Überraschende Aussagen von einem der engsten Verbündeten des Kreml: Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko scheint von Russlands Präsident Wladimir Putin abzurücken. In einem Interview mit dem Fernsehsender Al Arabiya forderte Lukaschenko sowohl von der Ukraine als auch von Russland „Kompromissbereitschaft“. Zudem entschuldigte er sich bei dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für seine bisherigen harten Äußerungen gegenüber Kiew.
Neuer Ton aus Minsk
Lukaschenko, der lange als verlängerter Arm Moskaus galt, betonte, dass die Ukraine von Belarus aus nichts zu befürchten habe. „Belarus ist militärisch verwundbar“, gab er zu und ruderte damit von früheren Drohgebärden zurück. Ein militärischer Sieg sei für beide Seiten im Ukraine-Krieg unrealistisch, so der Machthaber. Diese Einschätzung gelte auch für andere Konflikte, etwa im Nahen Osten.
Militärische Realität als Hintergrund
Die Kehrtwende Lukaschenkos könnte durch die veränderte militärische Lage bedingt sein. Während die russische Offensive ins Stocken geraten ist, gelingt es der Ukraine, mit modernen Drohnen tief im russischen Hinterland zuzuschlagen. Auch die Nachschubwege zur Krim werden attackiert. Ein hochrangiger ukrainischer Drohnenkommandeur hatte zudem erklärt, man habe 500 mögliche Ziele in Belarus identifiziert und warnte Lukaschenko vor einer Kriegsbeteiligung.
Signal an Putin
Mit seinen Aussagen sendet Lukaschenko nicht nur eine Botschaft an Kiew, sondern auch an seinen Verbündeten Putin. Offenbar rät er dem Kreml-Chef, den Krieg durch Kompromisse zu beenden. Die Angst vor einem offenen Konflikt mit der Ukraine scheint den belarussischen Präsidenten zu treiben. Ob diese Positionierung mit Putin abgesprochen ist, bleibt unklar.



