Die Ukraine hat bei einem der massivsten Drohnenangriffe auf Moskau seit Kriegsbeginn eine Ölraffinerie im Südosten der russischen Hauptstadt schwer beschädigt. In sozialen Netzwerken kursieren Bilder und Videos, die mehrere Feuer in der Anlage zeigen. Einigen Drohnen sei es gelungen, die Raffinerie zu erreichen, räumte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin ein. Seinen Angaben nach ist die Attacke eine der schwersten ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau seit Kriegsbeginn. Nach letztem Stand hat die Flugabwehr mehr als 190 Drohnen abgeschossen.
Hilflosigkeit der Flugabwehr
Zahlreiche Aufnahmen von Augenzeugen zeigen allerdings auch die teilweise Hilflosigkeit der Flugabwehr. So ist auf einigen Videos zu sehen, wie die Drohnen unbeeindruckt von Gewehrsalven weiter auf Kurs bleiben. In einem anderen Video verfehlt ein Flugabwehrgeschoss die Drohne. Und selbst bei einem Treffer explodiert die Drohne nicht in der Luft, sondern in einem Gartenfachmarkt nahe der Raffinerie. Die Echtheit der Aufnahmen konnte zunächst nicht überprüft werden.
Mehrere Brandherde in der Raffinerie
Offiziell ist bislang nichts über das Ausmaß der Schäden in der Ölverarbeitungsanlage bekannt. Das unabhängige Internetportal „Astra“ hat nach der Auswertung von Videoaufnahmen mindestens fünf Brandherde in der Raffinerie ausgemacht. Offiziellen Angaben zufolge wurde auch ein Wohnhaus in Moskau getroffen. Im Umland sei ebenfalls ein Hochhaus beschädigt worden, teilte der Gouverneur der Region Andrej Worobjow mit. Über Verletzte in Moskau und Umgebung ist bislang nichts bekannt. Wegen der Angriffe wurden die vier Moskauer Flughäfen für mehrere Stunden geschlossen.
Selenskyj bestätigt Attacke
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte in sozialen Netzwerken die Attacke auf die Raffinerie. Er bezeichnete den Angriff als Teil der ukrainischen „Langstrecken-Sanktionen“ gegen die russische Ölindustrie. Das sei die logische Antwort auf die fortgesetzten russischen Angriffe gegen die Ukraine. Dabei verwies er insbesondere auf den Beschuss der Kyjiw-Petschersk-Lawra am 15. Juni.
„Wenn Putin diesen Krieg nicht beenden will und ihn fortsetzen möchte, werden wir nicht still dasitzen. Wir werden antworten. Die Antwort muss stark und gerecht sein“, sagte Selenskyj bei einem Gespräch mit Journalisten. „Wenn die Ukraine brennt, wird auch Moskau brennen“, fügte er hinzu. Zugleich betonte Selenskyj, dass die Ukraine den Krieg nie gewollt habe und auf ein möglichst schnelles Ende des Krieges hinarbeite. Er dankte den ukrainischen Geheimdiensten für den Angriff. Die Anlage sei ein für die russische Kriegsmaschinerie wichtiges Objekt gewesen, schrieb er.
Weitere Regionen unter Beschuss
Der Angriff auf die russische Hauptstadt fiel erneut mit einem von Präsident Wladimir Putin veranstalteten internationalen Großereignis zusammen, dem ASEAN-Gipfel in Kasan an der Wolga. Anfang Juni hatte die Ukraine weithin sichtbar ein Tanklager in St. Petersburg in Brand geschossen, als dort Putins Internationales Wirtschaftsforum tagte.
Die Ölraffinerie im Stadtbezirk Kapotnja im Südosten Moskaus gehört zu Gazpromneft und ist eine der größten Anlagen in Russland mit einer Verarbeitungskapazität von elf Millionen Tonnen im Jahr. Sie deckt einen bedeutenden Teil der Treibstoffversorgung Moskaus ab. Sie ist bereits das dritte Mal Ziel ukrainischer Angriffe. Die jüngste Attacke liegt dabei erst zwei Tage zurück.
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die von Kremlchef Putin befohlene Invasion des Landes. Dabei attackiert sie in den vergangenen Monaten vermehrt Raffinerien im russischen Hinterland. Dies soll den angreifenden russischen Truppen die Treibstoffversorgung und Moskau die Kriegsfinanzierung erschweren.
Neben Moskau hat die Ukraine bei ihren Drohnenangriffen auch weitere russische und von Russland kontrollierte Regionen ins Visier genommen. Das russische Militär sprach von mehr als 550 abgefangenen Drohnen in der Nacht. Einen Toten gab es in der Grenzregion Belgorod, zudem mehrere Verletzte in Belgorod, Kursk, aber auch dem von Russland besetzten Teil des ukrainischen Gebiets Donezk.



