Wagner-Söldner bewachen Russlands Schattenflotte in der Ostsee
Wagner-Söldner auf Russlands Schattenflotte

Wagner-Söldner auf Russlands Schattenflotte: Neue Erkenntnisse

Eine gemeinsame Recherche von Süddeutscher Zeitung (SZ), Norddeutschem Rundfunk (NDR) und internationalen Investigativplattformen hat ergeben, dass Russland auf Tankern seiner sogenannten Schattenflotte Söldner der berüchtigten Gruppe Wagner einsetzt. Die als „Die Söldner der Schattenflotte“ veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass die bewaffneten Kräfte nicht nur die Schiffe vor Angriffen schützen, sondern auch andere Aufgaben übernehmen könnten.

Ermittlungen unter falscher Identität

Die Journalisten des Rechercheteams gaben sich als Mitarbeiter einer russischen Ölfirma aus und knüpften Kontakt zu 83 Wachleuten, die auf den Besatzungslisten der Tanker standen. Offiziell waren sie als Aushilfskräfte, Techniker oder Sicherheitsexperten gelistet, besaßen jedoch keine entsprechenden seemännischen Qualifikationen. Stattdessen hatten viele von ihnen zuvor im russischen Militär oder Sicherheitssektor gedient. 18 der Wachleute kämpften als Wagner-Söldner in Syrien oder der Ukraine, fünf arbeiteten für den Militärgeheimdienst GRU oder den Inlandsgeheimdienst FSB. Mehr als ein Dutzend hatten Verbindungen zu russischen Sicherheitsfirmen, denen Kriegsverbrechen wie Folter vorgeworfen werden.

Einsatzgebiete und Kontrollen

Die Wachleute wurden vor allem auf Tankern der Schattenflotte eingesetzt, die auf Sanktionslisten westlicher Staaten stehen und russisches Öl unter fremden Flaggen transportieren. Ihre Routen führten durch Ostsee, Nordsee, Atlantik und Mittelmeer. Erst kürzlich wurden mehrere dieser Tanker von Ostseeanrainern kontrolliert, zeitweise festgesetzt oder beschlagnahmt. Auch die deutsche Bundespolizei hat ihre Kontrollen verschärft, sodass Beamte künftig auf Wagner-Söldner treffen könnten.

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Aufgaben der Wächter

Die Recherche identifiziert drei Hauptaufgaben der Söldner an Bord:

1. Vereitelung von Kontrollen

Ein Wachmann erklärte, dass das Sicherheitspersonal dafür sorge, dass das Schiff nicht vom Kurs abweiche und der Kapitän sich bei Überprüfungen angemessen verhalte. Ein anderer betonte die Überwachung der Besatzung: „Zu meinen direkten Aufgaben gehören die Überwachung der Besatzung, des Kapitäns und des Ersten Offiziers.“ Bei Kontrollen sei besondere Vorsicht geboten, um zu verhindern, dass Offiziere etwas Falsches preisgeben. Bereits im März berichtete das Netzwerk OCCRP, dass Russland auf Tankern „Schiffsschutzteams“ einsetze, die Behörden gezielt daran hindern sollen, Schiffe zu betreten oder zu beschlagnahmen.

2. Abschreckung

Der Einsatz von Sicherheitspersonal mit bekannt harter Linie sendet Signale an europäische Kontrollbehörden. Ein europäischer Geheimdienstmitarbeiter sagte dem OCCRP, dass bewaffnete Personen die Risikobewertung verändern: „Russland glaubt, dass das Nato-Mitglieder entlang der Ostsee vorsichtiger macht.“

3. Sabotage und Spionage

Experten wie Glen Grant von der Baltic Security Foundation vermuten, dass die Wachleute wertvolle Erkenntnisse über die europäische Verteidigungsbereitschaft sammeln. Der ehemalige CIA-Offizier Sean Wiswesser geht weiter: Er mutmaßt, dass Russland die Schiffe für Sabotageakte nutzt, etwa für Drohneneinsätze. „Es geht definitiv nicht nur darum, Russlands Öl zu schützen“, so Wiswesser. „Nirgendwo sonst auf der Welt gab es in so kurzer Zeit so viele Kabelbrüche wie in den vergangenen zwei Jahren in der Ostsee.“

Hintergrund: Putins Warnung

Nachdem der Tanker „Qendil“ im Dezember 2025 von ukrainischen Drohnen angegriffen wurde, kündigte Putin auf seiner Jahrespressekonferenz an, dass Moskau „immer eine Antwort“ auf solche Angriffe habe, selbst wenn dies zu einer „beispiellosen Eskalation“ führen könne.

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