Rassistische Vorfälle bei der Fußball-Weltmeisterschaft nehmen zu
Rassistische Beleidigungen überschatten die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Besonders betroffen sind Spieler mit Migrationsgeschichte. Kylian Mbappé wurde von einer paraguayischen Senatorin übel beleidigt, Jonathan Tah nach einem verschossenen Elfmeter mit rassistischen Kommentaren überhäuft. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt in diesem Fall. Die FIFA meldet einen Anstieg rassistischer Vorfälle in sozialen Medien um drei Prozent im Vergleich zur WM 2022 in Katar.
„Pulverfass“ WM: Warum Rassismus auf dem Vormarsch ist
Rachel Etse, Ethnologin und Trainerin für Rassismuskritik im Fußball, erklärt: „Spieler mit Migrationsgeschichte sind eine ganz starke Projektionsfläche für die Themen, die wir politisch in unserem Land diskutieren.“ Bei Niederlagen würden sie häufig zu Sündenböcken gemacht. Die WM mit 48 Teams biete mehr Raum für Konflikte. „Die WM dieses Jahr ist eine Art Pulverfass, wenn es um die Themen Repräsentation, Zugehörigkeit und Kräfteverhältnisse geht“, so Etse.
Fall Mbappé: „Krasses Paradebeispiel“ für Rassismus
Die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia schrieb über Mbappé: „Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen.“ Kriminologin Thaya Vester von der Universität Tübingen bezeichnet dies als „krasses Paradebeispiel“. Die Eskalationsspirale habe auf dem Platz begonnen und in einen „unterirdischen Umgangston“ gemündet. Younis Kamil, Vizepräsident der Initiative Roots, sagt: „Für Menschen mit Rassismus-Erfahrung ist das überhaupt nicht überraschend. Die Rhetorik reicht zurück bis in den Kolonialismus.“
Zahlen und Maßnahmen gegen Hass im Netz
Die FIFA nutzt den Social Media Protection Service (SMPS), der beleidigende Kommentare unsichtbar macht. Meta, der Konzern hinter Facebook und Instagram, gab an, eine beträchtliche Anzahl regelwidriger Kommentare auf Tahs Konto entfernt zu haben. Dennoch warnt Vester: „Wir haben lauter Gedankenmüll und auch wirklich böse Gedanken, die einfach ungefiltert in der Emotion rausgehauen werden.“ Die Spielergewerkschaft Fifpro berichtet von einem zunehmenden Muster von Übergriffen, das nicht mehr als Einzelfälle abgetan werden könne.



