Das mehrfach preisgekrönte Musical „Die Weiße Rose“ von Alex Melcher und Vera Bolten ist ab diesem Mittwoch erstmals in Berlin zu sehen. Zur Premiere der Deutschland-Tournee gastiert das Ensemble drei Tage lang im Admiralspalast. Neben den Abendvorstellungen gibt es auch spezielle Aufführungen für Schulklassen am Vormittag.
Ziel: Junge Menschen erreichen
Die Macher wollen mit dem Musical jüngere Generationen über die Geschichte des deutschen Widerstands aufklären. Sie möchten für demokratiefeindliche Entwicklungen sensibilisieren und zu Zivilcourage ermutigen. Das betonten Melcher und Bolten bereits bei einer Podiumsdiskussion im vergangenen Monat in Berlin. Mehrere Jahre lang haben sie den historischen Stoff recherchiert, um die Geschichte der studentischen Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl authentisch auf die Bühne zu bringen.
Sophie-Scholl-Schule als Vorreiterin
Schülerinnen und Schüler der Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg besuchten die erste Schulaufführung am Mittwochvormittag. Politiklehrerin Clara Rienits und Elftklässlerin Fenna Ramrath sprachen vorab über das Stück. An der Sophie-Scholl-Schule ist die Geschichte der Weißen Rose aufgrund des Namens besonders präsent. Bereits in der siebten Klasse wird sie im Unterricht behandelt. Es gibt Gedenktafeln, Wanderausstellungen und historische Peer-to-Peer-Führungen. Zu Sophie Scholls Geburtstag und Todestag werden Kerzen entzündet und weiße Rosen aufgestellt.
Dass Sophie zunächst im Bund Deutscher Mädel war, wird erst seit Kurzem thematisiert und kontrovers diskutiert. Laut Rienits herrscht jedoch ein Grundkonsens über den Mut und den Widerstand der Gruppe. Die Mitglieder werden nicht als Helden, sondern als Vorbilder gesehen.
Moderne Medien als Brücke
Fenna hält den Einsatz moderner Medien wie Filme, Graphic Novels und Musicals für wichtig. Diese seien leichter zugänglich als Texte. So könnten Jugendliche besser verstehen, warum es wichtig ist, zu seiner Überzeugung zu stehen – aber auch, welche Konsequenzen Widerstand haben kann.
Geschichtslehrer beklagen oft zu wenig Unterrichtsstunden für den Nationalsozialismus. Im Berliner Rahmenplan ist das Thema nur für die 9. Klasse vorgesehen. Die Sophie-Scholl-Schule widmet sich wegen ihrer Namensgeberin intensiver dem Widerstand und der Zivilcourage. Entscheidend sei nicht das Wissen um Daten oder Flugblätter, sondern die Lehren aus den Handlungen der Gruppe, betont Rienits. Auch der Unterschied zur heutigen Zeit und die Veränderung des Blicks auf die Geschichte seien wichtig.
Emotionale Gratwanderung
Die emotionale Aufnahme des Stoffs sei eine Gratwanderung. Gefühle gehörten dazu, ein Musical könne sie verstärken. Das könne aber auch zu falscher Emotionalität führen. Daher seien Gespräche vor und nach der Aufführung essenziell – auch mit Jugendlichen, die der Widerstandsgruppe kritisch gegenüberstehen. Denn diese Gruppe werde größer, wenn auch nicht unbedingt an der Sophie-Scholl-Schule.



