ostsee verirrt hatte, begeisterte die Nation. Nun wurde das Tier tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt und soll dort obduziert werden. Während die Deutschen um den Wal trauern, zeigen sich die Dänen weitaus weniger betroffen. Der dänische Germanist Søren Fauth erklärt, warum die Reaktionen so unterschiedlich ausfallen.
Dänische Gelassenheit statt Hysterie
„Es stimmt, dass Dänemark sich von Timmy nicht ähnlich begeistern lässt“, sagt Fauth. Zwar habe die Boulevardzeitung „Ekstra Bladet“ eine Live-Reportage gesendet und sogar einen Hubschrauber eingesetzt, als der Wal mitten in einer Rettungsaktion steckte. Doch in den sozialen Netzwerken überwiege Empörung darüber, dass die Medien den Wal derart gestört hätten. „Die meisten in meinem Bekanntenkreis wissen nicht mal, wer Timmy ist“, so Fauth. Nur ein älterer Freund, der alle Medien verfolge, habe einen vollständigen Überblick gehabt. Die dänische Presse habe durchaus berichtet, aber eben nicht mit derselben Wucht wie in Deutschland.
Kulturelle Unterschiede im Umgang mit Tiergeschichten
Fauth vermutet, dass die unterschiedliche Berichterstattung auf kulturelle Faktoren zurückgeht. In Deutschland neige man eher zu emotionalen, fast romantischen Tiergeschichten, während Dänemark pragmatischer sei. „Einige sagen, dass sie in Deutschland spinnen“, zitiert Fauth dänische Stimmen. Die deutsche Wal-Hysterie sei für viele Dänen schwer nachvollziehbar. Der Tod von Timmy sorgt nun für neue Diskussionen: Während deutsche Medien den Verlust betrauern, bleibt die dänische Öffentlichkeit eher nüchtern.



