Die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des Konflikts um die Straße von Hormus kommen offenbar voran. US-Finanzminister Scott Bessent deutete in einem Interview mit dem US-Sender CNBC an, dass eine Einigung zur Wiedereröffnung der Meerenge bereits am heutigen Dienstag oder morgen erzielt werden könnte. „Wir befinden uns in Gesprächen mit den Iranern, und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen“, sagte Bessent. Gleichzeitig betonte er, er gehe von einer freien Durchfahrt ohne Gebührenerhebung aus.
Vermittler melden Fortschritte
Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, bestätigte in Doha, dass alle Beteiligten in der Region gemeinsam daran arbeiteten, eine Eskalation zu vermeiden. Die laufenden diplomatischen Bemühungen seien „bereits weit fortgeschritten“. Eine Einigung zur Meerenge sei zwar noch nicht erreicht, könnte sich jedoch „in den nächsten Tagen oder Stunden ändern“, so al-Ansari. Die Gespräche zwischen Iran und USA laufen nach iranischen Angaben weiterhin nur über Vermittler, direkte Kontakte zwischen beiden Ländern gibt es demnach nicht.
Hintergrund: Trumps Drohungen und iranische Pläne
Erst am Montag hatte US-Präsident Donald Trump Teheran erneut gedroht, um eine Verhandlungslösung zu erzwingen. Im Weißen Haus sagte er: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben“. Zuerst solle es um eine Öffnung der wichtigen Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman gehen, dann um eine Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm. Angesichts dieser Drohungen bringt der Iran einen Rundkurs für Schiffe ins Spiel: Gemeinsam mit dem Anrainerstaat Oman könnten Frachter auf einer nördlichen Route durch iranische Hoheitsgewässer in die Straße von Hormus einfahren. Für die Rückfahrt sollen sie dann eine südliche Route durch omanische Hoheitsgewässer nutzen, nachdem sie Häfen im Iran oder in arabischen Golfstaaten angelaufen haben.
Die „New York Times“ berichtet unter Berufung auf iranische und US-Beamte über diese Pläne. Demnach gibt es im US-Verteidigungsministerium jedoch Vorbehalte. Einerseits stelle dies fast eine Kapitulation gegenüber dem Iran dar, andererseits seien derzeit immer noch so viele iranische Seeminen in den omanischen Gewässern verlegt, dass Passagen dort Koordination mit der Islamischen Republik erfordere. Die Lösung würde dem Iran erlauben zu kontrollieren, welche Schiffe in den Persischen Golf einfahren und etwa Kriegsschiffen die Passage verwehren. Zudem ermöglicht die Regelung der Islamischen Republik, Gebühren für die Einfahrt zu kassieren.
Schifffahrt weiter unter Druck
Trotz der Fortschritte in den Verhandlungen kam es auch in der Nacht auf Dienstag wieder zu einem Zwischenfall in der Straße von Hormus. Wie die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte, wurde ein Frachter rund 37 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Al Chasab unter Beschuss genommen. Die Behörde machte zunächst keine Angaben zu möglichen Schäden oder Verletzten. Die anhaltenden Spannungen setzen den Schiffsverkehr weiter unter Druck: Laut Daten des Anbieters Kpler passierten am Montag lediglich neun Schiffe die Meerenge, während es in der vergangenen Woche durchschnittlich etwa 16 pro Tag waren. Zudem ist die Schifffahrt durch den Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meeres durch Drohungen und Angriffe der Huthi-Miliz beeinträchtigt.
Israel-Libanon-Gespräche in Rom
Der Iran-Krieg führte Anfang März auch zu einer erneuten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon. Dabei wurden nach Behördenangaben mehr als 4.000 Menschen im Libanon getötet. Seit April führen die libanesische und israelische Regierung nun erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche. Am Dienstag begann in Rom die siebte Verhandlungsrunde zur Umsetzung des Sicherheitsabkommens, wie die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete. Ein zentrales Thema ist nach Angaben von libanesischen Regierungskreisen das unterirdische Tunnelsystem der Hisbollah. Washington vermittelt in dem Konflikt, um eine Lösung unabhängig vom Iran zu erreichen. Die Hisbollah selbst ist nicht an den Gesprächen beteiligt. Das Rahmenabkommen sieht den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon sowie eine Entwaffnung der Hisbollah vor – beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt. Die Gespräche sollen bis Donnerstag fortgesetzt werden.



