Ein russischer Soldat hat auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim nach Behördenangaben mindestens vier Menschen erschossen. Der Vorfall ereignete sich in Sewastopol und im Nachbardorf Chmelnizkoje, wie der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew auf Telegram mitteilte. Der Soldat eröffnete zunächst das Feuer auf Kameraden und tötete einen Militärangehörigen. Anschließend erschoss er im Nachbardorf drei Zivilisten – zwei Männer im Alter von 71 und 59 Jahren sowie eine 64-jährige Frau – und verletzte drei weitere Personen. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, zum Motiv machten die Behörden zunächst keine Angaben.
Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Regionen
In der Nacht zum Montag meldeten russische Behörden mehrere ukrainische Drohnenangriffe. Bei einem Angriff auf die Region Moskau wurden nach Angaben von Gouverneur Andrej Worobjow fünf Menschen getötet und sechs weitere verletzt. Ein Lagerhaus geriet in Brand, das Feuer konnte jedoch gelöscht werden. Auch ein Privathaus und ein Auto wurden beschädigt. In der Nähe von St. Petersburg traf eine Drohne ein Lagerhaus, wie Gouverneur Alexander Drosdenko mitteilte. Die Ukraine hat wiederholt Lagerhäuser von Online-Händlern wie Wildberries angegriffen und begründet dies mit einer angeblichen militärischen Nutzung. Als Reaktion auf den Angriff bei St. Petersburg richtete Finnland im östlichen Finnischen Meerbusen eine vorübergehende Flugverbotszone ein.
Der Online-Händler Wildberries meldete zudem einen Brand in einem Logistikzentrum in der Region Twer, der durch einen Drohnenangriff verursacht worden sei. Gouverneur Vitali Koroljow sprach von einem beschädigten Gebäude, verletzt wurde niemand.
Ex-Militärchef Saluschnyj: Nato-Beitritt unrealistisch
Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, sieht keine Aussicht auf einen Nato-Beitritt seines Landes. „Leider werden wir niemals wirklich beitreten“, wurde er vom Medium „Evropeiska Pravda“ zitiert. Bei einem Treffen ukrainischer Botschafter erklärte er, er kenne die Nato sehr gut: „Etwa zwölf Jahre lang habe ich persönlich daran gearbeitet, sicherzustellen, dass wir die Nato-Standards erfüllen, und jedes Jahr habe ich Märchen darüber gehört, wie wir jeden Tag der Nato beitreten würden.“ Saluschnyj begründete seine Einschätzung mit fehlenden militärischen Standards: „Es ist unmöglich, mit dem Entwicklungsstand der ukrainischen Streitkräfte einer Organisation beizutreten, die sich von Doktrinen des Zweiten Weltkriegs leiten lässt.“ Der Ukraine fehle Technologie wie Raketenabwehr und Weltraumfähigkeiten. Das strategische Ziel der Nato-Mitgliedschaft ist in der ukrainischen Verfassung verankert. Saluschnyj war 2024 nach Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Wolodymyr Selenskyj entlassen worden.
Selenskyj hofft auf Frieden bis Herbst
Präsident Selenskyj hofft, Russland bis Herbst so unter Druck zu setzen, dass es einem Ende des Krieges zustimmt. „Wir werden hart daran arbeiten, damit das bis zum Herbst passiert“, sagte er vor den versammelten Botschaftern in Kiew. Ukrainische Drohnenangriffe, Sanktionen und diplomatische Anstrengungen müssten zusammenwirken. Gleichzeitig bereitete er sich auf einen weiteren Kriegswinter vor und erteilte den Diplomaten den Auftrag, Waffen und technische Unterstützung zu organisieren: „Jeder Botschafter muss Waffen für die Ukraine auftreiben.“ Als wichtiges Projekt nannte er die gemeinsame Entwicklung des Raketenabwehrsystems Freyja mit europäischen Partnern. Selenskyj warf Putin vor, ein Kriegsende hinauszuzögern und eine weitere Mobilisierung vorzubereiten.
Angriffe auf Häfen und zivile Schiffe
Russische Streitkräfte haben am Montag die Verkehrsinfrastruktur im Gebiet Odessa sowie zivile Schiffe in den Häfen des Großraums Odessa und der Donauregion angegriffen. Nach aktualisierten Angaben wurden zehn Menschen verletzt, teilte das ukrainische Ministerium für Gemeinden und territoriale Entwicklung mit. Allein in den ersten drei Augusttagen griff Russland fünfmal ukrainische Seehäfen, dreimal zivile Schiffe in den Häfen und zweimal Schiffe im ukrainischen Seekorridor an. Im Juli wurden 67 Angriffe auf die Hafeninfrastruktur, 35 auf zivile Schiffe in den Häfen und 22 auf Schiffe im Seekorridor registriert.
Bei einem Drohnenangriff auf ein türkisches Frachtschiff im Schwarzen Meer wurden mindestens drei Seeleute schwer verletzt. Das Schiff „Nadeschda“ wurde etwa 20 Seemeilen vom russischen Hafen Noworossijsk entfernt auf dem Weg nach Samsun getroffen. Alle 23 Seeleute wurden von der russischen Marine nach Noworossijsk gebracht. Die Ukraine und Russland haben die gegenseitigen Angriffe auf den Schiffsverkehr verstärkt.
Personelle Veränderungen in Kiew
Selenskyj hat die Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, von ihrem Amt entbunden. Sie hatte selbst um ihre Entlassung gebeten. Als Nachfolgerin war Julia Swyrydenko im Gespräch, die den Posten jedoch ablehnte. Außerdem ernannte Selenskyj den Chefunterhändler Rustem Umjerow zum neuen Chef des Auslandsgeheimdienstes. Umjerow bleibt für die Verhandlungen mit Russland zuständig und soll den Export ukrainischer Drohnen koordinieren. Verträge bestehen bereits mit neun Staaten.
Weitere Ereignisse
Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin ist nach Paris geflohen. Er war nach einer vorübergehenden Festnahme in Moskau wegen angeblicher Verbreitung von Nawalny-Bildern unter Druck geraten. Bei einem russischen Angriff auf eine Tankstelle in der Region Dnipropetrowsk wurden drei Menschen getötet. Zudem wurden bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Restaurant in Moskau nach Angaben der russischen Botschaft in Italien fünf Menschen getötet und 19 verletzt. Die Botschaft machte die Ukraine für den Anschlag verantwortlich.



