Wirtschaftsboom dank Krieg: Nordkoreas unerwarteter Aufschwung
In Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas, kommen Taxis plötzlich per App in Minuten, und Luxusrestaurants bieten Speisen, die in dem hungernden Land wie aus einer anderen Welt wirken. Laut einem Bericht des Wall Street Journal ist die Veränderung so deutlich, dass man das Land kaum wiedererkennt. Grund für diesen Wandel ist der russische Angriffskrieg in der Ukraine, kombiniert mit moderner Technologie aus China, der Nordkoreas Wirtschaft einen enormen Schub verliehen hat.
Noch im Jahr 2021 hatte der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un unter Tränen wirtschaftliche Misserfolge eingeräumt. „Fast alle Bereiche blieben weit hinter den Zielen zurück“, gestand er damals. Doch mit dem Beginn des Ukraine-Krieges änderte sich die Lage schlagartig. Seitdem fließen Geld, Technologie und Material ins isolierte Land.
Milliardengeschäfte mit Waffen
Nordkorea liefert Russlands Präsident Wladimir Putin Munition und hat Berichten zufolge mehr als 15.000 Soldaten an die Front in der Ukraine entsandt. Etwa ein Drittel von ihnen wurde getötet oder verletzt. Nach Angaben des südkoreanischen Institute for National Security Strategy nahm das Regime von Sommer 2023 bis Ende 2025 mehr als zehn Milliarden Dollar durch Waffenverkäufe ein.
Zusätzlich brachte der Einsatz der Soldaten über eine halbe Milliarde Dollar ein – ein gewaltiger Betrag für ein Land mit einem geschätzten Bruttoinlandsprodukt von rund 27 Milliarden Dollar. Die ehemalige Nordkorea-Beauftragte der US-Regierung, Jung H. Pak, erklärte: „Das Regime ist wohlhabender denn je.“
Wirtschaftswachstum und neue Konsumgüter
Nach Schätzungen der südkoreanischen Zentralbank wuchs die nordkoreanische Wirtschaft 2024 um 3,7 Prozent – so stark wie seit acht Jahren nicht. Forscher gehen davon aus, dass sich das Wachstum auch in den Folgejahren fortgesetzt hat. Nordkorea-Experte Stephan Haggard von der University of California in San Diego bezeichnete dies als „eine unglaubliche Leistung für ein Land, das so arm ist.“
In Pjöngjang entstanden im vergangenen Jahr 10.000 neue Wohnungen – mehr als in US-Großstädten wie Los Angeles oder Chicago. Neue Restaurants, Autohäuser mit BMW und immer mehr Elektroautos prägen das Straßenbild. Auch Smartphones sind häufiger zu sehen, mit denen sogar Bezahlungen möglich sind.
Keine Besserung für die Bevölkerung
Trotz des Booms bleibt Nordkorea eines der repressivsten Regime der Welt. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen sind fast die Hälfte der 26 Millionen Einwohner unterernährt. Der Wohlstand konzentriert sich auf die Elite und die Hauptstadt, während die ländliche Bevölkerung weiterhin unter Hunger und Unterdrückung leidet.
Die wirtschaftliche Erholung ist also vor allem dem Kriegsgeschäft mit Russland zu verdanken, während die grundlegenden Probleme des Landes ungelöst bleiben. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge, da die Einnahmen aus Waffenverkäufen das Regime weiter stärken könnten.



