Eine neue Untersuchung der Forschungsgruppe Climate Central belegt, dass sich der klimabedingte Schlafverlust durch hohe Nachttemperaturen in den vergangenen 50 Jahren mindestens verdoppelt hat. Zwischen 2020 und 2025 verloren die Menschen weltweit im Schnitt rund 56 Stunden Schlaf pro Jahr durch nächtliche Hitze. Mehr als zehn Prozent dieses Schlafmangels gehen auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurück, so die Studie.
Extremwerte in Deutschland und weltweit
In Deutschland zeigt sich der Trend ebenfalls deutlich: In der Nacht zum 28. Juni 2026 blieb die Temperatur im sächsischen Kubschütz bei 29,4 Grad – fast zehn Grad über der Schwelle einer Tropennacht (über 20 Grad). Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigt, dass die Zahl tropischer Nächte im Zuge des Klimawandels zunimmt. In Frankfurt am Main gab es Anfang der Woche eine Tropennacht mit 22 Grad, und für die Nacht zum Freitag werden in Köln, im Rheingebiet und in Leipzig erneut Temperaturen knapp unter 20 Grad erwartet.
Laut den Forschenden heizen sich Nächte weltweit schneller auf als die Tage. Ein Rekordbeispiel: In der Nacht zum 13. August 2025 sanken die Temperaturen in den jordanischen Städten Aqaba und Ghor es-Safi nicht unter 35 Grad – Werte, die laut Wissenschaftlern tödlich sein können.
Globale Hotspots des Schlafverlusts
Die Forschenden untersuchten 1338 Großstädte weltweit. Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, allen voran im Nahen Osten. Einwohner in Städten in Saudi-Arabien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten verloren jährlich 55 bis 87 Stunden Schlaf durch höhere Nachttemperaturen, davon 12 bis 16 Stunden allein durch die Klimakrise. In Südindien und Südostasien betrug der Verlust 78 bis 91 Stunden pro Jahr (acht bis neun Stunden klimabedingt), in Westafrika (Niger, Nigeria, Burkina Faso) mindestens 65 Stunden (zehn bis elf Stunden klimabedingt). In den 253 untersuchten US-Städten verloren die Menschen im Schnitt 36 Stunden Schlaf pro Jahr, wovon etwa 13 Prozent direkt auf den Klimawandel zurückgehen.
Gesundheitliche Folgen heißer Nächte
„Durch die Kombination neuester Erkenntnisse der Attributionsforschung mit Forschung zur Wirkung von Hitze auf den Schlaf können wir nun eine verborgene, aber wachsende Folge steigender Temperaturen quantifizieren“, erklärte Kristina Dahl, Vizepräsidentin für Wissenschaft bei Climate Central. Hohe Nachttemperaturen hindern den Körper daran, sich von der Tageshitze zu erholen, was das Risiko für Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit erhöht.
Zudem verschlechtern heiße Nächte Qualität und Dauer des Schlafs, mit negativen Folgen für kognitive Funktion, Gehirnentwicklung und Lernen bei Kindern. Besonders gefährdet sind Säuglinge, ältere Menschen, Schwangere und Frauen, die von hitzebedingtem Schlafverlust stärker betroffen sind. Überproportional betroffen sind zudem einkommensschwache Bevölkerungsgruppen in schlechten Wohnräumen ohne Klimaanlage.
„Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht sind mit einer beeinträchtigten Immunfunktion, verminderter Leistungsfähigkeit sowie mehr Fehlern, Schmerzen und Unfällen verbunden“, sagte Courtney Howard, Vorsitzende der Global Climate and Health Alliance. Regelmäßiger Schlafmangel könne zu Gewichtszunahme, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhtem Sterberisiko führen. „Das unterstreicht die Notwendigkeit, Ungleichheiten durch Anpassungsmaßnahmen zu beseitigen und Treibhausgasemissionen dringend zu senken, um Gesundheit und Wohlstand zu schützen.“



