Die strategisch wichtige Stadt Obeid im Sudan steht unmittelbar vor einem Großangriff der Miliz Rapid Support Forces (RSF). Rund eine halbe Million Menschen sind in der von der Armee kontrollierten Stadt eingeschlossen und leiden seit Wochen unter nahezu täglichen Drohnenangriffen, wie ein Sprecher des Norwegian Refugee Council (NRC) der dpa mitteilte.
Infrastruktur weitgehend zerstört
Die Angriffe der RSF haben in den vergangenen Wochen die Strom-, Treibstoff- und Wasserversorgung von Obeid weitgehend lahmgelegt. Elias Ata, NRC-Sprecher für das östliche Afrika, warnte vor neuen Gräueltaten ähnlich denen in Faschir. Noch sei das Verlassen der Stadt möglich, doch die Lage sei äußerst kritisch.
Die RSF kämpft seit April 2023 gegen die Truppen des sudanesischen De-facto-Staatschefs Abdel-Fattah al-Burhan. Im Oktober 2024 hatte die Miliz nach eineinhalbjähriger Belagerung Faschir, die Hauptstadt von Nord-Darfur, eingenommen. Nach UNO-Angaben wurden dort mindestens 6000 Menschen Opfer von Massakern; Experten des Yale Humanitarian Lab schätzen die Zahl der Toten auf Basis von Satellitenaufnahmen sogar auf 60.000.
Größte humanitäre Krise der Welt
Überlebende Einwohner von Faschir berichteten von massenhafter sexueller Gewalt während der Eroberung und auf der Flucht. Die UNO bezeichnet den Krieg im Sudan als die derzeit größte humanitäre Krise der Welt. Der UNO-Sicherheitsrat, die USA sowie mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, äußerten sich alarmiert über die Lage in Obeid.
„Vergangenes Jahr wurde die Welt mit Entsetzen Zeuge der Gräueltaten in Faschir – Verbrechen, die dahin gehend bewertet werden, dass sie ‚Merkmale eines Völkermords‘ aufweisen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Derartiges wiederholt“, erklärten die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Irlands, Italiens, der Niederlande, Norwegens und Großbritanniens gemeinsam.
Internationale Appelle an Milizenführer
Vertreter der Vereinten Nationen und der USA haben mit dem RSF-Milizenführer Mohamed Hamdan „Hemedti“ Daglo telefoniert und ihn aufgefordert, von einem Angriff auf Obeid abzusehen. Milizquellen zufolge habe Daglo den USA die Sicherheit von Zivilisten und humanitäre Hilfe zugesichert. Ob dies tatsächlich zu einer Deeskalation führt, bleibt jedoch fraglich.



