Krimtatar ruft Russen zur sofortigen Ausreise von der Krim auf
Krimtatar ruft Russen zur Ausreise auf

Krimtatar ruft Russen zur sofortigen Ausreise auf

Die Ukraine schneidet die von Russland besetzte Halbinsel Krim zunehmend von der Versorgung ab. Ein einflussreicher Politiker fordert nun die dort lebenden Russen auf, die Halbinsel zu verlassen – solange dies noch möglich sei.

Mediterranes Klima und deutlich weniger Angriffe als auf dem Festland – bisher schien der Ukraine-Krieg auf der Krim weit weg. Die Halbinsel war ein beliebtes Urlaubsziel für Russen. Doch das hat sich geändert: Die Hotelbuchungen brachen laut Berichten ein. Die geografische Lage der Krim, die der russischen Armee lange Vorteile für Nachschub und Luftschläge bot, ist zum Problem geworden.

Die Versorgung der Halbinsel erfolgt im Wesentlichen über Straßen und Schienen. Doch diese Lebensadern sind ins Visier der verbesserten ukrainischen Drohnenkriegsführung geraten. Die Ukraine will die Krim isolieren; sie greift Lager sowie Ölanlagen an und attackiert Militär- und Treibstoff-Lkw auf allen wichtigen Straßenverbindungen vom Norden aus. Die Kertsch-Brücke im Osten – ein Prestigeprojekt von Wladimir Putin – gilt wegen ukrainischer Angriffe bereits länger als zu unsicher für den Transport per Lkw oder Bahn. Der Treibstoff ist auf der Krim inzwischen so knapp, dass er selbst mit Bezugsscheinen kaum noch zu bekommen ist.

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Diese Entwicklung hat Refat Tschubarow, Anführer der krimtatarischen Bewegung in der Ukraine, zu einem eindringlichen Appell veranlasst. Er ruft die rechtmäßigen Bewohner der Krim zu besonderer Vorsicht auf – und die nach der Annexion von 2014 illegal eingewanderten Russen zur sofortigen Ausreise.

Wer als proukrainischer Bürger in der Nähe russischer Militäreinrichtungen oder kritischer Infrastruktur wohne, solle über einen Umzug in weniger gefährdete Regionen auf der Krim nachdenken. Tschubarow geht davon aus, dass die ukrainischen Attacken auf diese Ziele weiter zunehmen werden – und neben dem Treibstoff bald auch andere Bedarfsgüter knapp werden könnten.

Tschubarow wandte sich auch an die Russen auf der Krim: „Packen Sie Ihre Sachen und kehren Sie in Ihre Heimat zurück. Jetzt. Später wird es zu spät sein.“ Relativ sicher sei die Ausreise derzeit nur noch über die Kertsch-Brücke möglich – laut Tschubarow liegt die Betonung allerdings auf „noch“. „Jeder Tag, an dem die Kertsch-Brücke weiterhin funktioniert, ist Ihre Chance, die Krim sicher und freiwillig zu verlassen“, sagte er. Man solle nicht auf den Moment warten, in dem die Brücke zerstört und der Landkorridor vollständig abgeschnitten sei.

Bisher ist es der Ukraine nicht gelungen, die Kertsch-Brücke so zu beschädigen, dass sie unbenutzbar wird. Ob Tschubarow von der Planung einer größeren Attacke weiß oder die angespannte Lage für politische Forderungen nutzt, bleibt unklar. Der Wirtschaftswissenschaftler Anders Åslund, der Regierungen in Russland und der Ukraine beraten hat, deutet Tschubarows Warnungen jedoch als Hinweis auf eine bevorstehende, größere Entwicklung. Åslund schreibt auf X: „Das ist eine ernste Angelegenheit. Tschubarow ist ein sehr einflussreicher Führer der Krimtataren. Er äußert sich öffentlich nur, wenn es um etwas Ernstes geht. Wenn Tschubarow die Russen auffordert, die Krim zu verlassen, und den Krimtataren rät, sich in Sicherheit zu bringen, steht etwas Großes bevor.“

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