Fast zwei Jahre nach dem tödlichen Schusswaffenangriff eines Jugendlichen auf eine Schule im US-Bundesstaat Georgia ist dessen Vater zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Colin Gray hatte seinem Sohn Colt das halbautomatische Gewehr vom Typ AR-15 geschenkt, mit dem dieser vier Menschen ermordete. Der Richter blieb mit der Strafe laut örtlichen Medien deutlich hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft nach 80 Jahren Gefängnis zurück.
Weihnachtsgeschenk mit tödlichen Folgen
Im Dezember 2023 überreichte Colin Gray seinem damals 14-jährigen Sohn Colt ein AR-15-Gewehr zu Weihnachten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Colt bereits damit gedroht, einen Amoklauf an einer Schule zu verüben. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, der Vater habe die Warnzeichen ignoriert und die Tat fahrlässig ermöglicht. Die Verteidigung hingegen bestritt, dass Gray von den psychischen Problemen seines Sohnes gewusst habe.
Der Amoklauf an der Apalachee High School
Neun Monate nach dem Geschenk setzte Colt Gray seine Pläne in die Tat um. Im September 2024 tötete er in der Kleinstadt Winder, rund 70 Kilometer nordöstlich von Atlanta, zwei Schüler sowie zwei Lehrer und verletzte neun weitere Menschen. Der damals 14-Jährige nutzte dabei das Gewehr seines Vaters. Laut Justizangaben handelte er aus der Sucht nach „Berühmtheit“, wie der Richter später feststellte.
Urteile gegen Vater und Sohn
Der Sohn wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. In einem für die USA ungewöhnlichen Schritt wurde auch der Vater strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Geschworene im Bundesstaat Georgia sprachen den heute 55-jährigen Colin Gray im März wegen Totschlags und fahrlässiger Tötung schuldig. Das Gericht verurteilte ihn nun zu 15 Jahren Gefängnis – deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 80 Jahre Haft beantragt hatte.
Waffengesetze in den USA
Die USA werden immer wieder von Schusswaffenangriffen an Schulen erschüttert. Rund ein Drittel der Erwachsenen besitzt eine Feuerwaffe, und selbst für halbautomatische Gewehre wie die AR-15 sind die Vorschriften lax. Der Fall Gray zeigt, dass auch Eltern für die Taten ihrer Kinder haftbar gemacht werden können, wenn sie fahrlässig Waffen zugänglich machen.



