Drohnenangriff auf Tschernobyl: Russland trifft Atommülllager – IAEA alarmiert
In der Nacht zum Sonntag hat ein russischer Drohnenangriff nach ukrainischen Angaben ein Gebäude des zentralen Lagers für abgebrannte Brennelemente in der Sperrzone um das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl getroffen. Der Staatskonzern Energoatom teilte mit, dass das Gebäude für die Annahme von Behältern teilweise zerstört wurde. Glücklicherweise sei dort kein abgebrannter Kernbrennstoff gelagert worden, und die Strahlenwerte lägen innerhalb der festgelegten Grenzwerte. Ein Feuer auf einer Fläche von 40 Quadratmetern sei gelöscht worden.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wurde von ukrainischer Seite über die „erheblichen Schäden“ an dem Gebäude informiert und zeigte sich besorgt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, das Lager gezielt angegriffen zu haben, und sprach von einem „außerordentlich hinterhältigen russischen Angriff“. Die zuständigen Ministerien und Dienste informierten die Partner in Kyjiw über den Vorfall.
Mindestens zwei Tote bei russischen Angriffen auf die Ukraine
Bei erneuten russischen Angriffen in der Nacht zum Sonntag wurden mindestens zwei Menschen getötet. Ein 59-jähriger Mann starb bei Drohnen- und Raketenangriffen auf die zentralukrainische Region Dnipropetrowsk, wie Gouverneur Oleksandr Hanscha mitteilte. Ein 56-jähriger Minibusfahrer wurde bei einem Drohnenangriff in der südlichen Region Saporischschja getötet. In Dnipropetrowsk wurde zudem ein 35-jähriger Mann verletzt und Infrastruktur beschädigt.
Stromleitung am AKW Saporischschja wiederhergestellt
Eine wichtige Stromleitung am Atomkraftwerk Saporischschja funktioniert wieder. Nach 15 Stunden Stromausfall wurde die externe Versorgung von Europas größtem Kernkraftwerk wiederhergestellt, teilte die IAEA mit. Zuvor musste die Anlage zur Kühlung ihrer sechs abgeschalteten Reaktoren auf Notstromdieselgeneratoren zurückgreifen. Es handelte sich um den 18. Ausfall der externen Stromversorgung während des russischen Angriffskriegs und einen der längsten.
Nato baut Präsenz an Nordostflanke in Schweden und Finnland aus
Die Nato baut ihre Präsenz in Schweden und Finnland aus. Am Samstag begannen neu geschaffene Einheiten in den beiden nordischen Ländern ihren Einsatz. Die sogenannten Forward Land Forces (FLF) umfassen eine Kampfgruppe im schwedischen Boden sowie ein multinationales Hauptquartier in Rovaniemi in Finnland. Die Region sei „eine der strategisch bedeutendsten, mit einem Umfeld, das zu den schwierigsten der Welt zählt“, erklärte der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa, US-General Alexus Grynkewich. Die Entscheidung zur Schaffung der FLF in Finnland war 2024 beim Nato-Gipfel in Washington getroffen worden. Finnland, das eine mehr als 1300 Kilometer lange Grenze zu Russland hat, war der Nato im April 2023 beigetreten. Auch Schweden gab wegen des Ukraine-Kriegs seine traditionelle Neutralität auf und trat 2024 der Nato bei.
Ukraine setzt auf Rüstungsindustrie als Wirtschaftsfaktor
Die Ukraine sieht ihre Rüstungsindustrie als eine dauerhafte Quelle wirtschaftlicher Stärke. Finanzminister Serhij Martschenko sagte auf dem Jahrestreffen der Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) in Riga: „Die Nachfrage, die wir in der Ukraine geschaffen haben, hat einen Wirtschaftszweig hervorgebracht, der nun praktisch boomt. Daher ist er ein sehr wichtiger Teil unserer Zukunft.“ Entscheidend sei jetzt, die Industrie zu stärken, ihr Entwicklungskapazitäten zu verschaffen und das militärische Potenzial für einen breiteren Markt zu öffnen. Dazu stehe die Ukraine vor der Entscheidung, die Ausfuhr von Militärgütern zu ermöglichen. Durch den Ausbau könnten nicht nur Fortschritte bei militärischer Ausrüstung erzielt werden, sondern auch ein natürliches ziviles Umfeld nach dem Krieg geschaffen werden.
Merz, Starmer und Macron treffen Selenskyj zu Ukraine-Gesprächen in London
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Regierungschef Keir Starmer kommen am Sonntagabend in London mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen. Bei dem Treffen soll es um die weitere Unterstützung der Ukraine und den verstärkten Druck auf Russland gehen. Zudem solle es eine Bestandsaufnahme der Arbeiten der sogenannten Koalition der Willigen geben, zu der etwa 35 überwiegend europäische Länder zählen. Moskau und Kyjiw hatten in den vergangenen Monaten ihre gegenseitigen Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des Kriegs unter Vermittlung der USA stocken. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte am Freitag ein von Selenskyj vorgeschlagenes Gipfeltreffen abgelehnt.
Ukraine: Haben Öldepot in Region Leningrad getroffen
Das ukrainische Militär teilte mit, es habe in der Nacht ein Öldepot und einen Ölterminal in der russischen Region Leningrad getroffen. Präsident Selenskyj erklärte zudem, das Militär habe ein weiteres russisches Öldepot in der Region Krasnodar getroffen.
Grünen-Chefin fordert: Putins Schattenflotte festsetzen
Die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, hat Kanzler Friedrich Merz aufgefordert, Russlands Schattenflotte auf der Ostsee festzusetzen. „Das Meer, was hier vor euch liegt, das trägt auch das Öl, mit dem Putin immer noch seinen Krieg bezahlt“, sagte Brantner auf einem Landesparteitag der Grünen Mecklenburg-Vorpommern in Stralsund. Wenn die Bundesregierung wolle, könne sie die russische Schattenflotte festsetzen. Gemeint sind Tanker und andere Frachtschiffe, die Russland benutzt, um Sanktionen zu umgehen.
Ukraine greift Russland erneut massiv mit Kampfdrohnen an
Am letzten Tag des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg haben die ukrainischen Streitkräfte die Millionenstadt erneut unter Beschuss genommen. Gouverneur Alexander Beglow und der Zivilschutz informierten die Menschen über einen „großangelegten Angriff durch militärische Drohnen“. Die Flugabwehr sei aktiv. Schon am ersten Tag des Wirtschaftsforums am Mittwoch bildeten sich nach dem Angriff auf eine Ölraffinerie schwarze Rauschwolken am Himmel über der Altstadt.
Ukraine entschuldigt sich bei Athen für Drohnenvorfall
Mehrere Tage nach einer griechischen Protestnote hat sich das ukrainische Außenministerium für den Fund einer sprengstoffbeladenen Seedrohne vor der Ferieninsel Lefkada im Ionischen Meer entschuldigt. „Die ukrainische Seite entschuldigt sich für den Vorfall und betont, dass dieser auf Umstände zurückzuführen sei, die durch die anhaltende russische Aggression gegen die Ukraine verursacht wurden“, schrieb Außenamtssprecher Heorhij Tychyj. Das zeige, dass der russische Krieg auch eine Bedrohung für benachbarte europäische Staaten darstelle. Bereits im Mai entdeckten Fischer vor Lefkada ein etwa sechs Meter langes unbemanntes Boot mit laufendem Motor, auf dem rund 100 Kilogramm Sprengstoff entdeckt wurden. Die Küstenwache machte den Sprengsatz unschädlich.
Wadephul sagt Ukraine unerschütterliche Unterstützung zu
Außenminister Johann Wadephul sagte der Ukraine nach der Absage von Kremlchef Wladimir Putin an ein Verhandlungsangebot unverbrüchliche Unterstützung zu. Man nehme die jüngsten Aussagen von Putin zur Kenntnis und ziehe „daraus die einzig richtige und notwendige Konsequenz: Unsere Unterstützung für die Ukraine ist und bleibt unerschütterlich“, sagte der CDU-Politiker. Je eher Putin „an den Verhandlungstisch kommt, desto eher hört das Sterben auf“, fügte er hinzu. Zugleich verlangte er erneut die Einbeziehung der Europäer in mögliche Verhandlungen.
Selenskyj: Putins Absage zeigt mangelnden Friedenswillen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wertet die Absage des russischen Präsidenten Wladimir Putin an ein Treffen als Zeichen, dass der Kreml den Krieg nicht beenden will. „Leider entscheidet sich die russische Seite einmal mehr für den Krieg“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Alle hätten die schwache Antwort gehört. „Ich denke, diese Antwort wird viele Menschen weltweit enttäuscht haben“, fügte er hinzu.
Kreml: Putin traf Schröder zu Vieraugengespräch
Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich nach Kreml-Angaben zu einem Vieraugengespräch mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) getroffen. „Ja, sie haben sich getroffen. Es war ein gutes Gespräch“, sagte der außenpolitische Berater Putins, Juri Uschakow. Zum Inhalt konnte er keine Angaben machen. Putin hatte Schröder kürzlich als möglichen Vermittler für Gespräche zwischen der EU und Russland genannt. Der Vorschlag stieß in Deutschland und anderen EU-Staaten auf Ablehnung.
Russische Soldaten bei Zwischenfall an AKW Saporischschja verletzt
Bei einem schweren Zwischenfall nahe dem ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja sind nach Angaben der IAEA russische Soldaten verletzt worden. Der Vorfall habe sich während der Minenräumung im Rahmen einer lokalen Waffenruhe ereignet. Russland warf der Ukraine vor, die von der IAEA vermittelte Feuerpause mit einem Angriff gebrochen zu haben. Die ukrainische Seite teilte mit, sie halte an der Vereinbarung fest. IAEA-Chef Rafael Grossi rief zu maximaler militärischer Zurückhaltung auf.
Britischer Premier Starmer warnt vor russischem Angriff auf Nato in vier Jahren
Russland könnte nach Angaben des britischen Premierministers Keir Starmer bereits in vier Jahren einen Nato-Staat angreifen. „Nach Einschätzung unserer Geheimdienste und anderer Nato-Staaten könnte es bereits 2030 zu einem Angriff Russlands auf die Nato kommen“, sagte Starmer. Ähnlich hatten sich bereits andere europäische Spitzenpolitiker geäußert. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte im Dezember vor einem russischen Angriff binnen fünf Jahren gewarnt. Die Bundeswehr geht davon aus, dass Russland ab 2029 zu einem großangelegten Angriff auf Nato-Gebiet in der Lage sein könnte.
EU-Wirtschaftskommissar gegen Lockerung von Russland-Sanktionen
EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis hat sich eindeutig gegen eine Lockerung von Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. „Es ist klar, dass es jetzt nicht an der Zeit ist, den Druck auf Russland zu verringern. Wir müssen weiterhin Druck ausüben, weiterhin Sanktionen gegen Russland verhängen“, sagte er am Rande des EBWE-Jahrestreffens in Riga. Dies sei wichtig, auch wenn es angesichts der nötigen Einstimmigkeit „keine einfache Aufgabe“ sei. Es gebe Initiativen von Mitgliedstaaten zu weiteren Handelsbeschränkungen und Visa-Beschränkungen für russische Bürger. Die EU hat bislang 20 Sanktionspakete gegen Russland erlassen.
Putin will sich nicht mit Selenskyj treffen
Russlands Präsident Wladimir Putin sieht keinen Grund für ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Dies erklärte Putin auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum. Selenskyj hatte zuvor einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er persönliche Gespräche vorschlug. Putin sagte, der Brief enthalte unhöfliche Bemerkungen und wirke nicht wie ein aufrichtiges Angebot. „Ich sehe derzeit keinen Sinn darin“, sagte Putin.



