Seit Inkrafttreten der Waffenruhe im Gazastreifen im Oktober 2025 hat sich die Ernährungssicherheit in dem gesamten Palästinensergebiet nach Angaben der Vereinten Nationen verbessert. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) teilte am Donnerstag mit, dass insbesondere die Ernährung von Kindern besser geworden sei. Seit dem Abschluss des Waffenruhe-Abkommens habe es einen „erheblichen“ Anstieg der Nahrungsmittel- und Ernährungshilfe gegeben.
Fortschritte durch erweiterten Zugang zu humanitärer Hilfe
Die Fortschritte seien vor allem auf den erweiterten Zugang zu humanitärer Hilfe in den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Gesundheit zurückzuführen, heißt es in dem WFP-Bericht. Dennoch bleibe die Lage „fragil“. Bislang sei nur der israelische Grenzübergang Kerem Schalom im Süden des Küstengebiets geöffnet, „was den Zustrom lebenswichtiger Güter einschränkt“.
Laut WFP wurden im Mai Lebensmittelpakete an rund 1,5 Millionen Menschen verteilt. Etwa 700.000 Menschen erhielten Hilfen in Form von Bargeld. 60 Prozent der Kinder unter fünf Jahren kamen demnach ernährungsbezogene Unterstützung zugute. Die UN-Organisation erklärte zudem, es gebe erste Anzeichen dafür, dass die lokale Nahrungsmittelproduktion „wiederhergestellt werden kann“.
Care Deutschland mahnt zu Hoffnung und Zukunftsperspektiven
Der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, mahnte: „Die Menschen im Gazastreifen brauchen nicht nur Hilfe zum Überleben, sondern Hoffnung auf eine Zukunft in Sicherheit und Würde. Sie brauchen ein dauerhaftes Ende der Gewalt, Schutz und die Chance, ihr Leben wieder selbst aufzubauen.“
Nach israelischen Angaben ist die humanitäre Lage im Gazastreifen „stabil“. Aus aktuellen Daten der für zivile Angelegenheiten in den palästinensischen Gebieten zuständigen Behörde Cogat geht hervor, dass täglich „600 Lastwagen mit Hilfsgütern Gaza erreichen – mehr als das Doppelte des geschätzten Bedarfs von etwa 250 Lkw“. Allerdings nutze die in dem Gebiet herrschende Hamas die Hilfsmechanismen „systematisch aus, um ihre Aktivitäten zu finanzieren und ihre Herrschaft zu sichern“. Der große Umfang der Hilfslieferungen erschwere deren Kontrolle und erhöhe die Gefahr, „dass die humanitären Hilfsmechanismen missbraucht werden“.
UN-Vertreter kritisiert Behinderung humanitärer Einsätze durch Hamas
Ein hochrangiger UN-Vertreter hatte der Hamas unlängst vorgeworfen, humanitäre Hilfslieferungen zu erschweren und Helfer einzuschüchtern. Der stellvertretende UN-Sonderkoordinator für den Friedensprozess im Nahen Osten, Ramiz Alakbarov, erklärte Mitte Juli, er „verurteile nachdrücklich“ die Behinderung humanitärer Einsätze durch die De-Facto-Behörden in dem Palästinensergebiet.
Die Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg im Gazastreifen ausgelöst. Bei Massakern an dem Tag töteten die Islamisten mehr als 1220 Menschen, 251 Opfer verschleppten sie als Geiseln in den Gazastreifen. Israel startete als Reaktion massive Angriffe auf den Gazastreifen. In den zwei sich anschließenden Kriegsjahren wurden nach nicht überprüfbaren Hamas-Angaben mehr als 70.000 Menschen im Gazastreifen getötet. Seit Oktober 2025 gilt eine Waffenruhe.



