Bei der ersten Pyrenäen-Etappe der Tour de France müssen die Fans in Frankreich wegen heftiger Waldbrände zu Hause bleiben. In den kommenden Tagen könnte die extreme Hitze im Süden des Landes zu weiteren Einschränkungen führen. „Außergewöhnlicher Brand, außergewöhnliche Maßnahme bei der Tour“, sagte Tour-Chef Christian Prudhomme.
Waldbrand in den Pyrenäen zwingt zu drastischen Schritten
Im Département Pyrénées-Orientales wütet ein großflächiger Waldbrand etwa 70 Kilometer von Les Angles entfernt, wo gegen 17.00 Uhr die Ankunft der dritten Etappe erwartet wird. Fast 1.500 Hektar wurden bereits von dem Feuer erfasst, das in einem schwer zugänglichen Gebirgsmassiv ausgebrochen ist. Der Wind schürt die Flammen, zusätzlich begünstigt durch trockenes und heißes Wetter. Präfekt Pierre Regnault de la Mothe erklärte Medienberichten zufolge, der Brand erfordere „einen massiven Einsatz der Mittel zur Waldbrandbekämpfung unserer Feuerwehr, aber auch der inneren Sicherheitskräfte und aller staatlichen Stellen“.
Deshalb sollen die Fans der Strecke fernbleiben. „Ich danke den Menschen im Voraus für ihr Verständnis und ihre Nachsicht“, sagte Prudhomme.
Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad erwartet
In Frankreich herrscht zudem eine extreme Hitzewelle. Auf der Etappe nach Foix am Dienstag könnten die Temperaturen auf mehr als 40 Grad steigen. „Das ist ein Thema, das uns große Sorgen bereitet“, sagte Thierry Gouvenou, der technische Leiter der Tour, der Zeitung „L'Équipe“ in der vergangenen Woche. „Es ist nicht das erste Jahr, in dem wir damit konfrontiert sind, aber dieses Mal ist es noch dringlicher, da wir bereits zwei schwierige Phasen hinter uns haben.“
Bereits im Juni gab es in Frankreich eine außergewöhnliche Hitzewelle mit den höchsten landesweiten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1947. Rund 2.000 Menschen kamen nach vorläufigen Berechnungen ums Leben.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez wandte sich an die Präfekten der Départements entlang der Strecke. In Ausnahmefällen und in Absprache mit dem Veranstalter seien auch Absagen möglich.
Fahrer zeigen sich vorbereitet – Kühlstrategien im Einsatz
Bei den Profis halten sich die Sorgen wegen der Temperaturen in Grenzen. „Das gesamte Team war in der Sierra zum Höhentraining, da war es schon extrem heiß. Jetzt gab es in ganz Europa extrem hohe Temperaturen, daher denke ich, dass alle auf die Hitze vorbereitet sein werden“, sagte der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz. Die Teams hätten „eine Strategie zur Kühlung – Eis und Wasser. Ich denke, wir sind vorbereitet.“
Bereits am Sonntag waren Bilder zu sehen, wie sich Fahrer Eiswürfel in die Trikots steckten. Direkt nach der Zieleinfahrt erhalten sie Kühlwesten und Eisbäder. Tour-Chef Christian Prudhomme verwies in der „L'Équipe“ auf Maßnahmen wie großzügigere Verpflegungsstationen, längere Ausscheidungsfristen und ein zusätzliches Kühlmotorrad.
Gefahren für Zuschauer und langfristige Anpassungen
Für die Zuschauer an der Strecke können die Temperaturen zur Gefahr werden, insbesondere für ältere Menschen und Kinder. „Man sollte etwas auf dem Kopf tragen und Wasser dabei haben“, riet Prudhomme beim Sender Franceinfo. Die Karawane der Tour verteile Sonnenhüte und Mützen sowie alkoholfreie Getränke.
Dass die Tour im Zuge der Klimakrise gefährlicher wird, belegt eine im Februar im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie des französischen Forschungsinstituts für nachhaltige Entwicklung in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Daraus geht hervor: Das Risiko für Hitzestress hat sich an allen Orten, an denen das Rennen stattfindet, mit der Zeit deutlich erhöht. Das Forschungsteam empfiehlt langfristig, Sicherheitskonzepte, Routen und Zeitpläne der zunehmenden Hitzegefahr anzupassen. So bleibe die Morgenstunde der sicherste Zeitraum des Tages. Auch Prudhomme erklärte, dass die veränderten Bedingungen Einfluss auf die Streckenplanung haben werden – etwa mehr Anstiege, die in bewaldeten Gebieten liegen.



