Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko war nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch ein Spiegel gesellschaftlicher Spannungen. Mit 13 Mannschaften aus muslimischen Ländern, darunter Saudi-Arabien, Iran und Marokko, wurde das Turnier zur Bühne für den Konflikt zwischen US-Konservativen und einem selbstbewussten Islam. Die Historikerin Sally Howell von der University of Michigan-Dearborn analysiert im Interview die Hintergründe.
Sport als letzter gemeinsamer Nenner
„Wenn die Amerikaner irgendwo einen Konsens finden, dann am ehesten beim Sport“, sagt Howell. Die WM habe gezeigt, dass Sport Menschen zusammenbringen könne, aber auch Ängste schüre. Insbesondere in konservativen Kreisen sei die Präsenz muslimischer Teams als Bedrohung der eigenen Identität wahrgenommen worden. Howell betont, dass diese Ängste oft auf fabrizierten Narrativen beruhten, aber auch reale Sorgen um Sicherheit und Integration widerspiegelten.
Reale Sorgen und fabrizierte Furcht
Laut Howell gibt es in den USA eine lange Tradition der Islamfeindlichkeit, die durch politische Akteure und Medien verstärkt werde. „Die WM wurde von manchen als Gelegenheit gesehen, diese Feindbilder zu bedienen“, so die Forscherin. Sie verweist auf Umfragen, die zeigen, dass ein Drittel der US-Bürger Muslime als Bedrohung ansieht. Gleichzeitig hätten viele Städte Public-Viewing-Events organisiert, die friedlich und integrativ verliefen. „Die Realität ist komplexer als die Schlagzeilen“, sagt Howell.
Selbstbewusster Islam auf dem Rasen
Die muslimischen Teams traten mit Stolz auf und zeigten ihre kulturelle Identität. Spieler aus Ländern wie Senegal oder Tunesien nutzten die Bühne, um für Respekt und Diversität zu werben. Dies habe in den USA gemischte Reaktionen hervorgerufen: Während junge Menschen und Migranten begeistert waren, reagierten konservative Kommentatoren mit Kritik. „Manche sahen darin eine Islamisierung des Sports“, erklärt Howell.
Politische Instrumentalisierung des Turniers
Die Historikerin kritisiert, dass die WM von politischen Akteuren instrumentalisiert wurde. Republikanische Politiker hätten die Anwesenheit muslimischer Teams genutzt, um Stimmung gegen Einwanderung zu machen. „Das ist ein bekanntes Muster: Krisen und Großereignisse werden für politische Zwecke genutzt“, so Howell. Sie verweist auf die Rhetorik von Donald Trump, der bereits vor der WM vor „radikalen Islamisten“ gewarnt hatte.
Ausblick: Integration durch Sport
Trotz der Spannungen sieht Howell Chancen: „Sport kann Brücken bauen.“ Sie verweist auf Programme in Städten wie Dearborn, Michigan, die muslimische Jugendliche durch Fußball integrieren. Die WM habe gezeigt, dass Dialog möglich sei, wenn man auf gemeinsame Interessen setze. „Die Herausforderung bleibt, Ängste ernst zu nehmen, ohne sie zu schüren“, sagt die Forscherin.



