Benzinkrise in Moskau: Ukrainische Angriffe auf Raffinerien führen zu Spritmangel
Benzinkrise in Moskau: Ukrainische Angriffe auf Raffinerien

Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien haben zu einer schweren Benzinkrise in Moskau geführt. SPIEGEL-Korrespondentin Christina Hebel hat ein Dutzend Tankstellen in der russischen Hauptstadt abgeklappert und dokumentiert leere Zapfsäulen, lange Schlangen und wachsenden Unmut in der Bevölkerung.

Angriffe auf Energieinfrastruktur

In den vergangenen Wochen hat die Ukraine ihre Angriffe auf Russlands Energieinfrastruktur verstärkt. Seit Juni lenken die Ukrainer Langstreckendrohnen gezielt in Ölraffinerien und Treibstofflager. Die Erfolge sind beachtlich: Allein die getroffene Raffinerie Kapotnya deckt etwa 40 Prozent des Moskauer Benzinmarkts ab. Die Folgen in der Hauptstadt sind unübersehbar.

Christina Hebel berichtet: „An dieser Tankstelle steht, dass es überhaupt kein Benzin mehr gibt und auch kein Diesel. Aber es wird anscheinend jetzt welches geliefert, denn ein Tanklaster steht hier. Es ist nicht ganz klar, was für welches … Aber gähnende Leere hier an dieser Tankstelle – und: Absperrung.“

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Wachsender Unmut in der Bevölkerung

Prügeleien um den letzten Tropfen Benzin – solche Aufnahmen aus verschiedenen Ecken Russlands kursieren seit Wochen in den sozialen Medien. Vor der Kamera spielen einige die Lage herunter. Tankstellenkunde Ibrahim sagt: „Es gibt ein bisschen Unzufriedenheit, weil wir alle schon an den Komfort gewöhnt waren. Wir gewöhnen uns aber auch an Schwierigkeiten, wir bemühen uns. Der Mensch ist ein Wesen, das sich an alle Situationen anpassen kann.“

Roman, ein anderer Kunde, meint: „Es ist alles nicht schlimm, das ist keine große Schlange, es gibt auch längere.“ Auf Nachfrage von Hebel, wie er die Lage insgesamt finde, antwortet er: „Natürlich ist sie sehr schlecht. Aber es wird besser.“ Warum er das glaube? „Weil wir einen guten Präsidenten haben.“

Imageschaden für Putin

Doch der Unmut wächst. Die meisten Menschen glauben nicht, dass der Mangel bald behoben ist. Hebel beobachtet: „Sie überlegen auch, wie sie ihre Ferien jetzt im Sommer verbringen werden. Einige tanken nur noch nachts, andere verschieben ihre Fahrten. Also, man versucht sich hier irgendwie anzupassen. Für Putin ist das Ganze schon ein Problem. Er hat das auch zumindest irgendwie anerkannt, er hat gesagt: Da müssen wir irgendwie durch.“

Die Frage sei, wie lange das dauern werde. „Für Russland, das so viel Öl fördert und so viel Benzin eigentlich produziert, ist das schon ein großer Imageschaden“, so Hebel.

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