CSD-Anschlag: Wie ein verurteilter Gefährder einen 40.000-Euro-Van mieten konnte
CSD-Anschlag: Wie ein Gefährder einen teuren Van mietete

Tödliche Tat mit einem gemieteten Van

Berlin. Abdul Ballout, ein vorbestrafter islamistischer Gefährder, mietete einen weißen Citroën-Van SpaceTourer und fuhr damit am 26. Juli 2026 in eine Gruppe von Menschen, die sich an einem ungesicherten Zugang zum CSD-Gelände im Tiergarten aufhielten. Bei dem Anschlag starb eine 65-jährige Frau aus Polen, 29 Personen wurden verletzt, einige schwer. Nach dem Zusammenprall mit einem Baum, bei dem die Airbags auslösten und die Fahrzeugfront zerstört wurde, griff der Tatverdächtige offenbar mit einer Stichwaffe weitere Besucher an.

Der Citroën-Van SpaceTourer hat 180 PS, kostet neu mindestens 39.600 Euro und wiegt rund zwei Tonnen. Er ist in zwei Längen erhältlich (5 oder 5,33 Meter) und 1,90 Meter breit. Eine technische Sperre, die eine Weiterfahrt nach einem Aufprall verhindert, besitzt das Fahrzeug nicht. Ob der Van eine Innenraumkamera hatte – wie sie in der EU seit dem 7. Juli 2026 Pflicht ist –, ist laut Hersteller nicht bekannt.

Herkunft des Tatfahrzeugs

Der Van trägt ein Berliner Kennzeichen und hat bis Mai 2029 TÜV. Auf dem Nummernschildrahmen sind die Aufschriften „Dello-Gruppe.de“ und „Dürkop“ zu sehen. Die Dürkop-Autovermietung in Prenzlauer Berg, die zur Dello-Gruppe gehört, gibt an, keine Citroën-Vans zu vermieten. Laut einer Sprecherin der Dello-Gruppe wurde das Fahrzeug im Frühjahr 2026 an einen Gewerbebetrieb verkauft. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass es sich um einen Mietwagen handelte. Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts bestätigte dies gegenüber dieser Redaktion. Aus Ermittlerkreisen heißt es, Abdul Ballout habe den Wagen selbst angemietet.

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Abdul Ballout: Vorbestrafter Gefährder

Der 21-jährige Tatverdächtige galt seit Anfang 2026 als islamistischer Gefährder und IS-Sympathisant. Er war bereits im November 2025 bei der Einreise am Flughafen Berlin Brandenburg verhaftet worden, nachdem er drei Monate im Libanon in Haft verbracht hatte. Im Mai 2026 wurde er wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt – und zwar zu einer unbedingten Freiheitsstrafe, nicht auf Bewährung.

Wie konnte ein Arbeitsloser einen teuren Van mieten?

Die Frage, wie ein vorbelasteter, arbeitsloser 21-Jähriger einen fast 40.000 Euro teuren Van anmieten konnte, wirft Sicherheitslücken auf. Bei einer Autovermietung müssen Mieter in der Regel einen Ausweis, eine Aufenthaltsgenehmigung oder ein anderes Personaldokument sowie den Führerschein vorlegen. Erfolgt die Zahlung nicht per Kreditkarte, ist meist eine Kaution zu hinterlassen. Teure Fahrzeuge werden häufig nicht an Führerscheinneulinge oder Mieter zwischen 18 und 21 Jahren vergeben – oder es fallen Zusatzgebühren an. Eine Überprüfung auf Vorstrafen ist jedoch nicht erlaubt.

„Autovermieter dürfen keine Verkehrsverstöße oder Straftaten des Mieters abfragen“, erklärte ein Sprecher des Verbandes der Autovermieter.

„Wir würden das gern machen, aber der Gesetzgeber verbietet es.“

Diese Regelung gilt auch für als Gefährder eingestufte Personen. Solange sie im Besitz eines gültigen Führerscheins sind und die anderen Formalien erfüllen, können sie theoretisch ein Fahrzeug mieten. Im Fall von Abdul Ballout war sein Führerschein offenbar nicht eingezogen worden.

Reaktionen und Sicherheitsdebatte

Der Anschlag hat eine Debatte über die Sicherheit von Großveranstaltungen und die Überwachung von Gefährdern ausgelöst. Der Zugang zum CSD-Gelände war an der Stelle, an der der Van in die Menschenmenge fuhr, ungesichert. Die Polizei prüft nun, ob es Hinweise auf die Tat gegeben hat, die übersehen wurden. Die Familie des Opfers forderte eine lückenlose Aufklärung.

Der Fall zeigt auch die Grenzen des Datenschutzes: Autovermieter sind gesetzlich daran gehindert, das Vorstrafenregister einzusehen. Eine Ausnahme besteht nur, wenn der Mieter selbst zustimmt – was in der Praxis selten vorkommt. Kritiker fordern eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Bis zur Redaktionsschluss war unklar, ob Ballout den Van über einen Zwischenhändler oder direkt gemietet hatte. Die Ermittlungen des Generalbundesanwalts dauern an.

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