Bafin entlässt gesamte Führung der Berenberg Bank
Die Finanzaufsicht Bafin hat bei der Hamburger Berenberg Bank hart durchgegriffen. Wie aus einer Mitteilung des Instituts hervorgeht, haben die Aufseher angeordnet, die drei bisherigen Geschäftsleitungsmitglieder abzuberufen. Dabei handelt es sich um die drei persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank: Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn. Die Berenberg Bank ist die älteste unabhängige Privatbank Deutschlands und muss seit diesem Freitag ohne ihre bisherigen Chefs auskommen.
Hintergrund der Abberufung
Laut der Mitteilung haben sich während der Jahresabschlussprüfung für 2025 „Hinweise auf mögliche Corporate Governance-Verstöße ergeben“. Dies habe „insbesondere bestimmte Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund“ betroffen, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz gefehlt habe. „Als Konsequenz wird die Geschäftsleitung ab sofort von zwei durch die Bafin eingesetzte Sonderbeauftragten wahrgenommen.“ Nach SPIEGEL-Informationen stehen unkorrekte Buchungen im Eigenhandel der Bank im Hintergrund, die von den Wirtschaftsprüfern beanstandet worden seien.
Einsetzung von Sonderbeauftragten
Einer der beiden Sonderbeauftragten ist der frühere langjährige Chef der Berenberg Bank, Hans-Walter Peters. Er war von 2016 bis 2021 auch Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und damit oberster Interessenvertreter der privaten Banken in Deutschland. Zusammen mit dem früheren Degussa-Bank-Vorstand Michael Horf soll Peters nun die Geschäftsleitung übernehmen. Die Bank betont, die operative Führung, die Umsetzung der Geschäftsstrategie sowie Arbeitsplätze seien von den Veränderungen nicht betroffen.
Reaktionen und Ausblick
„Dieser Schritt ist nötig, da für Berenberg absolute Integrität einen zentralen Wert darstellt“, wird Peters in der Mitteilung zitiert. Bei den in Rede stehenden Verstößen sei das Kundengeschäft nicht berührt gewesen. Kunden seien nicht geschädigt worden. Auch das Geschäftsmodell der Berenberg Bank sei intakt, heißt es. Nach Angaben von Peters rechnet das Institut für das vergangene Jahr mit einem Gewinn „in der Größenordnung von 20 Millionen Euro“. Das erste Halbjahr 2026 dürfte demnach „mit einem sehr guten Ergebnis von rund 40 Millionen Euro abschließen“.
Bedeutung des Schritts
Dass die Bafin die gesamte Geschäftsleitung einer Bank der Größenordnung von Berenberg abberuft, ist außergewöhnlich. Operativ geführt wurde die Bank zuletzt vor allem von Hendrik Riehmer. Der Investmentbanker ist seit 2008 persönlich haftender Gesellschafter und hatte sie lange gemeinsam mit Peters geleitet. Die beiden sind über die PetRie Beteiligungsgesellschaft gemeinsam mit rund 20 Prozent an der Berenberg Bank beteiligt. Unklar ist, wie es nun mit der Beteiligungsgesellschaft weitergeht. In Finanzkreisen heißt es, Riehmers Anteile könnten „bald auf den Markt“ kommen. Peters wäre der nahe liegende Käufer. Dass die Bafin ihn als Sonderbeauftragten einsetzt, kann als Vertrauensbeweis für Peters gewertet werden, der auch im Aufsichtsrat des Fußballbundesligisten Hamburger SV sitzt.
Die Arbeitsteilung der Führungsriege
Jahrelang hatte die Arbeitsteilung zwischen Peters und Riehmer zumindest nach außen hin reibungslos funktioniert und Berenbergs Aufstieg zur schillerndsten Investmentbank Deutschlands ermöglicht: hier Riehmer, der aggressive Trader nach Wall-Street-Art, ein Schnellsprecher und -denker, der riskante Aktiendeals liebt und keinem Konflikt aus dem Weg geht. Dort der eher risikoscheue Peters, der ein gewaltiges Netzwerk pflegt, vor allem in der Versicherungswirtschaft. Unterschiedliche Typen, die privat nicht allzu viel verbindet, außer die Liebe zum Golfspiel. Zur 425-Jahr-Feier der Traditionsbank im Jahr 2015 gönnten sie sich und ihrer Belegschaft einen Auftritt von Superstar Robbie Williams.



