Tunesien-Urlaub: 46 Grad Hitze – unsere Autorin berichtet von Extremen
46 Grad in Tunesien: Urlaub wird zur Belastungsprobe

Tagelang kletterten die Temperaturen auf Djerba auf über 40 Grad, der Rekord lag bei 46 Grad. Nachts fiel das Thermometer nicht unter 30 Grad, der Wind blieb aus, und die Luftfeuchtigkeit erreichte zeitweise 78 Prozent. Dazu kamen wiederholte Stromausfälle, die das Leben auf der tunesischen Insel zur Herausforderung machten. Unsere Redakteurin Anne-Kathrin Neuberg-Vural berichtet von einem Urlaub, der zur körperlichen Grenzerfahrung wurde.

Extreme Bedingungen: Hitze, Feuchtigkeit, Stromausfälle

Die Familie hatte sich zwei Wochen Sonne, Meer und Entspannung erhofft, doch stattdessen erlebte sie eine der intensivsten Erfahrungen ihres Lebens. Schon das Verlassen des Gebäudes führte innerhalb von Sekunden zu völligem Durchschwitzen. Der Kreislauf der Autorin war permanent im Alarmmodus, selbst morgendliche Wege zum Frühstück wurden zur Belastung. Besonders schlimm waren die Nächte, in denen die Klimaanlage wegen Stromausfällen ausfiel. Die Familie lag wach, spürte den eigenen Herzschlag und versuchte flach zu atmen, um das Schwitzen zu minimieren.

Tunesien leidet seit Wochen unter einer massiven Hitzewelle, die die Stromnetze an ihre Grenzen bringt. Die Regierung schaltete viele Landesteile unangekündigt für Stunden vom Netz, in manchen Regionen fiel zusätzlich das Wasser aus. Die Autorin berichtet von drei Nächten, die ihr besonders in Erinnerung blieben: stickig, feucht und drückend heiß, ohne Erholung.

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Privileg und Not: Hotelgenerator als Glücksfall

Das Hotel der Familie verfügte über einen Notstromgenerator, der immerhin für das Kochen, Licht und das Laden von Geräten reichte – ein enormes Privileg, wie die Autorin betont. Freunde vor Ort erzählten von Familien, die zwei bis drei Tage ohne Strom und Wasser auskommen mussten. Sie verbrachten die Tage im Schatten am Strand und schliefen nachts auf den Hausdächern, weil die Wohnungen unerträglich aufgeheizt waren.

Besonders beeindruckt war die Autorin vom Hotelpersonal, das trotz der extremen Bedingungen professionell arbeitete. Sie versorgten die Gäste mit Trinkwasser und Eiswürfeln, während sie selbst in oft noch heißere Wohnungen zurückkehrten. „Ich habe selten so viel Professionalität unter so extremen Bedingungen erlebt“, schreibt sie.

Lokale Perspektive: Sorge um Tourismus und Wirtschaft

Ein ehemaliger Kollege, der seit Jahrzehnten auf Djerba lebt, sagte der Autorin: „So etwas habe ich in meinem Leben noch nie erlebt.“ Er sorgt sich, dass Touristen künftig fernbleiben könnten, was die Region in eine Wirtschaftskrise stürzen würde. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Insel, viele Familien leben ausschließlich davon.

Die Klimakrise trifft Nordafrika besonders hart, da die Grundtemperaturen höher sind und die Infrastruktur weniger belastbar ist. Wenn Klimaanlagen zum Massenphänomen werden, aber die Stromversorgung nicht mithält, entsteht eine gefährliche Schleife: Je heißer es wird, desto mehr Strom wird benötigt, desto häufiger bricht das Netz zusammen.

Mittelmeer überhitzt: Rekordtemperaturen im Wasser

Auch das Meer war betroffen: Nachmittags fühlte sich das Wasser an wie eine zu heiß eingelassene Badewanne. Aktuelle Messungen zeigen, dass die Oberflächentemperaturen des Mittelmeers in diesem Sommer erneut Rekordwerte erreichen – teils mehr als vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Die Autorin beschreibt, wie das Wasser an den Beinen brannte – ein erschreckendes Erlebnis, das sie nicht mehr loslässt.

Nicht nur Tunesien, auch Griechenland, Spanien, Italien, die Türkei und Zypern erleben immer öfter Hitzewellen, die weit jenseits dessen liegen, was europäische Körper gewohnt sind. Für Urlauber ist das ein Weckruf, für die lokale Bevölkerung Alltag und Existenzgrundlage. Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Gesundheit und Arbeit im Freien – alles gerät unter Druck.

Fazit: Klimakrise ist Gegenwart

Die Autorin wird trotz allem wieder nach Tunesien reisen, aber zu einer anderen Jahreszeit – im Frühjahr oder Herbst, wenn die Temperaturen erträglich sind. Sie ist sich bewusst, dass sie diesen Luxus hat, während die Menschen vor Ort keine Wahl haben. „Was ich auf Djerba erlebt habe, war kein Ausrutscher, sondern ein Vorbote“, sagt sie. Die Klimakrise passiert nicht irgendwann in der Zukunft – sie passiert jetzt.

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