Die öffentliche Obduktion des Buckelwals „Timmy“ hat am Donnerstagnachmittag am Strand der dänischen Insel Anholt begonnen. Zahlreiche Schaulustige und Pressevertreter verfolgen das Ereignis aus sicherer Entfernung. Die Experten, darunter Tierärzte und Wissenschaftler, tragen Schutzanzüge, um sich vor möglichen Krankheitserregern zu schützen.
Vorbereitungen und Ablauf der Obduktion
Bereits am Vormittag waren die Vorbereitungen für die Obduktion abgeschlossen. Ein Traktor mit Anhänger brachte Leitern, Gummistiefel, Kühlboxen und Warnschilder zum Obduktionsplatz. Zwei Frontlader mit Baggerschaufeln positionierten sich neben dem Kadaver. Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern und voraussichtlich bis 22 Uhr abgeschlossen sein.
Der stark aufgeblähte Kadaver birgt eine Explosionsgefahr durch Faulgase. Die Experten planen, den Körper kontrolliert zu entgasen, indem sie vorsichtig Schnitte entlang des Rückens oder an der Zunge setzen. Dennoch wird ein Sicherheitsabstand von mindestens 100 Metern empfohlen.
Hintergrund der Rettungsaktion
Der Buckelwal, der von vielen „Timmy“ oder „Hope“ genannt wurde, war im März und April mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandet. Eine private Initiative schleppte ihn unter der Leitung des US-amerikanischen Walexperten Jeffrey Foster in die Nordsee. Nach seiner Freilassung wurde der Wal tot vor der dänischen Küste entdeckt.
Die Obduktion soll klären, ob Fischernetze oder andere Faktoren zum Tod des Tieres beigetragen haben. Greenpeace fordert Konsequenzen und ein Verbot von Stellnetzen in der Ostsee, da diese eine Gefahr für Meeressäuger darstellen.
Reaktionen und Forderungen
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht keine Verantwortung des Landes für den Tod des Wals. Die private Initiative habe die volle Haftung übernommen. Die Staatsanwaltschaft Schwerin bearbeitet derweil zahlreiche Anzeigen im Zusammenhang mit dem Wal, darunter Vorwürfe der unterlassenen Hilfeleistung und Verstöße gegen das Tierschutzgesetz.
Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen kritisierte die Rettungsaktion als „reine Tierquälerei“ und betonte, dass das Tier von Anfang an keine Überlebenschance gehabt habe. Die Obduktion soll nun endgültige Klarheit über die Todesursache bringen.



