Chaos vor dem Anpfiff: Mexikos WM-Auftakt in Gefahr
Die Fußballwelt blickt gespannt auf Mexiko. Am Donnerstag um 21 Uhr deutscher Zeit trifft der Gastgeber im legendären Aztekenstadion auf Südafrika – der Startschuss zur Weltmeisterschaft 2026. Doch die Vorfreude wird von zahlreichen Konflikten überschattet. Mehrere Gruppen haben für die Tage um das Eröffnungsspiel Streiks und Proteste angekündigt, die auch Fans betreffen könnten.
Lehrer fordern massive Gehaltserhöhungen
Ein Flügel der Nationalen Gewerkschaft der Lehrer hat in Mexiko-Stadt bereits ein Protestcamp errichtet. Anfang Juni kam es zu ersten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Lehrer blockierten Straßen, stürzten meterhohe Fußballer-Statuen um und setzten sie in Brand. Sie fordern Gehaltserhöhungen von bis zu 100 Prozent, während die Regierung nur neun Prozent bietet. Die Demonstranten haben ihr Augenmerk klar auf das Eröffnungsspiel gelegt. Ihre Drohung: „Wenn es keine Lösung gibt, rollt der Ball nicht.“
Logenbesitzer drohen mit Gewalt
Ein Streit mit 60 Jahren Vorgeschichte: Beim Bau des Aztekenstadions gingen die Gelder aus. Die Betreiber verkauften Hunderte Logen und Tausende Tribünenplätze an Fans – die sogenannten „Titulares de Palcos y Plateas“. Der Deal: Bis 2065 freier Zutritt zu allen Veranstaltungen im Stadion. Nur so konnte die Arena im Mai 1966 eröffnet werden. Für die WM 2026 wollte die FIFA die rund 14.000 Tickets verkaufen, wurde aber von der „Asociación Mexicana de Titulares de Palcos y Plateas“ (AMTPP) verklagt – und verlor. Als Reaktion verschleppt der Weltverband die Auslieferung der Tickets für die Gratis-Zuschauer. AMTPP-Generalsekretär Ruano Ortega droht: „Sollten sie uns den Zutritt verweigern, erstatten wir Anzeige und beantragen beim Gericht die Genehmigung zum Einsatz von Gewalt.“
Vermissten-Familien suchen Aufmerksamkeit
Knapp 130.000 Menschen werden in Mexiko vermisst, viele von ihnen sind vermutlich Opfer von Gewaltverbrechen. Die Familien werfen der Regierung Untätigkeit vor. Sie planen eine große Demonstration am 11. Juni, dem Tag des Eröffnungsspiels, vor dem Aztekenstadion. Seit Anfang Juni verteilen sie Poster mit Fotos von Verschwundenen im Stil des Panini-WM-Albums.
Lkw-Fahrer und Bauern drohen mit Blockaden
Sowohl Logistikverbände als auch Bauernverbände haben für die WM-Zeit Straßenblockaden und Protestmärsche angekündigt – auch in den Spielorten Guadalajara und Monterrey. Wichtige Autobahnen könnten betroffen sein. Die Lkw-Fahrer fordern mehr Sicherheit vor Raubüberfällen, die Bauern staatliche Mindestpreise für Grundnahrungsmittel und Hilfe bei Ernteausfällen. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum warf den Verbänden „gezielte Provokationen“ vor.
Ehemalige Richter und Überschwemmungen
Ehemalige Richter demonstrieren gegen die Justizreform, bisher friedlich. Auch sie hoffen auf Medienpräsenz während der WM. Zudem erschweren schwere Regenfälle die Lage: Teile von Mexiko-Stadt stehen unter Wasser, Hauptverkehrsadern sind unpassierbar, die U-Bahn ist lahmgelegt. Der Sturm hat Bäume und Strommasten umgeworfen. Das schlechte Wetter soll bis mindestens 12. Juni anhalten.



