Zum 25. Jahrestag des Verschwindens des britischen Backpackers Peter Falconio im australischen Outback hat die Polizei des Northern Territory bislang geheime Fotos aus den Ermittlungsakten freigegeben. Die Aufnahmen zeigen unter anderem die sichtlich verstörte Freundin Joanne Lees kurz nach der Tat, ihre durch Fesseln verletzten Handgelenke, das orangefarbene Fahrzeug sowie eine markierte Stelle an der Straße mit einem dunklen Fleck auf dem Belag. Auch ein Bild von der Festnahme des verurteilten Mörders Bradley Murdoch im Jahr 2003 in Adelaide ist darunter.
Der Fall: Verschwinden im Outback
Am 14. Juli 2001 fuhren der 28-jährige Peter Falconio und seine Freundin Joanne Lees auf dem Stuart Highway im australischen Outback, als ein Unbekannter in einem Toyota Land Cruiser sie zum Anhalten brachte. Der Mann gab vor, Funken aus dem Auspuff ihres orangefarbenen VW-Kombis zu sehen. Als Falconio ausstieg, schoss der Fremde auf ihn. Lees wurde mit Kabelbindern gefesselt, konnte jedoch fliehen und sich stundenlang in der Wildnis verstecken, bis sie einen Lastwagenfahrer stoppte.
Verurteilung und Tod des Täters
Erst zwei Jahre später wurde der Drogendealer Bradley John Murdoch verhaftet. Ein Haargummi von Lees an seinem Waffengurt und Blutspuren auf ihrem Hemd überführten ihn. 2005 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Falconios Leiche wurde nie gefunden – vermutlich verscharrte Murdoch sie im Buschland auf dem Weg nach Broome. Murdoch starb 2025 im Alter von 67 Jahren an Kehlkopfkrebs im Alice Springs Hospital. Bis zuletzt weigerte er sich, das Versteck preiszugeben. „Ich weiß von nichts. Das wiederhole ich bereits seit 22 Jahren“, sagte er in Polizeiaufnahmen.
Polizei: Ermittlungen laufen weiter
Polizeichef Martin Dole betonte, dass die Ermittlungen erst enden könnten, wenn Falconios Überreste gefunden und von seiner Familie bestattet werden könnten. Murdochs „feige Weigerung“ habe der Familie den Abschluss verwehrt. 25 Jahre sei ein bedeutender Meilenstein. „Für viele Ermittler hat dieser Fall Jahrzehnte ihrer Polizeikarriere umfasst. Ihr Engagement, Peter zu finden und seiner Familie Antworten zu liefern, hat nie nachgelassen“, so Dole. Das Kopfgeld für Hinweise zum Leichenfund wurde 2025 von 250.000 auf 500.000 australische Dollar (etwa 304.000 Euro) erhöht.
Bekanntester Kriminalfall Australiens
Der Mord zählt zu den bekanntesten Kriminalfällen des Kontinents und inspirierte unter anderem den Film „Wolf Creek“. Lees geriet nach der Tat selbst unter Verdacht, da ihre stille Art in der Medienöffentlichkeit falsch gedeutet wurde. Der britische Autor Roger Maynard, der ein Buch über den Fall schrieb, erklärte die anhaltende Faszination: Anders als bei den Backpacker-Morden an der Ostküste fehlten im Fall Falconio sowohl die Leiche als auch ein klares Tatmotiv, was viele Fragen offen ließ – etwa, was mit der Leiche geschah und wie Lees überlebte.
Hoffnung auf Antworten
Falconios Familie und Lees reisten immer wieder ins Northern Territory, um Suchaktionen zu unterstützen. Im Barrow Creek Hotel hängt bis heute ein Fünf-Dollar-Schein mit der Aufschrift „PETER + PAUL FALCONIO“, den Falconios Bruder Paul nach dem Verschwinden dort befestigte – in der Hoffnung, Peter könnte zurückkehren und sich ein Bier kaufen. „Keine Information ist zu klein; was unbedeutend erscheinen mag, könnte sich als entscheidend erweisen“, sagte Polizeichef Dole.



