Washington D.C. ist derzeit eine große Baustelle: Der 80-jährige US-Präsident Donald Trump hat gewaltige Bauprojekte angestoßen, die das Stadtbild nachhaltig prägen sollen. Allein der neue Ballsaal im Weißen Haus ist mit 600 Millionen Dollar veranschlagt. Weitere Pläne umfassen einen Triumphbogen, einen Heldenpark und einen umgestalteten Reflecting Pool. Experten erwarten, dass diese Veränderungen den Charakter der Hauptstadt weit über Trumps Amtszeit hinaus beeinflussen werden.
„Das Weiße Haus rückt weg vom Bild des Arbeitsortes der Republik hin zum Mittelpunkt eines Präsidialhofes mit diesem Ballsaal, einer privaten Promenade und umgestalteten Gärten“, sagt Christian Lammert, Professor für die politischen Systeme Nordamerikas an der Freien Universität Berlin und Co-Host des Handelsblatt-Podcasts Trump-Watch. Bisher habe Washington bewusst auf große Triumphgesten verzichtet, „gewissermaßen ein architektonisches Understatement“, so Lammert. Die neuen Bauten setzten Trump ein bleibendes Denkmal und könnten die Art der Politik künftiger Präsidenten dauerhaft beeinflussen.
Symbolik des politischen Zentrums
Die geplanten Projekte, darunter der Triumphbogen und der Heldenpark, verändern die Symbolik des politischen Zentrums der USA. Der Reflecting Pool, einst ein Ort der Besinnung, soll umgestaltet werden. Die Hosts des Trump-Watch-Podcasts analysieren, wie diese architektonischen Eingriffe Washingtons Image als bescheidenes Machtzentrum infrage stellen. „Washington stand für eine zurückhaltende Repräsentation der Demokratie – das wird nun aufgebrochen“, ergänzt Lammert.
Folgen für den Politikstil
Die Veränderungen könnten weit über Trumps Präsidentschaft hinauswirken. „Ein Ballsaal dieser Größenordnung wird künftige Präsidenten dazu verleiten, ihn für repräsentative Zwecke zu nutzen, was den Politikstil in Richtung eines monarchischen Hofstaates verschieben könnte“, warnt Lammert. In einer weiteren Trump-Watch-Folge diskutiert der Historiker Andreas Etges zudem die Geschichtsschreibung unter Trump. Aktuelle Trump-News umfassen laufende Gerichtsprozesse und Diskussionen über das Wahlrecht vor den anstehenden Zwischenwahlen.
Die Bauprojekte sind Teil von Trumps Bestreben, sein Erbe zu sichern. Der Immobilienunternehmer, der zum Präsidenten wurde, nutzt seine Erfahrung, um Washington nach seinen Vorstellungen zu formen. Die Kosten von 600 Millionen Dollar für den Ballsaal allein zeigen die Dimension der Vorhaben. Kritiker befürchten eine Überhöhung des Präsidentenamtes, während Befürworter die Modernisierung der Hauptstadt begrüßen.



