Ein mutmaßlich russischer Marschflugkörper vom Typ Kh-101 ist in der vergangenen Nacht in Ostpolen eingeschlagen. Der Krater in der Region Lublin hat einen Durchmesser von etwa zehn Metern. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, Polen sei bereit gewesen, das Flugobjekt abzufangen, wäre es weitergeflogen. Es traf unbewohntes Gebiet.
Reichweite und Abwehr von Marschflugkörpern
Die Kh-101-Marschflugkörper können Ziele in fast ganz Europa erreichen – ihre Reichweite beträgt rund 4000 Kilometer. Sie fliegen in extrem niedriger Höhe zwischen 30 und 70 Metern über dem Boden, was konventionelle Radarsysteme vor große Herausforderungen stellt. Die Ukraine hat jedoch beachtliche Erfahrung in der Bekämpfung dieser Waffen: Laut dem OSINT-Bericht „Luftkriegsmonitor“ lag die durchschnittliche Abfangrate im Juni bei 79 Prozent, leicht höher als im Vormonat (78 Prozent). Allerdings setzte Russland im Juni auch weniger Marschflugkörper ein als im Jahresdurchschnitt. Die Luftabwehr in Kyjiw ist sogar noch effektiver: Sie fängt 95 bis 100 Prozent der Marschflugkörper ab.
Massive russische Angriffswelle und zivile Opfer
In der vergangenen Nacht wurde die Ukraine erneut Ziel einer massiven Angriffswelle. Russland setzte Dutzende Raketen, Marschflugkörper und Hunderte Drohnen ein, um die ukrainische Flugabwehr zu überlasten. Medienberichten zufolge gab es mindestens acht Tote und über 30 Verletzte unter der Zivilbevölkerung. Ein Brand brach im Antykar-Markt im Kyjiwer Stadtviertel Obolonskyj aus.
Die Ukraine verlor bei den Abwehrkämpfen einen der wertvollen westlichen Kampfjets vom Typ F-16. Die Maschine stürzte ab, während sie feindliche Flugobjekte abfing. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, dass es eine Notfallsituation an Bord gab. Der Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz und ist wohlauf; am Boden entstanden keine Schäden und keine Opfer.
Ukrainische Angriffe auf russische Tanker und Infrastruktur
Das ukrainische Militär meldet erfolgreiche Angriffe auf vier russische Tanker im Schwarzen und Asowschen Meer. Der Kommandeur der Drohnen-Einheiten, Robert Browdi, erklärte auf Telegram, dass in den vergangenen drei Wochen insgesamt 205 Tanker getroffen wurden – 130 im Asowschen und 75 im Schwarzen Meer. Zudem attackierte die Ukraine ein Logistikzentrum des russischen Online-Händlers Wildberries in Sarapul in der Oblast Udmurtien. Nach einem Drohnenangriff brach ein Feuer aus. Die Beschäftigten wurden in Sicherheit gebracht, es gibt keine Berichte über Opfer. Die Lieferungen werden über andere Einrichtungen umgeleitet. Udmurtien liegt tief im russischen Hinterland.
Korruptionsermittlungen in ukrainischen Rekrutierungszentren
Das staatliche Ermittlungsbüro der Ukraine durchsuchte mehr als 100 lokale Rekrutierungszentren. Überprüft werden mögliche Korruptionssysteme, durch die Mitarbeiter Männern geholfen haben könnten, die Mobilisierung zu umgehen. Ein weiterer Schwerpunkt betrifft mögliche Fälle rechtswidriger Gewalt und Misshandlung von Wehrpflichtigen.
Benzinkrise in Russland: Zitat der Woche
Die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien werden von Kyjiw als „Langstrecken-Sanktionen“ bezeichnet. Ziel ist es, Russland durch Treibstoffknappheit unter Druck zu setzen und „ganz normale Russen“ den Krieg spüren zu lassen. Ein 42-jähriger Russe namens Oleg aus Nowosibirsk sagte: „Selbst in der Sowjetunion stand man selten so lange an.“ Er bezog sich auf die langen Warteschlangen an Tankstellen. Die Benzinkrise zeigt Wirkung – viele Russen können die Auswirkungen des Krieges nicht mehr ignorieren.



