Jahre nach dem IS: Viele Jesiden können nicht in den Schingal zurückkehren
Jahre nach IS: Viele Jesiden können nicht zurück

Jahre nach der militärischen Niederlage des Islamischen Staates (IS) stehen viele Jesiden immer noch vor großen Hindernissen, wenn es um die Rückkehr in ihre Heimatregion Schingal im Nordwesten des Irak geht. Dies zeigt eine aktuelle Folge des Podcasts „Im Krisenmodus“ der Funke Mediengruppe, in der der Kriegs- und Krisenkorrespondent Jan Jessen vor Ort mit Betroffenen spricht.

Der lange Weg zurück in den Schingal

Obwohl der IS militärisch besiegt wurde, sind viele Jesiden nicht in den Schingal zurückgekehrt. Jan Jessen, Leiter der Politikredaktion der NRZ, reiste in die Region, um die Gründe dafür zu ergründen. Er traf dort Jesiden, die an einem Gewächshausprojekt in Sinune beteiligt sind, sowie Irfan Ortac, den Vorsitzenden des Zentralrats der Jesiden in Deutschland. Die Episode beleuchtet, warum trotz Hilfsprojekten, Wiederaufbaubemühungen und vereinzelten Hoffnungszeichen viele Jesiden nicht zurückkehren können.

Kontrollpunkte und Unsicherheit prägen den Alltag

Jessens Reise durch die Region war geprägt von zahlreichen Kontrollpunkten und eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Die Sicherheitslage ist weiterhin fragil, was eine Rückkehr vieler Jesiden erschwert. In den Orten Sinune und Gunde Ahsan zeigt sich zwar eine fragile Normalität mit kleinen Läden, neuen Häusern und einer Schule voller Kinder, doch gleichzeitig sind Angst, Misstrauen und das anhaltende Trauma des Völkermords von 2014 allgegenwärtig.

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Bildung, Arbeit und Gewächshausprojekte als Hoffnungsschimmer

Lokale Initiativen in Sinune und Gunde Ahsan versuchen, durch Bildung, Landwirtschaft und Beschäftigungsmöglichkeiten eine begrenzte Rückkehr zu ermöglichen. Ein jesidischer Landwirt aus Sinune berichtet jedoch, dass er nicht in sein Heimatdorf zurückkehren kann, da seine Häuser zerstört wurden und es an Unterstützung fehlt. Seine Familie leidet weiterhin unter den schwierigen Bedingungen.

Milizen und fehlende Staatsgewalt als Hindernisse

Irfan Ortac, Vorsitzender des Zentralrats der Jesiden in Deutschland, erläutert, dass viele Jesiden aufgrund der Präsenz bewaffneter Gruppen und schwacher staatlicher Strukturen nicht sicher zurückkehren können. Die Abwesenheit staatlicher Autorität und die Kontrolle durch Milizen stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.

Was Jesiden im Schingal heute brauchen

Jan Jessen kommt zu dem Schluss, dass eine Rückkehr mehr als nur Hoffnung erfordert: Sie hängt von Sicherheit, funktionierender Regierungsführung, Wiederaufbau und nachhaltigen Zukunftsperspektiven ab. Der Podcast „Im Krisenmodus“ erscheint alle zwei Wochen mittwochs und ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.

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