Bei neuen russischen Angriffen auf die Region Kyjiw sind nach Behördenangaben mindestens 17 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Die ukrainische Luftwaffe meldete, dass keine einzige der abgefeuerten Raketen abgefangen werden konnte. Dies teilte die Militärverwaltung von Kyjiw am Mittwochmorgen mit.
Massive Raketenangriffe auf die Hauptstadt
In der Nacht zum Mittwoch erschütterten mehrere heftige Explosionen die ukrainische Hauptstadt. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von starken Detonationen. Nach Angaben der Militärverwaltung wurden Wohnhäuser und Lagerhallen beschädigt. In vier Stadtbezirken von Kyjiw brachen Brände aus. Ein Mensch kam westlich der Hauptstadt im Bezirk Butscha ums Leben. Mehr als 20 Menschen wurden im Umland verletzt.
Die russische Armee setzte nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe erneut ballistische Raketen ein. Die Ukraine drängt bei ihren Verbündeten seit Monaten auf die Lieferung weiterer US-Patriot-Raketen, um den eigenen Luftraum besser gegen solche Angriffe schützen zu können.
Selenskyj: Abwehrraketen hätten Leben retten können
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj klagte nach den nächtlichen Angriffen erneut über einen Mangel an Abwehrraketen. Solche Raketen hätten „die Leben derjenigen retten können, die heute getötet wurden“, erklärte er am Mittwoch im Onlinedienst Telegram. Die ukrainische Luftwaffe konnte nach eigenen Angaben keine einzige der russischen Raketen abschießen.
Russland hatte die Ukraine nach Angaben der Luftwaffe mit 115 Drohnen und 28 Raketen angegriffen. 98 Drohnen wurden demnach abgefangen. Selenskyj zufolge stieg die Zahl der Toten am Mittwochmorgen auf 17. Dutzende weitere Menschen wurden im Raum Kyjiw verletzt. Er drang bei den westlichen Verbündeten auf die Lieferung neuer Patriot-Luftabwehrsysteme und der nötigen Raketen. „Verspätungen bei der Lieferung oder ein Ausbleiben bei der Bereitstellung von Antiraketensystemen führen zu solchen entsetzlichen Opferzahlen und zu Zerstörung“, schrieb er.
Russland zerstört Logistikzentren des Warenhändlers Epicentr
Die russische Armee hat in der Nacht Produktions- und Logistikanlagen des ukrainischen Warenhändlers Epicentr angegriffen. Nach Angaben des Unternehmens wurde ein Mitarbeiter getötet, drei weitere wurden verletzt. In Kyjiw brannte ein Logistikzentrum. Ein weiterer Angriff traf den Logistik- und Produktionskomplex in Kalyniwka, wo zwei große Lagerhallen durch direkte Raketentreffer vollständig zerstört wurden.
Schwer beschädigt wurde auch das Werk der Epicentr Ceramic Corporation, eines der größten Hersteller von Keramikfliesen in der Ukraine. Die Produktion dort sei vorerst unmöglich. Der Wiederaufbau werde nach vorläufiger Einschätzung mindestens eineinhalb Jahre dauern. „Das ist ein gezielter Schlag gegen ukrainische Produktion, Logistik, Arbeitsplätze und die Fähigkeit des Landes, sich wiederaufzubauen“, teilte Epicentr mit.
Die Angriffe könnten als Rache für ukrainische Drohnenangriffe auf den russischen Versandhändler Wildberries gesehen werden. Ukrainische Drohnen haben inzwischen rund die Hälfte der Logistikzentren von Wildberries zerstört.
Acht Tote an Bahnstation in der Region Kyjiw entdeckt
In der Region Kyjiw sind nach dem nächtlichen russischen Angriff acht Menschen tot an einer Bahnstation gefunden worden. Sie hielten sich auf dem Gelände der Station Kwitnewe im Bezirk Browary auf. Nach Angaben des Leiters der Bezirksverwaltung Browary, Witalij Bihun, warteten die Menschen auf einen Zug. Der Zug habe sich in der Nacht verspätet, mehrere Personen hätten deshalb ihren letzten Anschluss nicht mehr erreicht. Die Leichen wurden auf dem Gelände der Bahnplattform entdeckt – in der Nähe von Logistikzentren, die Russland in der Nacht angegriffen hatte.
Russland meldet Angriffe auf Schiffe nahe Odessa
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau in der Nähe der ukrainischen Hafenstadt Odessa drei Frachtschiffe beschädigt. Zudem seien in Kyjiw und Umgebung mehrere Logistikzentren und Versorgungseinrichtungen angegriffen und beschädigt worden. Sie seien für militärische Zwecke genutzt worden, teilt das Ministerium mit.
Wildberries-Lager in Tula brennt nach Drohnenangriff
In der russischen Region Tula ist nach Angaben des Gouverneurs bei einem ukrainischen Drohnenangriff ein Logistikzentrum des Online-Händlers Wildberries in Brand geraten. Ein Mensch wurde verletzt, teilt Dmitri Miljajew auf Telegram mit. Der russische Marktführer Wildberries bestätigte den Angriff. Die Beschäftigten seien in Sicherheit gebracht worden, die Lieferströme würden umgeleitet. Die ukrainischen Streitkräfte haben seit Mitte Juli mehr als ein Dutzend Anlagen von Wildberries mit Drohnen angegriffen und zum Teil erheblich beschädigt. Miljajew zufolge wurden zudem zwei Industrieanlagen in Nowomoskowsk und im Gebiet Uslowaja sowie zwei Wohnhäuser beschädigt.
Frankreich vermutet russische Einmischung bei Präsidentschaftswahl
Die Sicherheitsbehörden in Frankreich haben Hinweise auf eine Einmischung Russlands vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde in der vergangenen Woche eine Desinformationskampagne aufgedeckt, die sich gegen den Linkspolitiker Raphaël Glucksmann richtete. Die Kampagne ging auf das Propagandanetzwerk Storm-1516 zurück, das mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung gebracht wird.
„Die russischen Sicherheitsdienste haben ihre Operationen zur Destabilisierung des Wahlkampfs für 2027 begonnen“, schrieb Glucksmann selbst in Onlinenetzwerken. Die ihn betreffende erfundene Geschichte sei auf einer Website erschienen, die das seriöse Onlinemedium Blast imitierte. Sie habe gefälschte Dokumente, mithilfe von Künstlicher Intelligenz reproduzierte Stimmen und ein vollständig gefälschtes Video enthalten. „Das Ziel besteht darin, eine komplette Lüge viral gehen zu lassen, um Persönlichkeiten zu diffamieren, die vom russischen Regime als feindlich angesehen werden“, erklärte Glucksmann.
Storm-1516 hatte im vergangenen Monat auch Ex-Premierminister Edouard Philippe ins Visier genommen, der ebenfalls bei der Präsidentschaftswahl antreten will. Dazu wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen Falschinformationen über seinen Gesundheitszustand verbreitet.
Russische Reederei nimmt keine Aufträge mehr an
Der russische Logistik- und Schifffahrtskonzern Fesco nimmt nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf eines seiner Schiffe keine neuen Frachtaufträge für das Schwarze Meer mehr an. Die „Janina“ sei in der Nacht zum Samstag durch ukrainische Seedrohnen beschädigt worden und gesunken, teilt der staatliche russische Atomkonzern und Fesco-Eigentümer Rosatom mit.
Polen fängt russischen Aufklärer ab
Die polnische Luftwaffe hat nach Regierungsangaben bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Tage ein russisches Aufklärungsflugzeug über der Ostsee abgefangen. Der russische Aufklärer vom Typ Il-20 sei 56 Kilometer nordöstlich von Koszalin unterwegs gewesen, schrieb Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf der Plattform X. Dort hätten ihn zwei polnische Kampfjets abgefangen. Der polnische Luftraum sei nicht verletzt worden, hieß es aus dem Verteidigungsministerium.
„Russland führt erneut provokative Aktionen in der Nähe der Grenzen der Nato-Staaten durch und testet damit die Wachsamkeit und Einsatzbereitschaft der Verteidigungssysteme des Bündnisses“, schrieb Kosiniak-Kamysz weiter. Bereits am Montag und am vergangenen Freitag war es zu ähnlichen Vorfällen gekommen.
Ukraine empört über Drohnenangriff auf Zivilisten
Ukrainische Behörden haben empört auf ein von der Polizei verbreitetes Video reagiert, das zeigt, wie ein Zivilist von einer Drohne verfolgt wird. In dem Video ist zu sehen, wie ein Mann in der südukrainischen Stadt Cherson um einen Lastwagen rennt, um einer Drohne zu entkommen. Die Drohne folgt ihm und explodiert.
Der Regionalgouverneur von Cherson, Oleksandre Prokudin, veröffentlichte später ein Video des Mannes im Krankenhausbett. Es handelt sich um einen Gemüsehändler, der den Angriff „wie durch ein Wunder“ überlebt hat. Er habe Splitterverletzungen und eine Gehirnerschütterung. „Wir hatten gerade begonnen, die Kisten herauszuholen. Meine Frau war auch dabei. Wir hörten ein Summen“, berichtet der Mann. Er habe dem Piloten zeigen wollen, dass er Gemüse transportierte und kein militärisches Gerät. Präsident Selenskyj machte russische Soldaten für den Vorfall verantwortlich und warf ihnen vor, „Freude daran zu haben, Zivilisten zu töten und zu misshandeln“.
Ukraine warnt vor Einbruch der Getreideexporte
Wegen der massiven russischen Angriffe auf ukrainische Schwarzmeerhäfen muss die Ukraine verstärkt auf alternative Exportrouten für ihr Getreide ausweichen. Diese dürften jedoch frühestens Ende August die erforderliche Kapazität erreichen und lediglich rund die Hälfte der bisherigen Ausfuhrmengen bewältigen, sagte Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkyj der Nachrichtenagentur Reuters. Seit fast zwei Wochen seien keine Schiffe mehr in die Häfen rund um Odessa eingelaufen. Die direkten Verluste für den ukrainischen Agrarsektor könnten sich in diesem Jahr auf 1,5 bis drei Milliarden Dollar belaufen.
Russland hat den Beschuss von zivilen Schiffen und der Hafeninfrastruktur zuletzt deutlich verschärft. Allein im Juli verzeichnete das ukrainische Infrastrukturministerium 35 Angriffe auf Schiffe in Häfen und 22 auf offener See. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es 14 Attacken. Als wichtigste Ausweichroute gilt nun der Schienenverkehr, da die Schifffahrt auf der Donau wegen historisch niedriger Wasserstände eingeschränkt ist. Für die Landwirte bedeuten die alternativen Wege zusätzliche Kosten von 45 bis 50 Dollar pro Tonne.
Türkei fordert Sicherheit im Schwarzen Meer
Die Türkei fordert Russland und die Ukraine auf, Maßnahmen zur Gewährleistung der Schifffahrtssicherheit im Schwarzen Meer zu ergreifen. Ankara sei zutiefst besorgt darüber, dass trotz „all unserer Warnungen“ zivile Schiffe ins Visier genommen würden, teilt das türkische Außenministerium mit. Zuvor war ein türkisches Schiff in der Nähe von Noworossijsk von einer Drohne angegriffen worden. Drei Besatzungsmitglieder wurden schwer verletzt.
Russischer Soldat erschießt vier Menschen auf der Krim
Auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim hat ein russischer Soldat nach Behördenangaben mindestens vier Menschen erschossen. Er habe zuerst das Feuer auf Kameraden eröffnet und dabei einen Militärangehörigen getötet, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur der Stadt Sewastopol, Michail Raswoschajew, mit. Anschließend habe der Soldat im Nachbardorf Chmelnizkoje drei Zivilisten umgebracht und drei weitere verletzt. Der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden. Bei den Opfern handele es sich um zwei Männer im Alter von 71 und 59 Jahren sowie eine 64-jährige Frau.



