Russland ist offenbar zunehmend auf die Aufnahme von Inlandsschulden angewiesen, um den Krieg von Machthaber Wladimir Putin gegen die Ukraine zu finanzieren und aufrechtzuerhalten. Dies berichtete das US-amerikanische Medium „Bloomberg“ in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse.
Westliche Sanktionen schneiden Russland von Finanzquellen ab
Infolge der westlichen Sanktionen ist Russland mittlerweile weitestgehend von ausländischen Finanzquellen abgeschnitten. Um den Krieg gegen die Ukraine auch weiterhin finanzieren zu können, hat Moskau in der Vergangenheit bereits mehrere Maßnahmen umgesetzt.
Zum Beginn dieses Jahres ließ Putin die Mehrwertsteuer auf 22 Prozent hochsetzen. In der Folge klagten viele Russen über „explodierende Lebensmittelpreise“ und taten ihren Unmut darüber in den sozialen Medien kund.
Finanzminister kündigt höhere Neuverschuldung an
Zudem hatte Russlands Finanzminister Anton Siluanow bereits im September des vergangenen Jahres angekündigt, dass man eine Erhöhung der Neuverschuldung in Kauf nehmen müsse, um das steigende Haushaltsdefizit zu decken. Dass sich die Sparmaßnahmen des Kremls auf das Leben vieler Russen auswirken könnten, schloss er seinerzeit explizit nicht aus: „Uns wird weniger Geld für unsere Prioritäten bleiben.“
Russlands Wirtschaftsdefizit wächst weiter
Nun prognostizieren Wirtschaftsexperten im Rahmen der „Bloomberg“-Analyse, dass Russlands Verteidigungsausgaben im Jahr 2026 die ursprünglichen Haushaltspläne um vier bis fünf Billionen Rubel (umgerechnet etwa 44 bis 55 Milliarden Euro) übersteigen könnten. Den Analysten zufolge seien das fast 40 Prozent mehr, als ursprünglich angedacht.
Gleichzeitig erreichte das Haushaltsdefizit den Experten zufolge in den ersten fünf Monaten des Jahres bereits 6 Billionen Rubel (etwa 66 Milliarden Euro) und lag damit rund 60 Prozent über dem für das Gesamtjahr vorgesehenen Zielwert.
Steigende Kosten für den Schuldendienst
Aufgrund der hohen Zinsen und des steigenden Finanzierungsbedarfs für den Krieg dürften die Kosten im Rahmen des sogenannten Schuldendienstes weiterhin steigen, prognostizieren die Experten. Der Schuldendienst meint die Summe aller Zahlungen, die ein Schuldner aufbringen muss, und inkludiert sowohl die Zinsen als auch die Tilgung.
Derzeit hat Moskau für das laufende Jahr fast vier Billionen Rubel (44 Milliarden Euro) veranschlagt, um Zinszahlungen und die Bedienung seiner Staatsschulden zu bewerkstelligen. Das entspricht rund neun Prozent des föderalen Haushalts und macht den Schuldendienst damit zum fünftgrößten Ausgabenposten des russischen Staates.
„Bloomberg“ rechnet außerdem vor, dass Moskau in den kommenden zehn Jahren mutmaßlich Zinszahlungen in Höhe von rund 15 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts leisten müsste. Der Betrag entspreche demnach in etwa dem heutigen Umfang der gesamten russischen Staatsverschuldung.



