Auf der dänischen Insel Anholt findet derzeit eine öffentliche Obduktion eines gestrandeten Buckelwals statt. Während die einheimische Bevölkerung das Ereignis gelassen als Teil des natürlichen Kreislaufs betrachtet, zeigt sich Verwunderung über das immense Interesse aus Deutschland.
Eine öffentliche Veranstaltung der besonderen Art
Der Kadaver des Buckelwals liegt im Norden der Insel. Acht Wissenschaftler, Biologen und Tierärzte von dänischen Universitäten und Museen sind vor Ort, um das Tier zu untersuchen. Nach der Vermessung erfolgte ein erster Schnitt zur Entgasung – entgegen mancher Befürchtungen kam es zu keiner Explosion. Die Forscher arbeiten sich Organ für Organ vor, entnehmen Proben und werden später auch Knochen mitnehmen. Eine Tierärztin beschrieb die Arbeit als die eines Detektivs, der ein Rätsel zu lösen habe.
Die Obduktion ist bewusst öffentlich zugänglich. Neben der Presse sind auch Urlauber anwesend. Kinder schauen interessiert zu, ältere Damen haben sich mit Kissen und Tee niedergelassen, und einige Dänen genießen ein Bier in den Dünen, während sie die Arbeit der Wissenschaftler verfolgen. Die Atmosphäre wird als ruhig und konzentriert beschrieben.
Dänische Gelassenheit versus deutsche Neugier
Für die Dänen ist die öffentliche Obduktion von Walen oder anderen Tieren nichts Ungewöhnliches. Man habe keine Scheu davor, auch mit Kindern ein totes Tier zu betrachten. „Das gehört zum Leben dazu, das gehört zum Tod dazu. Man soll ruhig verstehen, wie das funktioniert“, so der Tenor. Die Dänen, mit denen gesprochen wurde, äußerten sich verwundert über das große Interesse der Deutschen. Sie hätten so etwas noch nie erlebt. In Dänemark vertraue man den Wissenschaftlern und setze auf deren Urteil. Dass zwei Wochen lang ein Livestream lief und sich so viele Deutsche für den Wal begeisterten, empfänden sie als merkwürdig. Für die Dänen sind Strandungen, auch von großen Walen, ein natürlicher Prozess der Natur.



