Kommentar: Warum Frankreich bei Auslandsinvestitionen Deutschland überholt
Frankreich überholt Deutschland bei Auslandsinvestitionen

Eigentlich müsste Deutschland in diesem Wettbewerb um ausländische Investitionen vorn liegen. Frankreich ist seit den Parlamentsneuwahlen 2024 politisch blockiert. Die strukturellen Probleme, wie die massive Staatsverschuldung oder die Arbeitslosigkeit, kriegt das Land nicht gelöst. Wer im kommenden Jahr in den Élysée-Palast einzieht und wie wirtschaftsfreundlich die nächste Präsidentschaft ausfallen wird, ist völlig offen. Hinzu kommen geopolitische Krisen und eine schwache Konjunktur.

Trotzdem zieht Frankreich mehr ausländische Investitionen an als Deutschland. Im EY-Investitionsbarometer für Europa belegte das Land 2025 zum siebten Mal in Folge Platz eins, auch wenn die Zahlen zurückgegangen sind. Frankreich zählte 852 Projekte, Deutschland 548.

Beim diesjährigen „Choose France“-Gipfel am Montag kündigte Präsident Emmanuel Macron rekordverdächtige Investitionszusagen aus dem Ausland in Höhe von 93 Milliarden Euro an. Frankreich punktet dabei gerade in den Branchen, die auch für Deutschlands Zukunft entscheidend sind: Rechenzentren, Künstliche Intelligenz, Verteidigung.

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Was macht Frankreich anders?

Der Strom macht Frankreich attraktiv. Das Land bietet energieintensiven Unternehmen wie Rechenzentren reichlich verfügbaren und vergleichsweise CO₂-armen Strom. Das Land zählt zu den wichtigsten Nettoexporteuren von Elektrizität in Europa. Dank der Kombination aus Kernkraft und erneuerbaren Energien liegt der Anteil CO₂-armer Stromerzeugung bei mehr als 95 Prozent. In Deutschland sind es nur 64 Prozent.

Hinzu kommt eine gezielte Wirtschaftspolitik: Präsident Macron wacht persönlich darüber, dass die Projekte auch kommen. Mit dem „Choose France“-Gipfel schafft er eine Plattform, um internationale Konzerne direkt anzusprechen. Steuerliche Anreize und Bürokratieabbau runden das Angebot ab. Deutschland hingegen kämpft mit hohen Energiekosten, langen Genehmigungsverfahren und einer unsicheren politischen Lage. Die Ampelkoalition hat zwar Fortschritte bei der Energiewende gemacht, doch die hohen Strompreise bleiben ein Standortnachteil.

Während Frankreich also trotz politischer Blockade erfolgreich Investitionen anzieht, muss Deutschland dringend nachbessern. Der Wettbewerb um die Zukunftsbranchen ist hart – ohne günstigen und sauberen Strom wird Deutschland den Anschluss verlieren.

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