Das UN-Kinderhilfswerk Unicef schlägt Alarm: Die steigenden Transportkosten und unterbrochenen Lieferketten infolge des Iran-Krieges bedrohen die Versorgung von Kindern mit lebensrettenden Hilfsgütern. Knapp 100 Tage nach Ausbruch des Konflikts treiben die erhöhte Unsicherheit auf wichtigen Schifffahrtsrouten die Treibstoffpreise und Versicherungsprämien in die Höhe, wie Unicef erklärte.
Hilfslieferungen verzögern sich um Monate
Überlastete Ausweichhäfen behindern die Lieferung von Hilfsgütern. Unicef ist wegen der Verzögerungen auf dem Seeweg zunehmend auf teurere Luftfracht angewiesen. Allein im ersten Quartal wurden die jährlichen Zuwendungen von Logistikpartnern für Charterflüge fast aufgebraucht, um Hilfsgüter in den Libanon und in den Gazastreifen zu fliegen. Dort kommt es zu Verzögerungen von vier bis sechs Wochen. Unicef schätzt, dass sich einige Lieferungen um bis zu sechs Monate verzögern. Die Umleitung von Schiffen um das Kap der Guten Hoffnung verlängert die Lieferzeiten um zwei bis vier Wochen.
Finanzielle Folgen sind erheblich
Die finanziellen Folgen sind erheblich. So stieg das Transportbudget von Unicef in Mali im ersten Quartal um 36 Prozent, was zu schmerzhaften Kompromissen zwingt. Es muss abgewogen werden, ob weniger lebensrettende therapeutische Fertignahrung geliefert oder bei Programmen zur Wasserversorgung gespart wird.
Iran bereitet Beisetzung von Chamenei vor
Mehr als drei Monate nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei gibt es erstmals Äußerungen zu seinem geplanten Begräbnis. Die Beerdigung sei für den Beginn des islamischen Trauermonats Muharram geplant, sagte der stellvertretende Teheraner Bürgermeister Amin Tawakolisadeh. Ein Datum wäre somit ab Mitte Juni möglich. Die Trauerfeiern sollen offiziell in Teheran, Ghom sowie Chameneis Heimatort Maschhad abgehalten werden. In Maschhad soll der frühere Religionsführer im Imam-Resa-Mausoleum beigesetzt werden. In Teheran bereiten sich die Behörden auf Versammlungen von bis zu 20 Millionen Menschen vor. Chamenei war am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet worden.
Israel setzt Angriffe im Südlibanon fort
Israel setzt seine Luft- und Artillerieangriffe auf mehrere Ortschaften im Südlibanon fort. Die Einwohner der Stadt Nabatija werden zum Verlassen des Ortes aufgefordert. Über der Hauptstadt Beirut kreist eine israelische Drohne. Die Hisbollah-Miliz gibt zwei Vorstöße gegen israelische Truppen im Südlibanon bekannt, verzichtet aber auf Raketenangriffe über die Grenze hinweg. Das israelische Militär fängt nach eigenen Angaben in der Nacht zwei aus dem Libanon abgefeuerte Geschosse ab.
Vierte Gesprächsrunde zwischen Israel und Libanon in Washington
Im Bemühen um eine Friedenslösung sind Vertreter aus Israel und dem Libanon am Dienstag erneut in Washington zusammengekommen. Die Gesprächsrunde auf Botschafterebene im US-Außenministerium ist die vierte seit Verkündung der Feuerpause Mitte April. Bei der letzten Runde Mitte Mai hatten sich beide Seiten auf eine Verlängerung der Waffenruhe um 45 Tage verständigt. Ungeachtet der seit dem 17. April geltenden Feuerpause setzten Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon ihre gegenseitigen Angriffe fort. Die Hisbollah lehnt die Gespräche in Washington ab, die ohne ihre Beteiligung stattfinden.
Libanon: Vier Tote und 127 Verletzte bei israelischem Angriff nahe Krankenhaus
Bei einem israelischen Angriff nahe einem Krankenhaus in der Stadt Tyrus im Süden des Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums vier Menschen getötet worden. Bei dem Angriff nahe dem Krankenhaus Dschabal Amel am Montag wurden zudem 127 weitere Menschen verletzt, darunter 39 Mitarbeiter der Klinik. Unter den verletzten Mitarbeitern befanden sich vier Ärzte, 27 Krankenpfleger und acht Verwaltungsangestellte. Vier von ihnen befinden sich in einem kritischen Zustand und werden auf der Intensivstation behandelt. Der Angriff habe außerdem schwere und weitreichende Schäden verursacht.
Merz ruft zur Beruhigung der Lage im Libanon auf
Bundeskanzler Friedrich Merz ruft zur Beruhigung der Lage im Libanon auf. „Die Bundesregierung sieht die jüngste Eskalation der Gewalt im Süden des Landes mit großer Sorge“, sagte Merz nach einem Treffen mit Ungarns neuem Ministerpräsidenten Peter Magyar in Berlin. „Die Hisbollah muss sofort aufhören, die Menschen in Israel anzugreifen, und sie muss ihre Waffen niederlegen.“ Die Bundesregierung rufe auch Israel dringend dazu auf, die im April vereinbarte Waffenruhe einzuhalten. Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah stellen einen Knackpunkt in den Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen zur Beendigung des Krieges der USA gegen den Iran dar.
Krieg treibt Inflation im Euroraum auf 3,2 Prozent
Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die Inflation in der Eurozone auch im Mai angefeuert. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 3,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Im April hatte die Inflationsrate noch bei 3,0 Prozent gelegen. Damit liegt die Teuerungsrate über dem Ziel der Europäischen Zentralbank. Die Notenbank steht daher unter Druck zu reagieren. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die EZB bei ihrem Entscheid am 11. Juni die Leitzinsen erstmals in diesem Jahr erhöht. Aktuell liegt der Einlagenzins bei 2,0 Prozent.
Flugverkehr über Syrien wegen Iran-Krieg stark gestiegen
Der syrische Luftraum hat sich im Mai zu einer wichtigen Ausweichroute für die internationale Luftfahrt entwickelt. Fast 12.000 Flugzeuge überquerten das Land, wie aus Zahlen der syrischen Zivilluftfahrtbehörde hervorgeht. Im Februar waren es rund 4300 gewesen. Der am 28. Februar von Israel und den USA begonnene Krieg gegen den Iran hatte die Flugrouten in der Region gestört. Für die neue syrische Regierung bedeutet dies potenziell lukrative Einnahmen, da sie die Überfluggebühren zu Jahresbeginn deutlich erhöht hat. Sicherheitsexperten sehen die Entwicklung jedoch mit Sorge.
Iran droht mit Abbruch der Verhandlungen
Der Iran droht angesichts des eskalierenden Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon mit einem Abbruch der Verhandlungen mit den USA. Sollte „die israelische Aggression gegen den Libanon“ andauern, werde man „nicht nur den Verhandlungsweg stoppen, sondern auch in eine direkte Konfrontation mit dem Feind treten“, schrieb Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. US-Präsident Donald Trump betonte, die Gespräche mit Teheran würden in „schnellem Tempo“ fortgeführt. Trump sagte, er denke, dass er „nächste Woche“ eine Einigung mit dem Iran erzielen werde.



