Der ehemalige medizinische Chefberater der US-Regierung, Anthony Fauci, hat eine erneute Aussage vor dem Senatsausschuss verweigert. Der Immunologe berief sich dabei auf den fünften Verfassungszusatz, der ihn vor Selbstbelastung schützt. Hintergrund ist die Veröffentlichung von mehr als tausend Seiten aus Faucis Corona-Tagebüchern durch den republikanischen Senator Rand Paul.
Fauci wirft Senator Paul „krankhafte Obsession“ vor
Fauci äußerte die Vermutung, dass Paul ihn vorgeladen habe, um ihn wegen Meineids „hinter Gitter zu bringen“. Der 85-Jährige warf Paul eine „krankhafte Obsession“ vor. Die demokratische Senatorin Maggie Hassan bezeichnete die Anhörung als eine Falle, die darauf angelegt sei, Fauci zu belasten. Auf Anraten seiner Anwälte schwieg Fauci zu allen Fragen.
Paul hingegen kündigte an, den Ausschuss am 5. August über den Vorwurf der Missachtung des Kongresses abstimmen zu lassen. Dies könnte für Fauci juristische Konsequenzen haben, obwohl er im Januar 2025 von Präsident Joe Biden präventiv begnadigt wurde. Die Begnadigung deckt jedoch keine neuen Aussagen unter Eid ab.
Republikaner drohen mit Handschellen
Das Weiße Haus verbreitete über den Onlinedienst X ein montiertes Bild von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., auf dem er Fauci Handschellen androht. US-Präsident Donald Trump behauptete auf Truth Social, Fauci habe „stets versucht, China zu beschützen“. Für viele Republikaner gilt Fauci als Symbol einer aus ihrer Sicht verfehlten Pandemiepolitik.
Fauci war unter Trump und Biden eine zentrale Figur der amerikanischen Coronabekämpfung. Er leitete bis Ende 2022 das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID).
Tagebucheinträge entfachen Debatte über Virusursprung
Die veröffentlichten Tagebucheinträge, über die das „Wall Street Journal“ berichtete, zeigen Faucis sich entwickelnde Einschätzung zum Ursprung des Coronavirus. Im Januar 2020 schrieb Fauci: „Jetzt wissen wir, dass der Markt nicht der Ursprung, sondern der Verstärker war.“ 2021 beklagte er, dass die „radikale Rechte“ behaupte, er habe das Virus absichtlich entwickelt.
Im Mai 2021 notierte Fauci: „Ich habe immer gesagt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Virus natürlichen Ursprungs ist. Angesichts der vielen Spekulationen über ein mögliches Laborleck in den letzten Tagen habe ich jedoch betont, dass niemand, mich eingeschlossen, sich hundertprozentig sicher über den Ursprung ist, und fordere daher eine gründliche Untersuchung.“
CIA ändert Einschätzung – Laborleck wahrscheinlicher
Innerhalb der US-Regierung hat der Auslandsgeheimdienst CIA seine Einschätzung geändert. Er hält einen laborbedingten Ursprung nun für wahrscheinlicher als einen natürlichen, allerdings nur mit geringer Sicherheit. Andere US-Geheimdienste kommen weiterhin zu abweichenden Ergebnissen. Auch der ehemalige Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hielt die Laborthese im März 2025 für wahrscheinlicher, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte.
Ein eindeutiges Ergebnis zum Ursprung des Coronavirus liegt bis heute nicht vor. Die Debatte bleibt kontrovers.



