Bei schweren russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und ihre Region sind nach Behördenangaben mindestens 15 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, dass keine einzige der abgefeuerten ballistischen Raketen abgefangen werden konnte. Die Angriffe in der Nacht auf Mittwoch trafen Wohnhäuser und Lagerhallen in mehreren Bezirken, wobei Brände ausbrachen.
Flugabwehr überfordert: Keine Rakete abgefangen
Nach Angaben der ukrainischen Militärverwaltung setzte Russland erneut zahlreiche ballistische Raketen ein, gegen die sich die Flugabwehr nur begrenzt verteidigen kann. Die Luftwaffe meldete, dass insgesamt 98 Drohnen und 28 Raketen auf die Ukraine abgefeuert wurden, wobei nur die Drohnen abgefangen werden konnten. Die russischen Streitkräfte verfolgen dabei ein Muster: Zuerst schwächen Massen an billigen Drohnen die Flugabwehr, anschließend richten die teureren Raketen schwere Schäden an.
Die Bewohner Kiews wurden in der Nacht durch heftige Explosionen aus dem Schlaf gerissen. In mehreren Bezirken brachen Brände aus, die Einsatzkräfte waren bis in den Morgen mit Löscharbeiten beschäftigt. Die Militärverwaltung erklärte auf Telegram: „Der Feind greift erneut gezielt Zivilisten und zivile Infrastruktur an.“ Rettungskräfte suchten auch am Morgen noch nach Verletzten unter den Trümmern.
Selenskyj fordert mehr Flugabwehrsysteme
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte die westlichen Verbündeten erneut auf, dem Land neue Flugabwehrraketen zu liefern. Er betont seit Monaten, dass die Ukraine dringend zusätzliche Systeme benötige, um sich gegen die russischen Angriffe zu verteidigen. Die jüngsten Ereignisse unterstreichen diese Forderung, da die ballistischen Raketen offenbar ungehindert durchkamen.
Die russischen Angriffe auf Kiew sind Teil einer verstärkten Offensive, die sich zunehmend gegen zivile Ziele richtet. Laut einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP hat Russland die Zahl seiner Angriffe im Juli verdoppelt. Die Attacken folgen meist einem identischen Muster, das darauf abzielt, die ukrainische Luftverteidigung zu überlasten.
Ukraine greift Ziele in Russland an
In den vergangenen Wochen hat sich der Fokus im Ukraine-Krieg deutlich von der Front ins Hinterland verlagert. Beide Seiten erzielen kaum noch Geländegewinne, weshalb die Ukraine ihre Strategie geändert hat und nun vermehrt Ziele tief im russischen Hinterland angreift. Jeder Treffer eines Erdöl-Depots oder einer Industrieanlage soll Russlands Wirtschaft schwächen und Kreml-Chef Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zwingen.
Doch auch bei ukrainischem Beschuss sterben immer wieder Zivilisten. So gab es am Montag mehrere Tote an einem Strand am Schwarzen Meer, als die Flugabwehr eine ukrainische Drohne abschoss. Russland reagierte darauf mit blutigen Angriffen auf Wohnhäuser in Kiew und anderen Städten. Die Militärverwaltung Kiews sprach von einem gezielten Angriff auf die Zivilbevölkerung.
Die Lage in der Ukraine bleibt angespannt, und die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. Die Forderungen nach mehr militärischer Unterstützung für die Ukraine werden lauter, während die russischen Angriffe unvermindert anhalten.



