Die Bauman-Universität in Moskau, eine der angesehensten ingenieurwissenschaftlichen Hochschulen Russlands, dient offenbar auch als geheime Ausbildungsschmiede für Nachwuchsagenten. Das enthüllen geleakte interne Dokumente aus den Jahren 2022 bis 2024, die dem SPIEGEL vorliegen. Demnach werden am Lehrstuhl 4 der Universität gezielt Studenten für den Schattenkrieg trainiert – mit Fokus auf Hacking, Abhören und Verbreitung von Fake News.
Schattenkrieg an der Elite-Uni
Rund 2000 interne Unterlagen belegen, dass die Ausbildung weit über die offizielle Lehre hinausgeht. Die Studenten lernen, Schwachstellen westlicher Geheimdienste auszunutzen und durchlaufen ein militärisches Bootcamp. Sogar Präsident Wladimir Putin besuchte die Universität – offiziell, um sich über Weltraumforschung, Quantentechnologien und Maschinenbau zu informieren. Die geheime Agentenausbildung blieb bislang unentdeckt.
Deutschland im Fokus
Besonders Deutschland spielt in den Ausbildungsplänen eine zentrale Rolle. Die Dokumente zeigen, dass die angehenden Agenten speziell auf Operationen gegen deutsche Behörden und Unternehmen vorbereitet werden. „Die Bauman-Universität ist eine der renommiertesten Adressen Russlands für Ingenieurswissenschaften“, heißt es in dem SPIEGEL-Podcast „Firewall“. Die Recherche verfolgt Spuren von der Uni bis zu einzelnen Geheimdiensteinheiten.
Millionen-Belohnung vom FBI
Absolventen der Bauman-Universität sind offenbar an konkreten Attacken beteiligt. Das FBI hat für die Ergreifung eines von ihnen eine Millionen-Belohnung ausgesetzt. Welche Angriffe genau auf das Konto dieser Agenten gehen, bleibt Gegenstand laufender Ermittlungen. Die geleakten Dokumente bieten jedoch erstmals tiefe Einblicke in die systematische Ausbildung russischer Agenten für hybride Kriegsführung.



