Im Osten Polens ist während massiver russischer Angriffe auf die Ukraine offenbar ein russischer unbemannter Lenkflugkörper niedergegangen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte am Donnerstag: „Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen russischen Marschflugkörper vom Typ Ch-101 handelte. Aber wir wollen uns über den Raketentyp und den, der sie gestartet hat, hundertprozentig sicher sein.“
Absturz in unbewohntem Gebiet
Die Rakete sei in einem unbewohnten Gebiet in der Nähe des Dorfes Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin gelandet, erklärte Tusk. Es habe keine direkte Bedrohung für die Bevölkerung gegeben. „Wir waren bereit, sie abzuschießen, hätte sie ihren Flug fortgesetzt“, fügte er hinzu. Polen hatte Kampfflugzeuge aufsteigen lassen, um seinen Luftraum zu sichern.
Das operative Kommando der polnischen Streitkräfte teilte auf der Plattform X mit, dass um 03:40 Uhr Ortszeit ein „unbekanntes, sich westwärts bewegendes Objekt im polnischen Luftraum“ entdeckt worden sei. Kurz darauf sei es von den Radarschirmen verschwunden. Ein Hubschrauber habe den wahrscheinlichen Absturzort in einem unbebauten Gebiet ausgemacht. Das Innenministerium ergänzte auf X, das Objekt habe einen Krater von etwa zehn Metern Durchmesser verursacht. Die Polizei in der Region Lublin bestätigte einen lauten Knall im Kreis Bilgoraj. Der Fundort liege etwa zwei Kilometer von den nächsten Gebäuden entfernt. In Lublin heulten für einige Minuten Sirenen, um vor möglichen russischen Luftangriffen zu warnen.
Hintergrund: Raketenangriffe auf die Ukraine
Russland hatte in der Nacht die Ukraine massiv angegriffen. Ziel war unter anderem die westukrainische Stadt Lwiw nahe der Grenze zu Polen. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte in einem Beitrag auf X, ein russischer Marschflugkörper vom Typ Ch-101 sei in den polnischen Luftraum eingedrungen. Mindestens acht Todesopfer wurden bei der russischen Angriffswelle gemeldet. Zudem soll die Ukraine ein Terminal für Sonnenblumenöl in Taman beschossen haben.
Der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Verletzung des polnischen Luftraums und den russischen Angriff auf die Ukraine aufs Schärfste. Tusk betonte, es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass Polen das Ziel gewesen sei. Die Armee sei bereit gewesen, die Rakete abzuschießen, hätte sie bebaute Gebiete bedroht. Die Reaktion Polens auf den Vorfall werde überprüft; den Berichten des Militärs zufolge sei sie ordnungsgemäß verlaufen.
Frühere Vorfälle und Reaktionen
In dem EU- und Nato-Staat Polen sind bereits früher Drohnen und Raketen niedergegangen. Eine Stellungnahme aus Russland lag zunächst nicht vor. Die polnischen Behörden hatten nach Berichten über eine Explosion einen Krater und verstreute Trümmerteile auf einem Feld gefunden. Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen auf Hochtouren. Polen hat seine Luftraumüberwachung verstärkt und die NATO über den Vorfall informiert.



