Die jüngste Hitzewelle in Deutschland hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) allein im Juni zu rund 5.100 hitzebedingten Todesfällen geführt. Ein eigens entwickeltes Modell des RKI zeigt, dass die tatsächlichen Zahlen möglicherweise noch höher liegen. Hitze führe nur selten unmittelbar zum Tod, sondern wirke meist in Kombination mit Vorerkrankungen, so das Institut. In Europa wurden während der Juni-Hitze rund 10.000 zusätzliche Todesfälle registriert. Das britische Met Office berichtet für England und Wales von 2.700 hitzebedingten Todesfällen im Mai und Juni – davon seien schätzungsweise 42 Prozent auf die durch den menschengemachten Klimawandel verstärkte Hitze zurückzuführen.
Wirtschaftliche Kosten der Hitze
Die wirtschaftlichen Folgen sind ebenfalls gravierend: Ein einzelner Hitzetag mit über 30 Grad verursacht direkte betriebswirtschaftliche Kosten von rund 431 Millionen Euro, wie Sara Weber in ihrer Kolumne schreibt. Hauptgrund sei der Produktivitätsverlust der Arbeitnehmer bei hohen Temperaturen. Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) belegt, dass die Zahl der Krankheitsfälle an einem durchschnittlichen Hitzetag um etwa 3,5 Prozent steigt – hält die Hitzewelle eine Woche an, sogar um 10,8 Prozent.
Aktuelle Unwetter und Hagel
Nach den heißen Tagen schlug das Wetter vielerorts um: In Reutlingen (Baden-Württemberg) sorgten Starkregen und ein Hagelsturm mit bis zu fünf Zentimeter großen Hagelkörnern für Stromausfälle und zahlreiche Rettungseinsätze. Auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern wurden tennisballgroße Hagelkörner gemeldet. Die Unwetter folgten auf mehrere heiße Tage, nachdem bereits Ende Juni eine Hitzewelle Deutschland erfasst hatte.
Forderungen nach mehr Klimaschutz
Angesichts dieser dramatischen Zahlen bleibt unverständlich, warum nicht viel engagierter über Klimaschutz, Hitzeschutz für Städte, Krankenhäuser und Pflegeheime sowie Klimaanpassung diskutiert wird. Die Kolumnistin Susanne Götze hat fünf konkrete Lehren aus der jüngsten Hitzewelle formuliert. Umweltminister Carsten Schneider warnt: „Wir werden ernsthafte Konflikte um Wasser haben – auch in Deutschland.“ Er fordert eine bessere Vorbereitung auf heiße und trockene Zukunft.
Weitere Folgen der Hitzewelle
In Europa begann die Feuersaison ungewöhnlich früh und intensiv: In Spanien, Frankreich und sogar Großbritannien zerstörten Flammen Tausende Hektar Land. Drei Faktoren verschlimmern das Ausmaß der Feuer: Trockenheit, Hitze und der Klimawandel. Auch die Psyche leidet unter hohen Temperaturen – nicht nur bei psychisch kranken Menschen. Die Flüsse in Deutschland, darunter Donau und Rhein, leiden unter Trockenheit und hohen Temperaturen; an manchen Stellen der Donau floss zuletzt nur noch ein Sechstel der üblichen Wassermenge.



