Trumps Iran-Abkommen: Ein Monat später schon ausgehöhlt?
Trumps Iran-Abkommen: Schon nach einem Monat ausgehöhlt?

Washington. Vor knapp einem Monat ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran in Kraft getreten. Es sollte der Startpunkt für vertiefte Verhandlungen mit dem Ziel eines dauerhaften Kriegsendes sein. In einem Zeitraum von zunächst 60 Tagen sollte der Fokus der Gespräche aus Sicht der USA vor allem auf Irans umstrittenem Atomprogramm liegen. Doch daraus wurde nichts. Bald ist die Hälfte des 60-Tage-Zeitraums um – und anstatt intensiv über Atomfragen zu verhandeln, entpuppt sich die Situation rund um die Straße von Hormus als längst nicht befriedeter Konfliktherd.

Was ist von dem Abkommen noch übrig?

Ob die Aufhebung von Sanktionen oder von Blockaden – immer mehr Schritte, die die Kriegsparteien im Zuge ihres Rahmenabkommens vollzogen haben, sind inzwischen revidiert. Die Vereinbarung zwischen Washington und Teheran scheint weitestgehend ausgehöhlt. Trump wird die Straße von Hormus nicht los. Mit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens sollte sich die Islamische Republik „nach besten Kräften“ um eine sichere und für 60 Tage gebührenfreie Passage von Handelsschiffen durch die Meerenge bemühen. Ferner sollten der Iran und Oman unter Einbeziehung weiterer Golfanrainer über die künftige Verwaltung der Straße von Hormus beraten.

Die eher unkonkrete Formulierung „nach besten Kräften“ ist eine von mehreren in dem Abkommen, die Interpretationsspielraum lässt und dafür kritisiert wurde. Knapp vier Wochen nach Inkrafttreten des Rahmenabkommens ist die Zukunft der freien Handelsschifffahrt in der für den weltweiten Ölhandel zentralen Meerenge nach mehrfachen gegenseitigen Angriffen weiter ungewiss. Teheran und Washington ringen um die Kontrolle – und um Deutungshoheit.

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Trump fordert Gebühren für Durchfahrt

Künftig soll das US-Militär Sorge dafür tragen, dass Frachter sicher die Meerenge passieren können, schrieb Trump am Montag auf der Plattform Truth Social. Seiner Vorstellung nach sollen die USA für das Geleit nun Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes beanspruchen. Dies solle die Kosten für die Sicherstellung der Passage kompensieren, betonte Trump. Details ließ er jedoch offen – etwa, wer genau diese Gelder bezahlen soll. Trump kündigte zudem eine erneute Seeblockade gegen Schiffe an, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. Im Irankrieg hatten die USA monatelang eine solche Blockade verhängt – sie jedoch im Zuge des Rahmenabkommens Mitte Juni aufgehoben.

Allen anderen Ländern solle ein „fairer und offener“ Zugang zur Meerenge möglich sein, betonte Trump in seinem Post am Montag. Die Meerenge sei „offen und wird offen bleiben, mit oder ohne Iran“. Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) wiederum hatten am Wochenende verkündet, die Straße von Hormus bleibe bis auf weiteres und bis zum Ende der US-Eingriffe in der Region geschlossen. Nach Angaben des von der US-Marine geführten Joint Maritime Information Center soll die Seeblockade durch das US-Militär am Dienstag um 22 Uhr MESZ eintreten. Die Maßnahme gelte für jeglichen Schiffsverkehr unabhängig von der Flagge und umfasse die gesamte iranische Küste einschließlich aller Häfen und Ölterminals, wie die Behörde am Montagabend mitteilte. Die Durchfahrt neutraler Schiffe durch die Straße von Hormus zu Zielen außerhalb des Iran werde nicht behindert. Humanitäre Hilfslieferungen seien nach vorheriger Inspektion weiterhin zulässig.

Schifffahrt drastisch zurückgegangen

In der Folge der jüngsten militärischen Eskalation war die Schifffahrt durch die Straße in den vergangenen Tagen erneut drastisch zurückgegangen. Laut Daten des Anbieters Kpler passierten am Sonntag lediglich 14 Schiffe die Meerenge – der niedrigste Wert in diesem Monat. Vor Kriegsbeginn durchquerten im Schnitt mehr als 100 Schiffe täglich die Straße von Hormus.

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Waffenruhe aufgekündigt

Eine Waffenruhe gilt im Irankrieg eigentlich bereits seit Anfang April – in ihrem Rahmenabkommen haben Washington und Teheran die „sofortige und dauerhafte Beendigung der militärischen Operationen“ noch einmal festgeschrieben. Ungeachtet dessen kam es in den vergangenen Wochen wiederholt zu gegenseitigen Angriffen. Der Tenor aus den USA dazu lautete: US-Angriffe auf iranische Ziele seien lediglich begrenzte Vergeltungsschläge für iranische Attacken auf Handelsschiffe, die Waffenruhe gelte nach wie vor. Nach einer erneuten Eskalation änderte Trump vor wenigen Tagen dann allerdings seine Ansage: Die Waffenruhe sei „VORBEI“, schrieb er auf der Plattform Truth Social, nachdem er bereits auf dem Nato-Gipfel kurz zuvor eine ähnliche Nachricht verkündet hatte. Seitdem reißen die gegenseitigen Angriffe nicht ab und verschärfen die Sorge vor einem vollständigen Wiederaufflammen des Kriegs.

Sanktionen zurückgenommen und wieder verhängt

Die US-Regierung hatte sich in dem Rahmenabkommen verpflichtet, „alle Sanktionen“ gegen den Iran aufzuheben. Der Zeitplan sollte indes erst im endgültigen Abkommen vereinbart werden. Tatsächlich hatten die USA kurz nach Inkrafttreten des Rahmenabkommens Sanktionen auf iranisches Öl gelockert. Gut zwei Wochen später nahm das US-Finanzministerium vergangene Woche allerdings die dafür erteilte Ausnahmegenehmigung wieder zurück. Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit wieder untersagt. Ein US-Regierungsbeamter begründete das mit dem Verhalten des Irans in der Straße von Hormus, das für die USA „völlig inakzeptabel“ sei.

Die Vereinigten Staaten hatten mit der Ausnahmegenehmigung die Energiemärkte zwischenzeitlich beruhigt und damit auch für Entspannung an den Zapfsäulen gesorgt. Wegen der unsicheren Zukunftsaussichten kletterten die Spritpreise in den USA zuletzt aber wieder nach oben und erschweren den Bürgerinnen und Bürgern der Autofahrernation neben der ohnehin hohen Inflation das Leben. Für Trump und seine Republikaner ist das weniger als vier Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen ein Problem: Verlieren seine Parteikollegen ihre aktuell sehr knappe Mehrheit auch nur in einer der beiden Parlamentskammern, muss Trump für den Rest seiner Amtszeit mit deutlich mehr Gegenwind der Demokraten rechnen.