Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA reißt trotz einer vereinbarten Waffenruhe nicht ab. Die Amerikaner fordern, dass der Iran sein Atomprogramm einstellt und die strategisch wichtige Straße von Hormus für die Schifffahrt öffnet. „Trump ist sehr stark an einem Deal interessiert“, sagt der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad. Der US-Präsident hofft offenbar auf eine Einigung vor der Fußball-Weltmeisterschaft, die am 11. Juni beginnt – doch davon ist der Mit-Gastgeber noch weit entfernt.
Ein Sommer der Superlative wird getrübt
Es sollte für Donald Trump ein Sommer der Superlative werden: Die Fußball-WM startet in Kürze, nur wenige Tage später feiert der Präsident seinen 80. Geburtstag mit Käfigkämpfen in einer Arena am Weißen Haus, die derzeit in Rekordzeit errichtet wird. Und am 4. Juli begehen die USA ihren 250. Jahrestag der Unabhängigkeit. Doch die erhoffte Feierlaune wird durch den anhaltenden Krieg mit dem Iran getrübt. Ob bis zum WM-Start ein Rahmenabkommen geschlossen wird, ist ungewiss. Fest steht: Der Iran wird bei der WM präsent sein, denn seine Nationalmannschaft nimmt am Turnier teil.
Mögliches Duell auf dem Rasen
Es könnte sogar zu einem direkten Aufeinandertreffen zwischen den USA und dem Iran auf dem Spielfeld kommen. Sollten beide Teams in ihren Gruppen den zweiten Platz belegen, würden sie im Sechzehntelfinale am 3. Juli in Arlington bei Dallas aufeinandertreffen. Bereits in den vergangenen Wochen sorgte der Iran im WM-Kontext für Schlagzeilen. So wurde das iranische WM-Quartier von den USA nach Mexiko verlegt. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte, die USA hätten nicht gewollt, dass die iranische Mannschaft in den USA übernachte. Zudem gab es Probleme mit Visa für die Einreise.
Politische Risiken für Trump
Der Politikwissenschaftler Timm Beichelt von der Universität Frankfurt (Oder) warnt vor politischen Risiken: „Was passiert, wenn die iranische Mannschaft wichtige Spiele gewinnt und Sympathien der Zuschauer gewinnt? Könnte die Führung des Iran versuchen, das Image des siegreichen Underdogs in die politische Sphäre zu übersetzen?“ Kurz nach Kriegsbeginn hatte Trump im März erklärt, die iranische Mannschaft sei „willkommen“, aber es sei „nicht angemessen, dass sie dort ist, zu ihrem eigenen Schutz“. Er ließ Fifa-Chef Gianni Infantino die Entscheidung über die Teilnahme überlassen. Infantino hoffte im April auf eine Beruhigung der Lage bis zur WM. Seit Wochen gilt eine Waffenruhe, doch in den letzten Tagen gab es erneut gegenseitige Angriffe. Parallel laufen Verhandlungen.
Wirtschaftliche und innenpolitische Probleme
Eigentlich müsste die WM für Trump wie gerufen kommen: ein großes Sportereignis, das von Krisen ablenkt. Doch die Wachstumsprognose in Deutschland wurde wegen des Iran-Krieges erneut gesenkt, und auch in den USA läuft die Wirtschaft schleppend. Die Benzinpreise sind laut Chefvolkswirt Johannes Mayr von „Eyb & Wallwitz“ seit Kriegsbeginn um 40 Prozent gestiegen. Trumps Umfragewerte sind auf einem Allzeittief. Der Iran-Krieg bringt ihm Kritik ein, selbst aus den Reihen der Republikaner. Im US-Parlament regt sich Widerstand, viele Bürger sind kriegsmüde.
WM-Stimmung in den USA verhalten
Trump, der von der Fifa mit einem umstrittenen Friedenspreis geehrt wurde, hatte versprochen: „Es wird das größte und sicherste Sportereignis in der Geschichte der USA.“ Alle Teilnehmer und Fans würden wie Stars behandelt. Doch die große Erzählung von der verbindenden Kraft des Sports zündet kaum. In den Medien und auf den Straßen ist wenig von der WM zu spüren. Trump selbst scheint derzeit mit einem anderen Sportereignis beschäftigt: den Käfigkämpfen der UFC an seinem 80. Geburtstag am 14. Juni, die er als „einen der unterhaltsamsten Abende in der amerikanischen Geschichte“ ankündigte.



