Im Süden von Chicago steht die neue Präsidentenbibliothek von Barack Obama kurz vor ihrer Eröffnung. Das Obama Presidential Center ist mehr als nur ein Museum – es ist ein Monument für den ersten schwarzen Präsidenten der USA und seine beiden Amtszeiten. Unser US-Korrespondent Marc Pitzke hatte die Gelegenheit, das Zentrum vorab zu besichtigen und tauchte dabei in eine Ära ein, die heute fast wie eine ferne Erinnerung wirkt.
Ein Blick in die Vergangenheit
Pitzke, der Obama seit 2007 journalistisch begleitet, berichtet von einer Mischung aus Erinnerungen und Wehmut. „Es ist ein Monument für ein Amerika, das es so überhaupt nicht mehr gibt“, sagt er. Besonders eindrucksvoll sei der Nachbau des Oval Office, der originalgetreu gestaltet wurde: dezente Farben, pastellene Töne, moderne Kunst an den Wänden und eine Obstschale auf dem Couchtisch. „Nichts von dem Goldschrott, der da heute ist“, kommentiert Pitzke mit Blick auf die aktuelle politische Ästhetik. Der Kontrast zur Gegenwart sei krass – nicht nur optisch, sondern auch in der Stimmung. „Es ist das Gefühl der Hoffnung und des Wandels, das hier wieder auflebt.“
Ein Museum der Erfolge
Traditionell erhalten ehemalige US-Präsidenten eine Bibliothek in ihrem Heimatstaat, die von der US-Archivbehörde verwaltet wird. Doch Obamas Presidential Center wird von seiner eigenen Stiftung betrieben. Das spiegelt sich auch in der Ausstellung wider: Kritik an Obamas Politik sucht man vergeblich. Stattdessen stehen seine Erfolge und sein Wirken als erster schwarzer Präsident im Mittelpunkt. Das interaktive Museum feiert seine Errungenschaften und lädt Besucher ein, in seine Geschichte einzutauchen.
Ein Ort der Begegnung
Obama wünschte sich, dass sein Zentrum ein Ort der Begegnung wird. Deshalb wählte er bewusst ein strukturell benachteiligtes Viertel im Süden Chicagos aus. Mit dem 850 Millionen US-Dollar teuren Bau, der durch Spenden finanziert wurde, soll die Region gestärkt werden. Pitzke sieht darin auch eine Botschaft: „All die Werte, die hier beschworen werden, sind quasi verschwunden – aber dieses Zentrum erinnert daran, wie vergänglich Einfluss sein kann. Gleichzeitig gibt es Hoffnung, dass der nächste Schritt wieder vorwärts geht.“
Ein Spiegel der Zeit
Die Bibliothek ist nicht nur eine Rückschau auf Obamas Präsidentschaft, sondern auch ein Kommentar zur aktuellen politischen Lage in den USA. Pitzke betont, dass der Einfluss eines Mannes wie Obama die Welt verändert hat, aber auch vergänglich ist. „Zwei Schritte vorwärts, einer zurück – und dann hoffentlich wieder zwei vorwärts.“ Das Obama Presidential Center wird am 4. Juni 2026 eröffnet und verspricht, ein lebendiger Ort der Erinnerung und Inspiration zu sein.



