Ein handgeschriebener Brief des Musikinstrumentenhändlers Henry Price Hodges (50) aus Southampton, der die ruhige und fröhliche Atmosphäre an Bord der Titanic beschreibt, wird am kommenden Sonntag beim Auktionshaus Henry Aldridge & Son im englischen Devizes versteigert. Der Erlös wird auf bis zu 35.000 Pfund (etwa 40.000 Euro) geschätzt.
Unbeschwerte Schilderung des Bordalltags
Der auf Titanic-Briefpapier verfasste Brief ist auf den 10. April 1912 datiert, den Tag des Auslaufens in Southampton. Hodges bedankt sich für die guten Wünsche und beschreibt das Leben an Bord: „Das Wetter ist herrlich“, schreibt er. Das Schiff liege so ruhig im Wasser, dass man kaum merke, auf See zu sein. Auf dem Oberdeck marschierten „etwa 200 junge Männer“ singend im Kreis, während andere Domino oder Karten spielten. „Alles ist ganz anders, als man es auf See erwarten würde.“ Ein Satz wirkt heute besonders beklemmend: „Ich gehe jetzt ins Bett. Ich bin müde wie ein toter Hund.“
Seltenes Zeitzeugnis der zweiten Klasse
Auktionator Andrew Aldridge betonte gegenüber CNN die Seltenheit solcher Briefe: „Jeder kennt die Auswanderer aus der dritten Klasse. Jeder kennt die reichen Passagiere der ersten Klasse. Aber die Geschichte der zweiten Klasse ist kaum erzählt worden.“ Hodges' Brief zeige den Alltag an Bord – „die kleinen Dinge des Lebens auf der Titanic“ – eine Momentaufnahme voller Sonnenschein, Kartenspiele und sorgloser Urlaubsstimmung.
Der Untergang und seine Folgen
In der Nacht zum 15. April 1912 kollidierte die Titanic mit einem Eisberg und sank. Mehr als 1.500 Menschen starben, darunter auch Henry Price Hodges. Sein Brief hatte das Schiff bereits im irischen Queenstown (heute Cobh), dem letzten Hafen vor der Atlantiküberquerung, verlassen und war dort abgestempelt worden. Ein Bergungsschiff barg später Hodges' Leiche aus dem eisigen Wasser. Er wurde auf dem Fairview Cemetery im kanadischen Halifax beigesetzt, wo zahlreiche Titanic-Opfer ruhen.
In Southampton blieb seine Witwe Ellen mit den drei minderjährigen Söhnen Henry, Leo und Richard zurück. Ein Hilfsfonds für Hinterbliebene unterstützte die Familie wöchentlich mit 2 Pfund und 7 Schilling. Ellen heiratete nie wieder. Als sie 1938 starb, ließ die Familie auf ihren Grabstein auch den Namen ihres Mannes setzen: „Henry P. Hodges, husband, who passed away on the Titanic, April 1912.“ 1998 wurde am ehemaligen Wohnhaus in Southampton eine Gedenktafel für Henry Hodges enthüllt.



