Bei einem erneuten russischen Raketen- und Drohnenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw ist die Zahl der Todesopfer auf neun gestiegen. Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, teilte mit, dass die Rettungsarbeiten noch andauerten und die Opferzahl weiter steigen könne. 24 Menschen wurden nach seinen Angaben verletzt. Raketen und Drohnen trafen Wohnblöcke und andere Gebäude, darunter im historischen Stadtteil Podil vier Gebäude. In einem Wohnhaus waren viele Bewohner zunächst eingeschlossen. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram, dass Rettungskräfte in der Nacht 15 Menschen aus dem teilweise eingestürzten Gebäude evakuiert hätten. Die Bewohner im siebten bis neunten Stock hätten festgesessen. Aus diesem Haus wurden zwei Leichen geborgen, so Tkatschenko.
Ukrainische Luftabwehr wehrt Großteil der Angriffe ab
Insgesamt setzte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 68 Raketen und 351 Drohnen ein. Die Luftabwehr habe 37 Raketen und 326 Drohnen abgeschossen oder unschädlich gemacht. Im östlichen Bezirk Darnyzkyj schlugen Drohnentrümmer in ein 25-stöckiges Wohnhaus ein, wobei zwei Menschen ums Leben kamen. In einem 30-stöckigen Gebäude in Darnyzkyj brach ein Feuer aus. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es seien Militär- und Energieanlagen in der ukrainischen Hauptstadt mit Präzisionswaffen sowie Militärflugplätze in anderen Regionen angegriffen worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff gewarnt. Polen ließ als Präventivmaßnahme kurzzeitig Kampfjets aufsteigen. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Russland Kyjiw mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen angegriffen, wobei mindestens 30 Menschen getötet wurden.
Ukrainische Tankstellenkette schränkt Betrieb ein
Die größte ukrainische Tankstellenkette WOG hat nach einer Serie russischer Angriffe auf Tankstellen in sieben Regionen einen besonderen Betriebsmodus eingeführt. Während eines Luftalarms sollen die Stationen schließen. Zwischen 21 und 7 Uhr bleiben sie ganz geschlossen, zudem wird die Außenbeleuchtung abgeschaltet. Die Einschränkungen gelten in den Regionen Poltawa, Sumy, Tschernihiw, Charkiw, Saporischschja, Dnipropetrowsk und Cherson. Der Leiter der Militärverwaltung der Region Sumy, Oleh Hryhorow, warnte vor erheblicher Gefahr in der Nähe von Tankstellen. Nach seinen Angaben steht die Treibstoffinfrastruktur derzeit im Fokus russischer Angriffe. Zeitnah seien neue Attacken auf Tankstellen in der Region Sumy und mehreren anderen Regionen zu erwarten. Hryhorow rief die Bevölkerung auf, sich nicht ohne dringenden Grund in der Nähe von Tankstellen aufzuhalten. Am 3. Juli hatte Russland vier Tankstellen in der Region Sumy angegriffen, wobei sieben Menschen verletzt wurden.
Trump trifft Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels
Im zähen Ringen um ein Ende des russischen Angriffskriegs trifft sich US-Präsident Donald Trump am Mittwoch am Rande des Nato-Gipfels mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Begegnung finde am Mittwochnachmittag statt, teilte eine Regierungssprecherin mit. Der zweitägige Gipfel beginnt am Dienstag in der türkischen Hauptstadt Ankara. Ein hochrangiger US-Beamter betonte vor Journalisten, dass keine der beiden Kriegsparteien nennenswerte militärische Fortschritte mache. Gleichzeitig entstünden enorme Kosten, und es gebe Angriffe beider Seiten weit ins jeweils andere Land. „Der Präsident verspürt daher ein echtes Gefühl der Dringlichkeit, zu versuchen, das zu einem Ende zu bringen.“ Man sei zuversichtlich, Fortschritte erzielen zu können, wenn Trump und Selenskyj zusammenkommen – und er sei sich sicher, dass sich Trump auch mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Verbindung setzen werde.
Selenskyj rechnet mit massiven russischen Attacken vor Gipfel
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnete mit massiven russischen Angriffen noch vor dem Nato-Gipfel. In einer Warnung auf Facebook berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. „Das entspricht ganz (Kremlchef Wladimir) Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara“, sagte er. Russland wolle schlicht „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“. Gleichzeitig appellierte Selenskyj an die Partner der Ukraine, die Flugabwehr seines Landes zu unterstützen. „Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er. Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch zur Verfügung zu stellen. „Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.“
Melnyk fordert „betonharte“ europäische Linie
Der ukrainische UN-Botschafter und ehemalige Deutschland-Botschafter Andrij Melnyk hat die europäischen Partner zu einer harten gemeinsamen Linie in möglichen Friedensverhandlungen mit Russland aufgefordert. „Europa muss aus der Position der Stärke und ohne Rücksicht gegenüber Moskau auftreten“, sagte Melnyk den Zeitungen der Funke-Mediengruppe in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. „Nur ein solcher harter Kurs wird Putin beeindrucken. Nur dann gibt es Hoffnung, dass er bei seinem Krieg einlenkt.“ Entscheidend sei, dass Europa mit einer Stimme spreche. Die Russen nutzten aus, dass es in Europa weiterhin viele unterschiedliche Herangehensweisen gebe. „Diese Kakophonie muss aufhören“, sagte Melnyk. Die Europäer müssten eine „betonharte Verhandlungsposition“ festlegen, die mit der Ukraine „voll und ganz abgestimmt“ werde.
Gegenseitige Angriffe fordern Opfer und Schäden
Bei gegenseitigen Angriffen haben die Ukraine und Russland erneut für eine Reihe von Opfern und Schäden auf beiden Seiten gesorgt. Wie der Generalstab in Kyjiw auf Telegram mitteilte, sei in der Nacht der russische Militärflughafen Gwardejskoje auf der besetzten Halbinsel Krim angegriffen worden. Das Ausmaß der Schäden sei vorerst nicht bekannt. Für das russische Militär gilt dieser Flughafen als der wichtigste Stützpunkt auf der Krim. Daneben griffen ukrainische Militärs auch wichtige Verkehrswege für den russischen Nachschub an. Unter anderem seien zwei Straßenbrücken im Donbass zerstört worden. Der Generalstab machte keine Angaben zu den dabei eingesetzten Waffen. Russische Militärs nahmen am Nachmittag verschiedene Ziele in der ostukrainischen Großstadt Charkiw ins Visier. Bei Angriffen mit Drohnen und Raketen seien mindestens ein Mensch getötet und elf weitere verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit.
Polnischer Streit wegen Patriot-Raketen
In Polen entspinnt sich innenpolitischer Streit wegen einer mutmaßlichen Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen an die Ukraine im Frühjahr. Die nationalkonservative PiS und andere rechte Oppositionsparteien kritisierten, die Entscheidung sei an Parlament und Präsident vorbei erfolgt. Polen brauche die PAC-3-Munition für das US-Flugabwehrsystem selbst. „Diese Raketen sind ein Schlüsselelement der Verteidigung des polnischen Luftraums gegen ballistische Raketen und andere hochentwickelte Bedrohungen“, schrieb der frühere Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak, jetzt PiS-Fraktionschef, auf X. Die Regierung müsse die Sache sofort aufklären. Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk entgegnete der Nachrichtenagentur PAP zufolge, die Liste der Militärhilfen für die Ukraine sei geheim. Im März versuchte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), mit anderen europäischen Ländern etwas mehr als 30 der gefragten Geschosse aufzutreiben. Bei einem Ramstein-Treffen im April dankte der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Polen für zusätzliche Munition.
China und Russland planen gemeinsame Marineübung
China und Russland wollen nach Angaben aus Peking noch im Juli ihre jährlichen gemeinsamen Militärmanöver abhalten. Die Marineübung „Joint Sea-2026“ werde in den „Gewässern und im Luftraum“ vor Qingdao stattfinden, einem wichtigen Militärhafen im Osten Chinas, teilte das Verteidigungsministerium in Peking am Sonntag mit. Anschließend würden „einige Einheiten“ beider Seiten eine gemeinsame Seepatrouille in nicht näher genannten Gebieten des Pazifischen Ozeans ausführen. Die Erklärung enthielt keine Einzelheiten zum Umfang der Manöver. Diese zielten dem Ministerium zufolge darauf ab, „gemeinsam auf sicherheitspolitische Herausforderungen zu reagieren und den Frieden und die Stabilität in der Region zu wahren“. Die Übungen werden zwei Monate nach einem Besuch Putins in China abgehalten. Putin hatte bei der Visite erklärt, die bilateralen Beziehungen hätten ein „beispiellos hohes Niveau“ erreicht.
Russland wirbt offenbar verstärkt Ukrainer an
Russische Geheimdienste sollen ihre Versuche verstärkt haben, ukrainische Bürger anzuwerben. Dabei würden sie sich als Mitarbeiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU) oder anderer Strafverfolgungsbehörden ausgeben, um Menschen zu Sabotageakten oder anderen illegalen Handlungen zu bewegen, teilte der Inlandsgeheimdienst der Ukraine (SBU) mit. Nach Angaben des SBU wurden seit Beginn des Jahres 2026 gemeinsam mit der Nationalpolizei bereits Dutzende solcher Fälle aufgedeckt. Die Täter würden gefälschte Vorladungen einsetzen, mit erfundenen Strafverfahren drohen und Geld verlangen. Ihre Opfer würden sie demnach dazu drängen, Brandanschläge zu verüben, militärische Einrichtungen auszuspähen, Pakete zu transportieren oder andere rechtswidrige Handlungen zu begehen.
Trump telefoniert mit Putin und Selenskyj
Vor dem Nato-Gipfel in Ankara haben sowohl Kremlchef Wladimir Putin als auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Trump und Putin hätten mit Blick auf Trumps Teilnahme an dem Gipfel „über die Frage einer Lösung in der Ukraine“ gesprochen, sagte der russische Präsidentenberater Juri Uschakow laut der Nachrichtenagentur Ria Nowosti am Samstag. Selenskyj erklärte nach seinem Telefonat mit Trump, es bestehe „die Aussicht, den Krieg zu beenden“. Putin habe in dem Telefonat „die aktuelle Lage auf dem Schlachtfeld“ in der Ukraine skizziert, „wo die russischen Streitkräfte selbstbewusst vorrücken“, erklärte Uschakow. Trump und Putin hätten in dem 85-minütigen Gespräch auch Themen wie den Iran und die Golfregion erörtert. Anlass beider Telefonate sei der 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA gewesen, teilten Moskau und Kyjiw mit. Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, er und Trump hätten in dem „sehr guten Telefonat“ den Krieg in der Ukraine erörtert.
Selenskyj lobt Erfolge der Marine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Marinestreitkräfte seines Landes für militärische Erfolge beim Kampf gegen Russland auf dem Schwarzen Meer gelobt. „Jedes reine Herz auf der Welt erwartet von der Ukraine nur eines – dass wir diese russischen Mistkerle besiegen“, zitierte ihn die Agentur Unian aus einer Ansprache vor Marineoffizieren und Kadetten in der Hafenstadt Odessa. Trotz geringer Mittel und fehlender Kriegsschiffe habe sich die Ukraine auf dem Schwarzen Meer behauptet. Dazu habe die ukrainische Marine gemeinsam mit anderen Teilen der Streitkräfte Außerordentliches geschafft. „Russland hat das Schwarze Meer verloren“, behauptete Selenskyj. Mit zahlreichen Aktionen beweise die Ukraine, „dass das Schwarze Meer und das Asowsche Meer für Russland ganz sicher kein Ort der Ruhe sein werden“.
Putin unterzeichnet Gesetz zur Stützung des Kraftstoffmarkts
Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass ein Steuergesetz unterzeichnet, das für ein größeres Kraftstoffangebot auf dem heimischen Markt sorgen soll. Damit reagiert die Führung in Moskau auf akute Engpässe infolge ukrainischer Drohnenangriffe auf Anlagen der Mineralölindustrie. Tass zufolge handelt es sich um Steueranreize für die Produktion von hochoktanigem Benzin durch Mischverfahren. Zuvor war bei einem russischen Angriff auf einen Kohlebetrieb in der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk ein Mensch getötet und fünf weitere Bergleute verletzt worden, wie der Betreiber DTEK mitteilte. Der Betrieb sei vorerst eingestellt worden.
Selenskyj spricht mit Merz über Flugabwehr
Zwei Tage nach einem russischen Raketenangriff auf Kyjiw mit 30 Toten hat Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über den Bedarf der ukrainischen Flugabwehr gesprochen. „Oberste Priorität haben derzeit Raketen für die Patriot-Systeme“, schrieb Selenskyj nach dem Telefonat in sozialen Netzwerken. Es sei darum gegangen, wie mehr Munition für die Patriot-Flugabwehrsysteme beschafft werden könne. „Russland spielt mit den Raketenangriffen auf die Ukraine seine letzte Karte aus. Es hat keine anderen Optionen mehr, um den Krieg in die Länge zu ziehen“, erklärte Selenskyj. Von deutscher Seite hieß es, dass Selenskyj Merz über die Folgen des Luftangriffs vom Donnerstag informiert habe. Er habe dem Bundeskanzler für die deutsche Unterstützung gedankt, insbesondere bei der Luftverteidigung. Merz habe bekräftigt, dass die Ukraine sich auf die Unterstützung Deutschlands verlassen könne, sagte ein Sprecher.



